Kieler Steuerstreit : Insolvenzplan: Uthoff will seine Klinik verkaufen

Der Insolvenzverwalter glaubt an wirtschaftlichen Erfolg und an den Erhalt der Arbeitsplätze. Jetzt müssen Gläubiger seinem Konzept zustimmen.

Margret Kiosz von
06. Januar 2015, 07:07 Uhr

Kiel | Noch wird gerätselt, wer der neue Eigentümer der Kieler Augenklinik Bellevue wird. In den vergangenen Tagen verdichteten sich Hinweise, dass einer der Oberärzte Interesse hat, die Klinik des umstrittenen Mediziners Detlef Uthoff zu übernehmen und weiterzuführen. Offiziell bestätigt wurde am Montag vom Insolvenzverwalter lediglich, dass einem Verkauf des Betriebes „an Investoren außerhalb der Familie“ nichts mehr im Wege steht. Das ist auch die Kernaussage des Insolvenzplanes, den der Pleitier beim Amtsgericht vorlegte.

Insolvenzverwalter Klaus Pannen teilte mit, „dass die Klinik wirtschaftlich erfolgreich läuft und überlebensfähig ist“. Momentan werde im Rahmen des Insolvenzverfahrens ein Investorenprozess durchgeführt. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass am Ende die Klinik mit sämtlichen Arbeitsplätzen unter neuer Flagge erhalten bleibt.“

Vorausgegangen waren in den vergangenen Wochen intensive Verhandlungen mit den Gläubigern, denen Uthoff rund 100 Millionen Euro schulden soll. Hauptgläubiger ist die DSU Vermögensverwertungsgesellschaft, die Anfang 2014 von Uthoffs Rechtsanwalt Matthias Söffing und der Klinikbuchhalterin Marion Doose gegründet wurde. Sie verwaltet Forderungen an Uthoff in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Diese waren in der Finanzkrise zum Ramschpreis von Personen aus dem Umfeld des Augenarztes aufgekauft worden und stehen jetzt wieder zum Nominalkurs in den Büchern. Inzwischen soll Uthoff wieder Gesellschafter der GmbH sein und die Schulden gegen sich selbst verwalten. Außerdem macht die Stadt Kiel offene Steuerschulden in Höhe von 7,8 Millionen Euro gegen den auf großem Fuße lebenden Uthoff geltend. Das Land streitet mit ihm vor dem Finanzgericht zudem seit Jahren um Steuerforderungen in Höhe von knapp 30 Millionen Euro. Zudem steht der Mediziner – mit Haus auf Sylt und Privatjet – mit rund 1,4 Millionen Euro bei der Arbeitsagentur in der Kreide, weil die für drei Monate Insolvenzgeld – also die Lohnfortzahlung – für die 160 Bellevue-Mitarbeiter überwies.

Der von Uthoff angeheuerte Rechtsanwalt Rolf Rattunde betonte am Montag: „Der angestrebte Vergleich beruht auf einem ausgewogenen Kompromiss, bei dem neben Prof. Dr. Uthoff jeder Gläubiger nachgeben musste.“

Uthoff selbst sieht sich als Opfer. „Ich bin mit meiner Familie in politische Auseinandersetzungen hineingezogen worden, in deren Folge ich persönlich von Medien angegriffen wurde“, beklagte er sich. Dabei gehe es ihm nur um die Mitarbeiter, die nicht unter dem einem Steuerstreit leiden sollten, der aus einem verlustreichen Immobiliengeschäft Anfang der neunziger Jahre entstanden sei. „Um eine Fortführung der Klinik zu ermöglichen und endlich eine Lösung strittiger Steuerfragen zu erreichen, verzichte ich im Rahmen des Sanierungsplans auf wesentliche Rechte an meiner Klinik“, erklärte der Augenarzt.

Jetzt haben die Gläubiger das Wort. Sie müssen entscheiden, ob sie mit dem Insolvenzplan leben können. Zumindest für die Stadt Kiel wird das ein Biss in einen sauren Apfel: Die „50-Plus-Quote“ die Ex-Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke vor 18 Monaten mit Uthoff aushandelte und sie den Job kostete, wird wohl nicht mehr erreicht. Gaschke – räumt Pannen ein – habe damals mit dem umstrittenen und von der Kommunalaufsicht kassierten Steuerdeal „wirtschaftlich einen ganz vernünftigen Kompromiss ausgehandelt. Soviel Geld wird die Stadt jetzt auf keinen Fall wiedersehen“. Experten gehen davon aus, dass die Gläubiger nur ein Viertel ihrer Forderungen bei dem Pleitier eintreiben können.

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