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Nummer gegen Kummer : Jugendliche schulen Jugendliche für kostenloses Sorgentelefon

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Kiel ist die einzige Beratungsstelle in Schleswig-Holstein, bei der Jugendliche mit Jugendlichen über ihre Probleme am Telefon sprechen können. Jetzt starten die Kieler ein Pilotprojekt: Jugendliche sollen Gleichaltrige für den Service am Hörer selbst schulen.

„Jeder hat es verdient, dass ihm zugehört wird.“ Das ist für Maline (20) der Grund, weshalb sie ehrenamtlich andere Jugendliche am Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutz-Zentrums Kiel berät. Seit etwa 40 Jahren gibt es die „Nummer gegen Kummer“ bereits. Einige Beratungsstellen bieten zusätzlich die Beratung von Jugendlichen für Jugendliche an – wie auch seit 13 Jahren in Kiel – einmalig in Schleswig-Holstein. Und hier geht man mit einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt noch weiter: Wurden die Jugendlichen bislang gemeinsam mit den Erwachsenen von Erwachsenen für ihre Aufgabe geschult, werden ab diesem Frühjahr fünf Jugendliche – darunter Maline (20), Jennifer (22) und Michael (21) – die Aufgabe übernehmen, ihre Altersgenossen auszubilden. „Wir versprechen uns davon eine Gruppenstärkung sowie eine bessere Einbindung ins Team“, sagt Kerstin Höcker, Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons. Michael sieht einen Vorteil darin, „dass man die Leute, mit denen man später zusammenarbeiten wird, schon frühzeitig kennenlernt“. Und: „Viele der Erwachsenen haben selbst Kinder und bringen die Themen dadurch oftmals ‚elternhaft’ rüber.“ Jennifer meint zudem, dass die Jugendlichen untereinander offener und freier reden können, umfasst doch die Ausbildung neben Themen wie Gesprächsführung auch Themenblöcke wie Pubertät, Probleme mit Eltern, Trauer oder auch Sexualität. Nach der Ausbildung kann es dann losgehen: Während innerhalb der Woche erwachsene Berater am Telefon sitzen, sind am Sonnabend Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren Ansprechpartner der Anrufer.

Die Probleme sind der Jugendlichen sind die gleichen wie früher: Stress mit den Eltern, Sexualität, Liebeskummer, Mobbing und Drogen. In letzter Zeit werde häufiger und offener über Missbrauch gesprochen, was Höcker auf die Medien schiebt, die das Thema immer mehr enttabuisieren.

Etwa 9000 Anrufe pro Jahr laufen in Kiel auf, hauptsächlich von Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren. Im Vordergrund steht Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten. Und wenn die Berater nach langem Gespräch – eine zeitliche Begrenzung gibt es nicht – mit dem Anrufer keine Problemlösung finden können, so können sie anhand einer umfangreichen Liste an diverse Beratungsstellen verweisen.


Infos zur Schulung unter www.kinderschutzzentrum-kiel.de oder bei Kerstin Höcker unter 0431/122180.


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erstellt am 24.Feb.2014 | 04:31 Uhr

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