Weihnachtsmärchen : In der bitterbösen Glitzerwelt

Den protzigen Stiefschwestern zu Diensten:  Aschenputtel muss waschen, kochen, fegen, den Ofen anheizen und schwere Wassereimer schleppen – doch am Ende gewinnt sie das Herz des jungen Prinzen.   Foto-AteLier Noack
Den protzigen Stiefschwestern zu Diensten: Aschenputtel muss waschen, kochen, fegen, den Ofen anheizen und schwere Wassereimer schleppen – doch am Ende gewinnt sie das Herz des jungen Prinzen. Foto-AteLier Noack

Die Niederdeutsche Bühne Kiel gibt in ihrem (hochdeutschen) Weihnachtsmärchen „Aschenputtel“ dem Klassiker eine hochmoderne Fassung. Da darf sich der Zuschauer schon mal erinnert fühlen an typische Casting-Shows im Privatfernsehen.

shz.de von
25. November 2018, 17:33 Uhr



Mit einer modernen Variante des Grimmschen Märchen hat die Niederdeutsche Bühne am Wochenende ihr Publikum verzaubert. Schrilles Pink, grelles Gelb, leuchtendes Rot: Das Weihnachtsmärchen nimmt kräftige Anleihen bei der glitzernden Werbewelt von heute. Die Sympathie des jungen Publikums aber gehört schnell der Schattenfigur, die herumgestoßen und schikaniert wird: dem Aschenputtel.

Als gute Fee Federella übernimmt Gaby Hoffmann die Rolle der Erzählerin, die das (junge) Publikum sanft mit der Geschichte vertraut macht. „Ein bisschen Magie schadet nie“ ist ihre typische Redewendung, um den schläfrigen Baum vorzustellen, der herrlich langsam und breit sprechen kann. Oder die Taube Gurrigurr, die geheime Wünsche erfüllt. Das ist stets ein Fest für die Augen, die Kostüm- und Bühnenbildner haben außergewöhnliche Arbeit geleistet.

Aufgrund vieler Termine sind im Weihnachtsmärchen alle Rollen doppelt besetzt, das Nachwuchs-Ensemble ist groß. So glänzte Karlotta Lorenzen bei der Premiere als Aschenputtel, das unter der Willkür der Stiefmutter Prätentiosa und der Stiefschwestern Parsulla und Persampe leidet und Linsen aus der Asche klauben muss.

Eine Paraderolle hat Regisseurin Alexandra E. Kruse nach dem Vorbild eines überkandidelten Juroren geschaffen, wie man ihn aus typischen TV-Casting-Sendungen kennt. Der Coiffeur / Parfumeur / Charmeur mit dem gekünstelten Akzent ist eine Lachnummer für sich. Nicht zu vergessen der tollpatschige Tanzstreit, den sich Parsulla und Persampe um die Gunst des Prinzen liefern. Vergeblich, wie man weiß. Aschenputtel ist nicht weit.

❍  In den nächsten Wochen bis zum 22. Dezember folgen über 40 „Aschenputtel“-Vorstellungen – vormittags (9 Uhr) wie nachmittags (17 Uhr), sonnabends um 14.30 und 17.30 Uhr, sonntags um 11 und 14.30 Uhr. Karten in den Preiskategorien 8 bis 10 Euro sind im Vorverkauf über die Theaterkasse, Tel. 0431 / 901 - 901, erhältlich.

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