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In Kiel erfunden, weltweit gespielt

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Spiele-Autor Dirk Holdorf fand interessierte Großhändler in den USA und Japan.

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Neben den Klassikern wie Mensch ärgere dich nicht, Monopoly, Malefiz oder Halma kommen jedes Jahr zahlreiche neue Spiele in den Handel. Auf den Internationalen Spieltagen in Essen, der weltgrößten Publikumsveranstaltung für nichtelektronische Spiele, wurden allein im Jahr 2011 rund 800 neue Spiele vorgestellt. Eines davon war das Spiel „Teneriffa“, ein taktisches Spiel, das im 16. Jahrhundert während der instabilen Zeit der Kolonisation spielt. Das Besondere an dem Spiel: Es ist das erste veröffentlichte Spiel des Kieler Spieleautors Dirk Holdorf.

„Schon in meiner Kindheit wurde zusammen mit den Eltern bei uns zuhause viel gespielt, ob nun am Wochenende oder auch unter der Woche am Abend“, erzählt der 41-Jährige. Schon in jungen Jahren begann er, Spiele nachzuzeichnen und einen eigenen Spielverlauf zu entwickeln, den die Eltern oder Freunde dann testen mussten. Ein Urlaub auf Teneriffa im Jahr 2005 brachte ihn schließlich auf die Idee, das Entwickeln von Spielen gezielter voranzutreiben – es war die Geburtsstunde des Spiels „Teneriffa“. „Insgesamt habe ich rund sechs Jahre daran gearbeitet – von der ersten Idee, über Kohlezeichnungen für das Spielbrett, entwerfen der Spielkarten bis hin zum fertigen Spiel. Anfangs allerdings nur sporadisch und neben der Entwicklung mehrerer anderer Spiele“, sagt Holdorf, der das Erfinden von Spielen nebenberuflich betreibt.

Am Anfang steht eine Idee, die es gilt, mit Kreativität umzusetzen. „Ich versuche, eine Kurzgeschichte zu erfinden, eine Handlung für das Spiel zu konstruieren. Dann folgen die Überlegungen zu den Rollen der Spieler und zu dem, was alles benötigt wird. Bei meinem Spiel „Vino Tinto“, das Ende 2014 auf den Markt kommen soll und in dem sich alles um den spanischen Weinhandel dreht, wären das beispielsweise ein Weinkeller, Marktstände und Ähnliches“, versucht Dirk Holdorf die Entwicklung kurz zu umreißen. Zudem muss natürlich auch das Spielbrett entworfen werden, was Holdorf mittels Kohlezeichnungen umsetzt. Auf Spieletagen oder auch in seiner Wohnung werden die Spiele dann von Verwandten, Freunden aber auch Fremden anhand von Bewertungsbögen getestet um zu sehen, ob das Ganze spielbar ist und wie es ankommt. Sind diese Hürden genommen, geht es an die Produktion und Vermarktung. Im Gegensatz zu vielen anderen Spiele-Autoren ist Holdorf auch sein eigener Verleger. „Oftmals arbeiten die Entwickler rein als Autoren für die großen Verlage, bekommen ihr Honorar und tragen kein Risiko“, so Holdorf, der im Hauptberuf Horterzieher ist. Da er aber keine Lust hatte, seine Spiele den Großen der Branche anzubieten und möglicherweise, auch aufgrund der Vielzahl der dort eingereichten Spiele, eine Absage nach der anderen zu bekommen, entschied er sich für den eigenen Verlag und damit auch das eigene Risiko. Mit Birthe Jabs aus Bargteheide fand er eine Grafikerin, die seine Kohlezeichnungen grafisch umsetzt, zudem arbeitet er mit einem Hersteller zusammen, der auch Lagerkapazitäten vorhält und den Versand übernimmt. Und bei der Händlerakquise wurde Holdorf nicht nur in Kiel fündig. Großhändler vertreiben sein Spiel „Teneriffa“ bundesweit. „Durch die Messe in Essen 2011 habe ich sogar Großhändler in den USA und in Japan gefunden, die mein Spiel dort vertreiben“, erzählt der Autor nicht ganz ohne Stolz.

Mehrere Tausend Euro kostet es, bis ein Spiel auf dem Markt ist, wobei die grafische Umsetzung und die Produktion den größten Batzen verschlingen. Kosten, die Dirk Holdorf aber nicht abschrecken. Neben dem bereits erwähnten Spiel „Vino Tinto“ arbeitet er derzeit noch an weiteren Spielen wie „Die Schmuggler vom Alabamariver“, dem Piratenspiel „Bahamas“ oder auch an dem im zwielichtigen Milieu spielenden „Der Pate von Berlin“. Während man diejenigen Autoren in Deutschland, die das Entwickeln neuer Spiele hauptberuflich betreiben an zehn Fingern abzählen kann, gibt es bundesweit etliche Autoren, die ihre Passion, wie Holdorf, semiprofessionell betreiben. „Da findet man alles, Pädagogen, Zahntechnikermeister oder eben auch Horterzieher“, wie Holdorf schmunzelnd feststellt. Und so werden neben den Klassikern auch weiterhin jedes Jahr neue, von kreativen Köpfen entwickelte Spiele auf den Markt kommen – einige davon sicherlich auch aus Kiel.

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