Niederdeutsche Bühne Kiel : Junge Liebhaberin, alte Schachtel

Seit 1967 ist Anne Rohde bei der Niederdeutschen Bühne Kiel aktiv, seit 15 Jahren verantwortet sie auch die Finanzen.
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Seit 1967 ist Anne Rohde bei der Niederdeutschen Bühne Kiel aktiv, seit 15 Jahren verantwortet sie auch die Finanzen.

Anne Rohde (70) hat bei der Niederdeutschen Bühne unterschiedliche Rollen gespielt. Einer ihrer größten Erfolge war „De Reis na Helgoland“ mit 75 Auftritten im ganzen Land. Heute Abend feiert sie mit „Twiefel“ 50-jähriges Bühnenjubiläum.

shz.de von
23. März 2017, 16:02 Uhr

Nein. Auf den Mund gefallen ist Anne Rohde nun wirklich nicht. Um einen flotten Spruch ist sie nie verlegen. Und sie kann auch über sich selber lachen. Diese Gabe ist nicht jedem Menschen gegeben, im Theater aber gern gesehen. Bei der Niederdeutschen Bühne Kiel ist Anne Rohde (70) seit 1967 zu Hause, mit der „Twiefel“-Premiere heute Abend um 20 Uhr feiert sie ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. „Ich spiele eine Hexe“, beschreibt sie ihre Rolle als herrische Nonne, die dem aufgeschlossenen menschenfreundlichen Gemeindepriester das Leben zur Hölle macht.

Anne Rohde kann sich noch gut an ihre erste Aufführung im Frühjahr 1967 erinnern. Kurz zuvor hatte Heinz Busch, der langjährige Leiter der Niederdeutschen Bühne, die offenkundig talentierte Frau bei einem Nachwuchs-Einakter entdeckt. „Er hat mich gleich verhaftet“, schmunzelt Anne Rohde, die dann in „Dat Verlegenheitskind“ das Mädchen spielte, das sich in den älteren Postboten verliebte.

Einer ihrer größten Erfolge war kurz danach „De Reis na Helgoland“. Diesmal musste sich Anne Rohde auf der Bühne ranhalten, damit auch sie einen Mann abkriegt. „Die Leute standen Schlange auf dem Rathausplatz“, erinnert sie sich an die glanzvolle Inszenierung. 75 Auftritte im ganzen Land absolvierten die Niederdeutschen mit ihrem Erfolgsstück. Als Anne schwanger wurde, sprang ihre Schwester ein, auch für sie wurde das Theaterspiel prägend: Susanne Frenzel feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum in der nächsten Saison.

„Am Anfang war ich die junge Liebhaberin, heute bin ich die alte Schachtel“ – so beschreibt Anne Rohde in knappen Worten die Rollenwechsel in fünf Jahrzehnten. Bei insgesamt 66 Stücken war sie als Schauspielerin dabei. Einmal, im Zwei-Personen-Stück „Misery“ frei nach Stephen King, durfte sie in ihrem Bühnen-Wahnsinn sogar die Axt heben und ihrem geliebten Schriftsteller den Kopf abschlagen. „Die Zuschauer haben mit offenem Mund dagesessen“, erinnert sich Anne Rohde.

Ohne die Niederdeutsche Bühne wäre Anne Rohde nach eigenen Worten ein ganz anderer Mensch geworden. Selbstbewusstsein zählt sie zu den Eigenschaften, die das Schauspielern und die Identifikation mit einer fremden Rolle mit sich bringen. Auch Durchsetzungskraft gehört dazu, ebenso der Respekt vor den Leistungen der Kollegen auf, vor und hinter der Bühne. „Es funktioniert nur im Team“, weiß Anne Rohde und kann sich deshalb auch mit dem Begriff „Hauptdarsteller“ nicht anfreunden. Ohne das Licht und die Technik könne man nicht spielen, ohne Kostüme und ohne Bühnenbild ebenfalls nicht. Und im Übrigen teilen alle Mitwirkenden der Niederdeutschen Bühne sowieso eine Eigenschaft, die für jedes Theater typisch ist: „Vor der Premiere sind wir alle aufgeregt.“  

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