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Ruder-Projekt : Im Sport vereint gegen den Krebs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Patienten eröffnen in Kiel die Rudersaison. Die Bewegung in der Gruppe soll Körper und Seele stärken. Die Teilnahme am Programm kostet sie nichts. Eine Benefiz-Regatta im Juni soll das Angebot sichern.

Gemeinsam tragen sie die Vierer an den Steg, gemeinsam ziehen sie die Skulls durchs Wasser – immer schön im Takt des Steuermanns. Flott geht es voran. Und wenn doch mal einer eine Pause braucht? Dann gleitet das Boot eben langsamer durchs Wasser.

Anrudern für die Gruppe an Krebs Erkrankter Patienten bei der Rudergesellschaft Germania. Jetzt heißt es wieder: Zwei Mal die Woche trainieren. So unterschiedlich die Mitglieder sind, so vielfältig das Gesicht ihrer Erkrankung, so einig sind sie sich doch in einem Punkt: Spaß soll es machen. Der Leistungsdruck steht ganz hintenan. Der Ton untereinander ist freundlich, rücksichtsvoll. Das betont Thomas Teich, den der Krebs schwer gezeichnet hat. 2007 erkrankte er als 56-Jähriger an einem Plattenepithelkarzinom. Sein Oberkiefer war betroffen, wurde entfernt, das Gesicht zum Teil mit Hilfe von Titanplatten rekonstruiert. „Sieben Jahre lang“, sagt Thomas Teich, habe er sich danach nicht bewegt. Vorher sei er mit seinen Kindern oft auf Kanadiern unterwegs gewesen. „Ich war Individualist“, erzählt er. In einer Fotogruppe erfuhr er vom Ruderprojekt. Vergangenes Jahr probierte er es aus – und blieb. Jetzt sagt er sogar: „Die Gemeinschaft ist ganz toll. Und die Bewegung ein Teil der Lebensqualität.“

Für den Vorstand der Stiftung Leben mit Krebs, die das Sportangebot finanziert, steht fest, dass die Aktivität den Patienten gut tut. „Sie macht eine Chemotherapie erträglicher, stärkt das Immunsystem“, sagt Claus Feucht. Auch die soziale Komponente im Team wirke sich positiv aus.

Klaudia Fromme-Waller (59) bestätigt das. Für sie ist der Rudersport zudem zu einer Art Seismograph für ihre Gesundheit geworden. Bei der Mathe- und Physiklehrerin wurde 2009 Darmkrebs festgestellt – rechtzeitig, wie sie sagt – und behandelt. Sie ist schon lange beim Ruderprojekt dabei. Noch während der Therapie sei sie eingeladen worden, sagt die 59-Jährige. Wenn sie rudert, spürt sie schnell, „ob ich gut drauf bin“. Ihre Krankheit mache sich durch körperliche Schwäche bemerkbar. „Wenn sportlich alles klappt, habe ich die Versicherung, dass es mir gut geht“, berichtet Fromme-Waller. Und: „Beim Sport versuche ich jeden Moment zu genießen“. Dazu gehört auch der gemeinsame Kaffee im Anschluss ans Training.

Die Teilnahme am Ruder-Projekt ist für die Krebs-Patienten kostenlos (siehe Infokasten). Die Stelle einer Sporttherapeutin am Städtischen Krankenhaus, die das Training begleitet, wird von der Stiftung Leben mit Krebs getragen. Um das zu erreichen, veranstaltet die Stiftung am 6. Juni (10 Uhr) die sechste Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ auf der Förde – Schirmherr ist Ministerpräsident Torsten Albig. Über Teilnehmergebühren (300 Euro pro Vierer-Boot) und Sponsorengelder hofft Vorstand Claus Feucht, die nötigen 45  000 Euro zusammen zu bekommen.

Im vergangenen Jahr nahmen 82 Teams teil . Bis zum 6. Mai ist die Anmeldung möglich (www.ruderlobby.de). Die Strecke über 300 Meter wird in Doppelvierern mit Steuermann absolviert. Teams ohne Erfahrung bieten die Kieler Ruder-Clubs vorab Training an. Ansprechpartner: Uwe Zwingmann, Tel. 0431/566533 (Rudergesellschaft Germania).

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erstellt am 11.Apr.2015 | 06:13 Uhr

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