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Aus Kopenhagen : Käfer-Archiv kehrt nach Kiel zurück

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine umfangreiche historische Insekten-Sammlung des Forschers Johann Christian Fabricius war mehr als 50 Jahre an ein dänisches Museum verliehen. Doch die Verhandlungen waren zäh, die Verträge sind noch nicht unterschrieben.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 05:21 Uhr

Manche haben riesige, geschwungene Zangen. Oder Fühler, die doppelt so lang wie die eigenen Körper sind. Oder sie haben eine Bürste am Kopf. Manche schimmern metallisch blau, andere sind matt und schwarz wie die Nacht. Die Welt der Käfer ist vielfältig und faszinierend – und gleichzeitig von großer wissenschaftlicher Bedeutung. Die Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) ist deshalb stolz, eine umfangreiche historische Sammlung des Kieler Forschers Johann Christian Fabricius (kl. Foto, 1745-1808) aus Kopenhagen zurückzubekommen, die mehr als ein halbes Jahrhundert lang an das dortige universitäre Zoologische Museum ausgeliehen war – „eine Art Weltkulturerbe“, sagt Dr. Dirk Brandis vom Zoologischen Museum der CAU in Kiel. In etwa einem Jahr soll sie wieder „zu Hause“ sein.

Fabricius war Schüler des bekannten schwedischen Naturforschers Carl von Linné. Er kam als gebürtiger Däne 1775 bis 1801 als Professor für Natur- und Kameralwissenschaften an die Kieler Uni. Dort baute er seine große Privatsammlung von Insekten auf, beschrieb unzählige neue Arten und führte das Linné-System mit sogenannten Typusexemplaren weiter. Brandis: „Alles, was wir an Krabbeltieren kennen, geht auf Linné zurück.“ Doch Fabricius erkannte darüber hinaus Spinnen- und Krebstiere und grenzte sie von anderen Insekten ab.

Nach Fabricius’ Tod, berichtet Brandis, kaufte die CAU dessen Sammlung auf – denn sie hatte den „ungeheuren Wert dieser Typensammlung – rund 8000 Exemplare – erkannt“. Dazu gehören allein in der Gruppe der Käfer etwa 4300 Typusexemplare von 2415 Fabricius-Arten. Dazu kommen Krebse, bestimmte Fliegen, Wanzen, 1600 Bienen und Wespen sowie Schmetterlinge und andere Insekten.

Warum sind die Krabbeltierchen so bedeutsam? Brandis erklärt es so: „Grundsätzlich werden alle Tier- und Pflanzenarten der Erde anhand eines Typusexemplares beschrieben. Dieses ist ein Referenzexemplar für alle anderen Individuen der Art.“ Er vergleicht das mit dem Urmeter, welches das Eichmaß für unsere Maßeinheit darstellt. Das Typus-Prinzip stelle sicher, „dass alle Arten eindeutig abgrenzbar und jederzeit überprüfbar sind“.

Die Verträge zwischen Kiel und Kopenhagen sind allerdings noch nicht unterschrieben – und die Verhandlungen waren alles andere als einfach, sagt Brandis. So befürchteten die Dänen etwa, die wissenschaftliche Zugänglichkeit der Sammlung könne wegen kleinerer Personal-Ausstattung in Kiel leiden, erklärt Brandis: „Die wollten das nicht zurückgeben.“ Beide Universitäten einigten sich auf einen Kompromiss: Zurück erhält Kiel nicht die gesamte Originalsammlung, sondern etwa zwei Drittel davon. Schwerpunkt ist die Käfer-Typussammlung. „Außerdem wollen wir eine enge Kooperation schaffen“, beteuert Brandis.

Dass die Sammlung nicht nur für Wissenschaftler aus grauer Vorzeit eine wichtige Grundlage war, sondern auch heute noch von großer Bedeutung ist, zeigt die Stelle einer W2-Professur, welche die CAU eingerichtet und ausgeschrieben hat. Mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren wie Computer-Tomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) hoffen die Kieler Forscher nun etwa, neue Erkenntnisse aus der inneren Struktur der Exemplare zu gewinnen, sagt Dr. Dirk Brandis. Auch in der Medizin oder in der Schädlingsbekämpfung spielen sie eine Rolle. Nicht zuletzt sind die Fabricius-Käfer an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kultur eine Bereicherung. Und die soll für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden – „mit einem großen Festakt“, verspricht Brandis.

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