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Verwaltungsoffensive : „Jetzt räumen wir in der Innenstadt auf“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Werbeaufsteller und zu viele Wurstwagen sind dem Kieler Bürgermeister ein Dorn im Auge: Er will strengere Regeln. Doch die Politik muss noch zustimmen.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2015 | 06:06 Uhr

Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) ist nicht angetan, wenn er durch die Holstenstraße, Kiels bekannte Einkaufsmeile, geht. Zu viele Werbeaufsteller, zu viele Wurstwagen, zu viel im Weg. Er sprich von einer „störenden Häufung“. Ihm fehlt es an Aufenthaltsqualität. Sein Ziel: Eine ansprechende Fußgängerzone mit gepflegten Geschäftseingängen und zurückhaltender Werbung. Auch die Außengastronomie soll nach einheitlichen Standards gestaltet werden. „Jetzt räumen wir die Innenstadt auf“, lautet die Parole von Todeskino zur Verwaltungs-Initiative mit neuer Satzung samt Gestaltungshandbuch. Interessenvertreter haben mitgearbeitet am Plan für ein schöneres Einkaufserlebnis, etwa IHK und Einzelhandelsverband. „Es gibt einen großen Konsens“, so der Bürgermeister. Die Kommunalpolitik muss dafür allerdings erst noch grünes Licht geben. Und auch die Geschäftsleute müssen mitgenommen werden.

Herumgesprochen haben sich die Pläne in der Innenstadt bereits. Die Wurstwagenbetreiber sind besorgt. Bis gestern mussten sie sich um einen der begehrten Plätze für die Holstenstraße im kommenden Jahr beworben haben – diese werden im Herbst verlost. Zurzeit gibt es fünf Anbieter, erlaubt waren bisher maximal sieben. Im Rathaus liegen nun 21 Einzel-Bewerbungen vor, die sich auf sieben Familien verteilen. Für 2016 sind fünf Plätze vorgesehen. Nach dem Willen der Verwaltung soll es nach der Übergangsfrist ab 2017 nur noch zwei Wurstbräter geben.

„Ich hoffe, dass es nicht so kommt“, sagt Vladyslav Nyzhashchyy (19), der am rollenden Imbiss seiner Mutter aushilft. „Wir haben nur diesen einen Wagen. Im Moment laufen die Geschäfte gut.“ Doch keine hundert Meter entfernt steht schon der nächste. Kann das gut gehen? „Drei wären okay“, findet Erol Özekler (44), der am Holstenplatz heiße Bratwurst an die Leute bringt. Er ist einer der Bewerber für 2016. Und sagt selbstbewusst: „Wir sind das Markenzeichen von Kiel auf dieser Straße. Wir sind nicht nur Wurstverkäufer, wir werden ständig fotografiert.“ Sollte er selbst seinen Job durch den geplanten Kahlschlag verlieren – „das wäre eine Katastrophe für mich“, schiebt Özekler hinterher. Seit zwei Jahren macht er diese Arbeit, „und in Kiel einen Job zu finden ist schwierig“.

Auch der Schilderwald der Werbeaufsteller soll aus der sogenannten neuen Schutzzone 1 verbannt werden. Noch gibt es Wildwuchs, der sich durch die gesamte Holstenstraße zieht. Die Apotheke hat einen Aufsteller, der Mobilfunkladen, das Schuhgeschäft oder auch die Bäckerei. Er weist auf besondere Angebote oder das Geschäft selbst hin. Bisweilen stehen die Schilder nicht direkt am Laden, sondern auch gern ein bis zwei Meter entfernt mitten in der Fußgängerzone. Dass Passanten dann „Slalom laufen müssen“, ist dem Bürgermeister ein Dorn im Auge.

Die Geschäftsleute sehen das teilweise anders. „Wir brauchen das, wir sind noch neu am Markt“, sagt ein Shop-Angestellter, der seinen Namen nicht nennen möchte. Manchmal baumeln zusätzlich Ballons am Schild – für mehr Aufmerksamkeit. Auch schräg gegenüber in einem anderen Geschäft sehen die Angestellten die Aufsteller als notwendig an. „Mich stören sie auch nicht“, sagt eine Mitarbeiterin, die ebenfalls anonym bleiben will. Eine Kollegin stimmt ihr zu.

Anspruchsvoll klingen zudem die Pläne für die Außengastronomie: Einheitliche gehobene Standards schweben der Verwaltung vor. Sonnenschirme und Mobiliar ohne aufgedruckte Werbung. Keine grelle Beleuchtung, keine Lichterketten. Heizpilze sind unerwünscht. Und: Bevor Mobiliar erneuert wird, bedarf die Gestaltung der schriftlichen Zustimmung des Stadtplanungsamts. So steht es im Handbuch. „Wir sind nicht die Geschmackspolizei“, stellt Todeskino klar. „Aber es kann nicht sein, dass wir dort Baumarkt-Plastikstühle haben, wo wir aufwerten wollen.“ Der „Aufräumer“ verspricht aber eine Informationsoffensive und Übergangsfristen wie bei den Wurstwagen.

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