zur Navigation springen

Juwelier misshandelt und ausgeraubt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Prozess: Angesehener Gaardener wurde brutal überfallen / Täter steht jetzt vor Gericht

Uhren, Ohrringe und Ketten sind gut beleuchtet– nur ein Zettel rechts im Fenster weist die Kunden darauf hin, dass das Juweliergeschäft in der Elisabethstraße (Gaarden) heute nicht öffnet. Wann und ob es überhaupt wieder öffnet, ist unklar.

Schicksalstag für Inhaber Turan Koç (53) ist der 27. April 2013. Zwei Männer mit Sonnenbrille und Basecap bekleidet, betreten sein Geschäft um kurz nach neun Uhr. Der Albaner Elmir N. (25) ist einer von ihnen. Mit der Schusswaffe drohend läuft er in den hinteren Geschäftsraum, wo der Inhaber sitzt. Er verpasst ihm ohne Vorwarnung einen Schlag mit dem Pistolengriff gegen die Schläfe. Mindestens acht weitere folgen laut Anklage auf den Schädel des türkischen Familienvaters. Immer wieder sagt der: „Nehmt den Schmuck und haut ab.“ Doch Elmir N. soll nur „Bleib hier, sonst ich schieße“ geantwortet haben. Während der eine weiter auf den Ladenbesitzer einschlägt, räumt der andere Schmuck in die mitgebrachte Sky-Tüte.

Erst durch das beherzte Eingreifen eines Zeugen ließen die Täter von ihrem Opfer ab und versuchten zu fliehen. Er hatte von außen beobachtet, wie ein Mann die Regale leer räumt, schnappte sich eine Eisenstange aus seinem Kofferraum, ließ über eine nahestehende Person die Polizei rufen und versuchte den Täter zu vertreiben. Erst im Laden sah er, dass ein weiterer Täter den Ladenbesitzer im Schwitzkasten hielt und schlug auf ihn ein.

Als sie den Zeugen bemerkten, versuchten sie zu fliehen. Elmir N. schaffte die Schmuckbeute im Wert von rund 50 000 Euro in den bereitgestellten Fluchtwagen. Der Zeuge konnte den Mittäter kurz festhalten, kassierte dann selbst Schläge. Beide flüchteten. Ihr Plan: Die Beute zu Geld machen und untereinander aufteilen. Die Polizei fand später dank des Zeugen, der die Täter verfolgte, den Schmuck in der Sky-Tüte im Wagen mit bulgarischem Kennzeichen, nahm den Besitzer des Fluchtautos fest. Doch dieser wurde wieder freigelassen, als Elmir N. sagte, der Besitzer habe von der Tat nichts gewusst. Warum er dennoch sein Auto zur Verfügung stellte, bleibt fraglich, auch ob es sich um reisende Banden handelt. Denkbar wäre, dass der Autobesitzer für das nicht aus Kiel stammende Duo den Laden ausspioniert hat. Denn nur in der Zeit zwischen 9 und 9.30 Uhr habe Koç den hinteren Teil des Ladens geöffnet, wo er zusammengeschlagen wurde. Den Rest des Tages, so Insider, ist dieser Bereich für Kunden nicht zugänglich.

Elmir N. wurde im Sommer von griechischen Behörden geschnappt und sitzt seit dem 4. Juli in Haft. Er muss sich derzeit vorm Landgericht für die Tat verantworten. Von seinem Kompagnon fehlt weiter jede Spur.

Für Turan Koç war es das einschneidendste Erlebnis. „Wenn man die Bilder seiner Verletzungen sieht, kann man froh sein, dass er noch lebt“, sagt Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Schon einmal wurde Koç überfallen, doch damals wurde ihm nur Materielles gestohlen und nicht sein Leben zerstört. Er gilt als ein angesehenes Gründungsmitglied der türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein und ist Vorsitzender des türkischen Arbeitgeberbundes. Doch der 27. April 2013 veränderte sein Leben, er erlitt ein Schädelhirntrauma und mehrere Platzwunden. Noch heute ist er in therapeutischer Behandlung. Vor Gericht wird er als Nebenkläger von Rechtsanwalt Atilla A. Aykaç vertreten. Welche Strafe erwartet er? Aykaç: „Die Mindeststrafe für diese Tat beträgt fünf Jahre, aber in diesem besonders schweren Fall halte ich sieben bis acht für ein angemessenes Minimum.“

Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Zum Prozessauftakt war Turan Koç nicht im Gericht, er hatte die Kraft dafür nicht.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Jan.2014 | 06:53 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen