50 Jahre Warleberger Hof : Jubiläumsjahr für das Stadtmuseum

Dieses Ballkleid hat die Gattin eines Kieler Stadtpräsidenten aus den 50er-Jahren getragen. Doris Tillmann wird es in einer Textil-Ausstellung Ende des Jahres zeigen.
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Dieses Ballkleid hat die Gattin eines Kieler Stadtpräsidenten aus den 50er-Jahren getragen. Doris Tillmann wird es in einer Textil-Ausstellung Ende des Jahres zeigen.

Das Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof feiert 2015 sein 50-jähriges Bestehen mit einer besonderen Ausstellung. Erfolgszahlen: Mehr als 30 000 Besucher haben der Fischhalle nach Wiedereröffnung im April 2014 besucht.

shz.de von
08. Januar 2015, 10:38 Uhr

Etwas mehr als 20  000 Gäste statteten dem Stadtmuseum in der Dänischen Straße im Jahr 2014 einen Besuch ab. Und acht Monate nach der Wiedereröffnung im vergangenen April erwies sich das dazugehörige Schifffahrtsmuseum (Fischhalle) mit mehr als 30  000 Besuchern als echter Publikumsmagnet. Direktorin Doris Tillmann gab sich gestern also rundum zufrieden: „Wir haben ein sehr erfolgreiches Jahr hinter uns, wollen gerne so weitermachen.“

Auch der Ausblick auf 2015 bietet Doris Tillmann Grund zur Freude: Das Team des Kieler Stadtmuseums läuft sich jetzt warm für sein Jubiläumsjahr. Denn vor einem halben Jahrhundert wurde die Museumssammlung angelegt – damit beginnt die Zeitrechnung für den Warleberger Hof. Erster Eintrag im Zugangsbuch war übrigens ein Kaffeeröster, wie Kuratorin Sandra Scherreiks schmunzelnd verriet. Weitere Jubiläen werden die kommenden Monate des Hauses prägen: 350 Jahre Kieler Universität, 150 Jahre Marine in Kiel, 70 Jahre Kriegsende.

Die Sonderausstellungen bilden viele Facetten der Stadthistorie, vor allem der Stadtentwicklung, ab. So spielt die Museumsgeschichte Kiels selbst eine herausragende Rolle. Der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wird ab April mit Vorträgen und Veranstaltungen beleuchtet. Besucher erhalten ganz plastische Einblicke in die Themen – ob in Form von Gemälden, Fotografien, Kunstgegenständen, Textilien oder Alltagsgegenständen.

Und das erwartet die Gäste des Stadtmuseums in diesem Jahr: Noch bis zum 11. Januar ist die Ausstellung „Die Kieler Südseesammlung und die kaiserliche Marine“ zu sehen. Abgelöst wird sie durch die Schau „Die Welt in Sammlungen“ (25. Januar bis 7. Juni), die sich zum runden Museumsgeburtstag mit der Entwicklung von Museen und Sammlungen in Kiel befasst. „Die Kieler Museumsgeschichte ist untrennbar mit der Universitätsgründung 1665 und der 350-jährigen Geschichte der Christian-Albrechts-Universität verbunden“, so Tillmann. Denn der Gründungsvater der Museumswissenschaften in Deutschland, Johann Daniel Major, rief 1688 das „Museum Cimbricum“ in Kiel ins Leben – das erste wissenschaftliche Museum, das sich mit einem didaktischen Konzept an die Öffentlichkeit wandte. Sein damaliges Privathaus in der Flämischen Straße 15 (Altstadt) machte er einem breiten Publikum zugänglich. Ein Modell des Nydambootes verweist in dieser Schau zudem auf das ehemalige Kieler Museum Vaterländischer Altertümer, das 1944 von Bomben zerstört wurde, dessen Sammlung nach 1945 nach Schloss Gottorf kam. Stadtmuseum und Schifffahrtsmuseum entstanden erst später in einem „langwierigen Prozess“, so Doris Tillmann.

Das Wachstum Kiels ist eng mit dem Marinestandort ab 1865 verbunden – das Jahr gilt als das der zweiten Stadtgründung. Die Ausstellung „150 Jahre Marine in Kiel“ (15. März bis 27. September) im Obergeschoss widmet sich dem Wandel des Stadtbildes, auch dem Alltag – und will dies durch Ausrüstungsexponate, Uniformen sowie Fotografien verdeutlichen. Allzu nüchtern soll die Schau auch im doppeldeutigen Sinn nicht wirken. Direktorin Tillmann: „Wir arbeiten an einer Kneipenszene“.

Modische Zeiten brechen vom 29. November bis Ende Februar 2016 mit „Kieler Chic – Textilherstellung und Mode 1945 bis 1960“ an. Die Entwicklung von der Nachkriegszeit bis zum Wirtschaftswunder wird nachgezeichnet. So gab es in Kiel eine Strumpffabrik, einen Modeverlag und Schneidereien. Markante Hüte, Ballkleider wie das türkisfarbene Dress einer Kieler „First Lady“ in den 50er Jahren, Sonnenbrillen oder Hüte zeigen: Auch die Damen von der Kieler Förde wollten gut aussehen.

Weitere Ausstellungen, kurz angerissen: Gemälde von Hans Rickers (Chronist der Stadtzerstörung und des Wiederaufbaus), 19. Juni bis 29. September; außerdem: „Landschaftsmaler des Biedermeiers Friedrich Loos“ (25. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016).


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