Neuer Studiengang : Junge Ingenieure braucht das Land

Überzeugt vom neuen Studien-Angebot  für angehende Ingenieure sind (von links) Lars Appel (FH Kiel), Frank Eisoldt (GMSH), Claudia Martens (FH), Johannes Oelerich (LKN), Udo Beer (FH) und Torsten Conradt (LBV).
Überzeugt vom neuen Studien-Angebot für angehende Ingenieure sind (von links) Lars Appel (FH Kiel), Frank Eisoldt (GMSH), Claudia Martens (FH), Johannes Oelerich (LKN), Udo Beer (FH) und Torsten Conradt (LBV).

Der neue Studiengang an der FH soll den Nachwuchsmangel beheben und die Aufgaben der Landesbetriebe sichern helfen. Für den ersten Durchlauf sind 40 Plätze vorgesehen – später soll die Kapazität verdoppelt werden.

shz.de von
25. Juni 2018, 17:48 Uhr

Was haben der Deichbau an der Nordseeküste, der Tiefbau bei der Straßenverwaltung und der Hochbau bei der landesweiten Immobilien-Verwaltung gemeinsam? Die Antwort auf die Eine-Million-Euro-Frage ist klar: Überall fehlt es an qualifiziertem Nachwuchs. Deshalb hat die Jamaika-Koalition von Ministerpräsident Daniel Günther schon 2017 die Schaffung neuer Studienplätze für Bau-Ingenieure festgeschrieben. Die Fachhochschule (FH) setzt diese Vorgabe jetzt um.

Zum Wintersemester 2018/ 19 wird ein Studiengang zum Bau-Ingenieurs-Wesen eingerichtet. 40 Plätze sind vorgesehen. Einen Großteil belegen Unternehmen des Landes Schleswig-Holstein, die allesamt über akuten Nachwuchsmangel klagen, für eine duale Ausbildung, also die Kombination von Theorie (an der FH) und Praxis (im Betrieb). Im nächsten Jahr soll die Kapazität auf 80 Studenten verdoppelt werden. Dann steigt auch die Finanzbeihilfe des Landes von 500 000 auf eine Million Euro, wie FH-Präsident Udo Beer ankündigte.

8000 Kilometer Straßen, 5000 Kilometer an Radwegen, über 2200 Brücken – für den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) stellt ihr Direktor Torsten Conradt „gewisse Vernachlässigungsansätze“ fest. Weshalb es nicht nur 90 Millionen Euro jährlich für die Instandsetzung gibt, sondern auch zehn Studienplätze an der FH. Conradt kann’s kaum erwarten: „Wir freuen uns auf schnelle Ergebnisse.“

Die Gebäudemanagement SH (GMSH) hat junge Ingenieure bislang zumeist von außerhalb rekrutiert. Künftig erhofft sich Geschäftsführer Frank Eisoldt Nachwuchs aus dem eigenen Land, fünf Plätze hat er für die GMSH angemeldet. Eisoldt lobt, dass „das Curriculum exakt auf uns als öffentlicher Arbeitgeber zugeschnitten ist“. Sprich: Es geht nicht allein um die technische Ausrichtung, sondern auch um die juristische Ausbildung.

Bislang liegen für die 40 neuen Studienplätze knapp 60 Bewerbungen vor. Die Frist läuft Mitte Juli ab. Mindestens 28 Plätze werden als „industrie-begleitetes Studium“ (IBS) im Rahmen der dualen Ausbildung vergeben. Es könnten aber noch mehr werden, schätzen Lars Appel vom FH-Institut für Bauwesen und die IBS-Betreuerin Claudia Martens. Immerhin: Im ersten Studienjahr erhalten die angehenden Ingenieure monatlich 895 Euro.

„Unter dem Strich ist der neue Studiengang ein Gewinn für Schleswig-Holstein“, erklärt Johannes Oelerich für den Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Für ihn ist es wichtig, dass der Nachwuchs aus der eigenen Region stammt. Dabei geht es nicht allein um Ortskenntnis an Deichen und Schöpfwerken. „Ein Ingenieur, der Plattdeutsch spricht, ist eine Menge wert. Denn ohne die Menschen vor Ort ist kein Projekt mehr durchzusetzen.“

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