Flughafen Kiel-Holtenau : Jetzt haben die Wähler das Wort

Die Schließung der Landebahn wäre ein Gau: René Lancelle und Ute Hölscher von der Interessengemeinschaft Flughafen verlangen eine Existenzgarantie.
Die Schließung der Landebahn wäre ein Gau: René Lancelle und Ute Hölscher von der Interessengemeinschaft Flughafen verlangen eine Existenzgarantie.

Die Entscheidung, wie es mit dem Flughafen Holtenau weitergeht, rückt näher. Der Bürgerentscheid läuft am 6. Mai, am Tage der Kommun alwahl. In der Ratsversammlung standen sich die Verfechter von Pro und Kontra unversöhnlich gegenüber.

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15. März 2018, 20:01 Uhr

Bleibt der Flughafen in Holtenau erhalten? Oder wird er geschlossen, wie es eine Initiative seit langem fordert? Darüber entscheiden am 6. Mai die Einwohner der Landeshauptstadt, an diesem Tag läuft parallel zur Kommunalwahl der Bürgerentscheid über die Zukunft des Luftlandeplatzes. Bei der Ratsversammlung prallten die Meinungen wohl zum letzten Mal aufeinander – die Verfechter von Pro und Kontra stehen sich weiterhin unversöhnlich gegenüber.

An der Flughafenfrage war vor gut einem Jahr auch die Kooperation von SPD und SSW mit den Grünen zerbrochen. Gemeinsam mit den Linken und mit Andreas Meyer von der Organisation Attac wollen die Grünen dem „subventionierten Fliegen für wenige“ ein Ende machen. Auch wenn sich der Zuschussbedarf kräftig verringert hat – noch immer unterstützt die Stadt den Flughafen mit 200 000 Euro jährlich.

Die 100 Hektar große Fläche lasse sich viel besser nutzen, nämlich mit „Wohnraum für viele“. Meyer nennt die Situation in Kiel dramatisch. Deshalb drängt die Initiative darauf, den Markt zu entlasten und das Gelände mit rund 1800 Wohneinheiten zu bebauen. Denn: „Wir brauchen dringend Wohnungen in der Stadt. Ohne einen neuen Stadtteil geht es nicht.“

Das sieht die große Mehrheit von SPD, CDU, SSW und FDP in der Ratsversammlung komplett anders. Betont wird der Standortfaktor des Flughafens für die mittelständische Wirtschaft und auch für die Ansiedlungspolitik. Antje Möller-Neustock (SPD) verwies auf die Wohnbauprojekte im Kieler Süden oder auch auf dem MFG-5-Gelände direkt neben dem Flughafen: „Wir reden doch ständig über das Bauen.“ Und überhaupt: Wegen der vermuteten Altlasten könnten die Baukolonnen auf dem Flughafen sowieso nicht sofort anrücken. Außerdem sinke das Flughafen-Defizit seit Jahren. „Die Tendenz ist eindeutig positiv. Der Verkehrslandeplatz funktioniert.“

In die Debatte griff auch Professor Felix Braun vom Uni-Klinikum ein, der auf die Bedeutung des Landeplatzes für Organtransplantationen hinwies. Und Martin Kruse von der Industrie- und Handelskammer (IHK) erinnerte an das einstimmige Votum der IHK-Vollversammlung: „Die Wirtschaft fordert mit Nachdruck den Erhalt des Flughafens.“ Die überraschende Benennung der beiden Kurz-Redner von außerhalb wertete Lydia Rudow von den Grünen als „grobes Foulspiel“. Nicht einmal im Ältestenrat sei dies erwähnt worden. Lydia Rudow fügte hinzu: „Dann hätten wir auch Vertreter von Hempel’s oder vom BUND eingeladen.“

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, als Chef der Verwaltung zur Neutralität verpflichtet, hielt fest, dass die Initiative mit der Sammlung von rund 8000 Unterschriften die Voraussetzungen erfüllt habe. „Dem Bürgerentscheid steht nichts entgegen.“ Und weil am Tage der Kommunalwahl an der Urne eben auch über den Flughafen entschieden wird, ist für ihn eine hohe Wahlbeteiligung garantiert. Dieser Prognose stimmten ausnahmsweise beide Seiten zu – die Gegner des Flughafens ebenso wie die Befürworter. Mehr Einigkeit aber war gestern nicht drin.

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