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Deutschlands Erste Trampstelle : Jetzt amtlich: Per Anhalter ab Kiel-Westring

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiel bekommt die bundesweit erste offizielle Trampstelle – eine Initiative von Studenten. Der Kieler Bürgermeister weiht das Schild nächste Woche am Westring ein.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 06:13 Uhr

Kiel | Daumen raus und auf dem Bürgersteig warten, bis einer anhält: Trampen als Mitfahrgelegenheit zum Nulltarif soll ab nächster Woche in Kiel deutlich einfacher werden. Am Donnerstag eröffnet Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) die erste offizielle Trampstelle Deutschlands. Am Westring nahe der Bushaltestelle Berufliche Schulen wird dann auf dem Parkstreifen ein Schild mit ausgestrecktem Daumen darauf hinweisen: Die letzten drei Stellflächen sind für Tramper-freundliche Fahrer re zum Halten serviert. Der Ort liegt nahe der Stadtautobahn 215, von wo viele Autofahrer Richtung Rendsburg und Flensburg sowie Dänemark oder nach Hamburg starten. Als Vorbild dient der holländische „Liftplaats“ (siehe Foto) in Autobahnnähe.

Die Initiative zur Trampstelle stammt von einer Gruppe Kieler Studenten. Im Ideenwettbewerb Yooweedoo an der Uni hatten sie 2013 ein Konzept entwickelt und zählten zu den Preisträgern. Sie trugen es an die Grünen im Rat heran. Nach einer Machbarkeitsstudie wird der Haltepunkt jetzt Realität. Johannes Manthey (25) ist zufrieden. Der Geografie-Student trampt nach eigener Aussage regelmäßig von Kiel nach Hamburg und zurück und auch ins Ausland – mit guten Erfahrungen. Er hat sich für den Abhol-Spot eingesetzt.

„Kiel könnte mit der ersten Trampstelle ein Zeichen setzen, um die Idee auch in anderen Städten zu verwirklichen“, sagten Manthey und seine Mitstreiter Rolf Schwander und Yannick Westerfeld schon bei der Teilnahme am Wettbewerb. Zudem plädieren sie für mehr Vertrauen in Tramper – „die offizielle Haltestelle ist für uns darum auch ein Statement von offizieller Seite“, betont Manthey, der gegen das Vorurteil kämpft, Tramper seien nur „Schnorrer“.

Denn es geht ihnen nicht nur um das Gratis-Taxi. Das Projekt „Kieltrampt“ wolle die nachhaltige Mobilität durch Trampen fördern: „Viele Autos haben ungenutzte freie Plätze“, sagt Manthey. Es sei ressourcenschonender, wenn mehr Fahrgäste im Auto sitzen. Und der ökologische Fußabdruck des Fahrers falle geringer aus.

Diesen Aspekt, verbunden mit einem Plus an Mobilität, lobt auch der Pressesprecher der Stadt, Arne Gloy. „Dazu gibt es sogar einen Ratsbeschluss. Die Studenten haben darum bei uns offene Türen eingerannt.“ Das neue Schild mit dem erhobenen Daumen koste „praktisch nichts“.

Die Ecke am Westring sei momentan allerdings die einzige Möglichkeit für solch eine Stelle. Grundsätzlich bevorzugen Tramper oft die Kreuzung bei Ikea zum Warten oder stellen sich am Anfang der Autobahn hinter der Kreuzung auf. Das ist jedoch gefährlich. Und die Stadtverwaltung will, so Gloy, das Einsteigen – ob für Tramper oder andere Mitfahrgelegenheiten – sicher machen. Die Einrichtung dieser Trampstelle sei aber auch nur ein Anfang, kündigte Gloy an. Im nächsten Schritt könne es darum gehen, wie und wo Tramper oder Mitfahrer optimal in Kiel aussteigen können. Derzeit werde das oft am Schützenwall/Ecke Lutherstraße praktiziert.

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