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Neuer Düker : Im Tunnel tief unter den Schleusen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine neue Röhre ersetzt beim Nord-Ostsee-Kanal bald das Versorgungssystem, das noch aus Kaisers Zeiten stammt. Vom „Festland“ in Kiel-Wik führt der 417 Meter lange Düker in gut 30 Metern Tiefe zu den Schleusen-Inseln vor Holtenau. Er nimmt alles auf, was an Infrastruktur benötigt wird.

„Nichts für Klaustrophobiker!“, warnt Ingenieur Georg Lindner vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Kiel-Holtenau. Wer Angst vor engen Räumen hat, sollte sich diesen Termin nicht antun: die Besichtigung des neuen, im Rohbau fertiggestellten Dükers unter dem Nord-Ostsee-Kanal. Der Tunnel-Rundling, der von der Wiker Festlandseite zur Kanalinsel vor Holtenau führt, ist zwar 417 Meter lang, misst aber nur 1,80 Meter im Durchmesser. Berücksichtigt man noch den vorgeschriebenen Schutzhelm, so geht es also selbst für Menschen, die das alte preußische Gardemaß nicht erreichen, nur in gebückter Haltung von der einen Seite zur anderen.

Der Nord-Ostsee-Kanal, bekanntlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, verlangt seit Jahren nach einer grundlegenden Sanierung. Das gilt nicht nur für die Schleusenanlagen (über die immer wieder mal politischer Streit wegen der hohen Ausgaben ausbricht) und das WSA-Verwaltungsgebäude, das vor acht Wochen nach Modernisierung und Erweiterung Schlüsselübergabe feiern konnte. Das gilt eben auch für die Infrastruktur. Wasser und Abwasser, Strom, Energie und Gas, Telefon und das kanal-eigene Kommunikationsnetz – alles muss vom Festland irgendwie auf die Schleuseninseln „verlegt“ werden. Schiffe sparen zudem wertvolle Zeit, wenn sie während des Schleusens Frischwasser bunkern können.

Im August begannen die Arbeiten für den neuen Düker, der die alten, nach über 100 Jahren marode gewordenen Versorgungssysteme ablösen wird. In 30 bis 35 Meter Tiefe hat „Tine“, ein überdimensionaler Bohrwagen, den Tunnel von der Wiker Seite aus vorgetrieben. Unter den beiden großen Schleusenwannen hindurch, unter der Mittelinsel hindurch und auch unter dem Paar der kleinen Schleusen hindurch. Sieht man von einer einzigen halbstündigen Komplettsperrung der Holtenauer Schleusen im Frühjahr ab – als „Tine“ die Mittelwand durchbrach –, liefen die Bauarbeiten bei laufendem Betrieb. Oben wurde geschleust, unten in der Tiefe gebuddelt.

An den Endpunkten des Dükers in der Wik und auf der Insel vor Holtenau stehen gewaltige Einstiegsschächte, acht beziehungsweise elf Meter im Durchmesser. Eine schmale Eisentreppe, am Rand des Schachts befestigt, erlaubt den Abstieg: Über zwölf Etagen geht es abwärts zum Einstieg in den Düker. Und das ist auch nur in diesen Tagen möglich. Denn im Gegensatz zu den alten Versorgungsschächten aus kaiserlicher Zeit wird der neue Düker nicht mehr begehbar sein. Die Leitungen werden, sobald sie verlegt sind, mit flüssigem Beton ausgekleidet. Das beansprucht weniger Platz, verringert das Risiko von Brüchen und nimmt auch der Kanalverwaltung die Sorge, im Ernstfall verletzte Arbeiter aus dem engen Düker bergen zu müssen. Und dank der modernen Technologie ist es sowieso möglich, jederzeit bei Bedarf neue Leitungen „durchzuschießen“.

Rund 20 Millionen Euro kostet dieses einzigartige Tunnel-Bauwerk. Ende 2016 soll Übergabe sein, wie WSA-Vize Matthias Visser erklärt. Dann werden auch die Einstiegsschächte nicht mehr zu sehen sein, der Besucher wird nur noch normale Treppenhäuser vorfinden. Planer und Techniker haben im Übrigen dafür gesorgt, dass der Düker dem Bau der erhofften neuen Schleusenkammer oder auch der Erweiterung der kleinen Schleusen nicht im Wege steht. „Wir bauen für die Zukunft“, erklären Visser und Lindner. Und das bedeutet im Fall des früheren Kaiser-Wilhelm-Kanals und heutigen Nord-Ostsee-Kanals für einen Zeitraum von mindestens 100 Jahren.  

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erstellt am 10.Nov.2015 | 11:15 Uhr

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