Friendship Force : In der ganzen Welt zu Gast bei Freunden

Freundschaft über Kontinente: Mitglieder der Kieler  Friendship Force und ihre Gäste aus Neuseeland vor dem Herrenhaus Kluvensiek.
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Freundschaft über Kontinente: Mitglieder der Kieler Friendship Force und ihre Gäste aus Neuseeland vor dem Herrenhaus Kluvensiek.

Der Verein Friendship Force gibt außergewöhnliche Einblicke in fremde Länder und Kulturen. In Kiel waren am Wochenende Neuseeländer zu Gast. Das Besondere: Auf Reisen übernachtet man nicht in Hotels, sondern bei Familien, um Land und Leute kennen zu lernen.

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19. Juni 2014, 04:30 Uhr

Es wird geklönt. Deutsche und englische Wortfetzen sind zu hören, als der Pferdewagen mit der Gesellschaft vorüberfährt. Fröhliches Lachen der Frauen und Männer schwappt vom Wagen herunter. Es scheint, dass sich die Gruppe schon lange kennt, doch die 14 Neuseeländer und ihre Gastgeber aus Kiel und dem Umland sind sich vor nur vier Tagen zum ersten Mal begegnet. Der Verein Friendship Force hat sie zusammengeführt.

Als die Kieler ihre Gäste am Samstag in Empfang nahmen, hatten die schon eine Woche in England und eine weitere Woche an Bord der MSC Orchestra hinter sich, die sie nach Kopenhagen, Helsinki, Stockholm und St. Petersburg brachte. „In Kiel haben wir die schönste Zeit“, schwärmt Pam Davies, Austauschleiterin von neuseeländischer Seite. „Schon am dritten Tag war es, als würden wir uns schon immer kennen“, sagt sie weiter. Ein Grund dafür ist das Prinzip von Friendship Force: Die Reisenden kommen nicht als Touristen, sondern wohnen in Familien und lernen Land und Kultur von privater Seite kennen. Zum anderen ist es das Programm, das Joachim Bornhöft, Austauschleiter auf deutscher Seite, zusammengestellt hat. Ein Empfang bei Stadtpräsident Hans-Werner Tovar im Kieler Rathaus mit Führung durch das historische Gebäude und der Fahrt hinauf in den Turm gehörten ebenso dazu wie eine Schiffstour auf der Förde mit Ziel Laboe, wo das U-Boot und das Marine-Ehrenmal besucht wurden. Das Freilichtmuseum in Molfsee war besonders interessant für die Gäste, die zum Großteil Farmer sind – neben Öl und Gas ist die Milchwirtschaft Haupt-Erwerbszweig der Menschen in New Plymouth. Auch die Kutschfahrt vom Herrenhaus Kluvensiek in Bovenau durch die Felder, entlang am Nord-Ostsee-Kanal mit Zwischenstopp am Himbeerhof Steinwehr kommt bei den Teilnehmern sehr gut an, die immer wieder aufs Neue fasziniert sind von den alten Gebäuden, die auf ihrem Weg liegen. Das Herrenhaus beispielsweise wurde erstmals 1450 erwähnt, in seiner heutigen Form 1777 errichtet und Anfang des 19. Jahrhunderts erweitert. „Wir können es nicht begreifen, wie alt diese Gebäude sind“, sagt Pam Davies überwältigt und merkt an, dass ihre Heimatstadt New Plymouth im Westen Neuseelands erst 1841 besiedelt wurde. Das Flair der Gärten, die Bäume, die sie in den vergangenen Tagen sah, ähnelten denen zuhaus, und auch das köstliche Essen erinnere sie manchmal an die vertraute Küche.

Die Kieler Woche werden die Gäste aus Down Under nicht mehr miterleben – am Samstag trennen sich ihre Wege. „Wir sind traurig, dass wir diese Menschen verlassen“, spricht die Austauschleiterin ihrer Gruppe aus dem Herzen. „Ich hoffe, sie kommen irgendwann einmal zu uns, ans Ende der Welt“, sagt sie weiter. Etwa 24 Stunden Reisezeit müsse man rechnen, um die rund 18 000 Kilometer Luftlinie zu bewältigen. In den drei Jahren, in denen sie und ihr Mann Mitglieder bei Friendship Force sind, hätten sie viele Freunde in der ganzen Welt gefunden. „Ich bin sicher, dass wir einige in Neuseeland wiedersehen werden“, sagt Pam Davies.

Die rund 100 Mitglieder des Kieler Clubs sind im September noch Gastgeber für die Friendship Force Blumenau/Brasilien, bevor sich einige von ihnen im Oktober selbst auf den Weg machen nach Cancaya in die Türkei. Wer Interesse an dieser Art des gemeinschaftlichen Reisens hat, ist zu den Clubtreffen an jedem letzten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Restaurant Tannenberg willkommen – das nächste Mal am 25. Juni. Für Infos vorab steht Joachim Bornhöft unter Tel. 04347/9100 oder per Mail an joachim@bornhoeft.de zur Verfügung.



> www.friendshipforce.eu/kiel

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