Wohnungsnot in Kiel : Im Speicher sollen bald Studenten einziehen

Prominente Lage: Der Haß-Speicher liegt am Schwedendamm quasi auf der Grenze von West- und Ostufer.
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Prominente Lage: Der Haß-Speicher liegt am Schwedendamm quasi auf der Grenze von West- und Ostufer.

Ein Berliner Investor plant studentische Wohnungen im denkmalgeschützten Haß-Speicher an der Schnittstelle zwischen Kieler West- und Ostufer.

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06. November 2013, 08:00 Uhr

Kiel | Jedes Jahr zu Beginn des Wintersemesters sind auch in Kiel zahlreiche Studenten auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Studentenwerk und die Studentenvertretung Asta sprechen unverhohlen von Wohnungsnot. In der Landeshauptstadt wird daher händeringend nach Möglichkeiten gesucht, um die große Nachfrage zu befriedigen. Die Not wird nun ein Stück weit gelindert. In dem denkmalgeschützten Haß-Speicher am Schwedendamm in Kiel sollen Wohnungen für Studenten entstehen. Das bestätigte gestern der Berliner Investor Dr. Ralph Hunklinger. Gegen Ende kommenden Jahres sollen die ersten Wohnungen bereits bezugsfertig sein.

Ganz neu ist die Idee nicht, doch dieses Mal scheint es auch mit der Umsetzung zu klappen. Schon Anfang der 1990er Jahre gab es ein Konzept für studentisches Wohnen. Die Arbeiten daran wurden allerdings wegen der nicht ausreichenden Finanzkraft der damaligen Eigentümergesellschaft mitten im Umbau eingestellt. Danach wurde das Gebäude einschließlich angrenzender Neubauten zwangsversteigert. Der Kieler Immobilienbesitzer Wolf-Dieter Klinck erhielt damals den Zuschlag. Auch aktuell ist der Bau aus dem Jahr 1905 immer noch in dessen Besitz, doch in Sachen Vertragsunterzeichnung gibt es laut Hunklinger nur noch Formalitäten zu klären, im Grunde seien sich beide Seiten einig. „Der Deal ist noch nicht endgültig durch“, sagt Hunklinger und möchte daher noch nicht zu sehr ins Detail gehen, was das Haß-Speicher-Projekt angeht. Fakt ist aber, dass „wir dort Wohnungen für breite Schichten anbieten werden“, so Hunklinger, der lange Jahre in der Geschäftsführung des Kieler Abfallunternehmens Innotec tätig war. Aufseiten der Stadt sieht man den Einstieg Hunklingers und dessen Berliner Projektgesellschaft Coastline Real Estate GmbH (CLRE) gern. Manfred Wagner, Leiter des Amtes für Wohnen und Grundsicherung, betont: „Die Stadt freut sich, dass hier eine städtebaulich desolate Situation endlich beseitigt und gleichzeitig neuer Wohnraum geschaffen wird.“

Die CLRE beschäftigt sich, wie Hunklinger sagt, „in der Fläche mit Konzepten zu studentischem Wohnen“. Unter anderem gebe es bereits Projekte in Berlin, Wuppertal und Magdeburg. Auf der Internetseite www.livus.de sind auch schon ein paar Details für das Kieler Projekt zu sehen. Dort wird aktuellen oder kommenden Studenten der Haß-Speicher als Wohnort schmackhaft gemacht. „Genießen Sie Wohnen mit historischem Flair“, heißt es dort beispielsweise. Auch die direkte Lage am Hörn Campus sowie die Bushaltestelle quasi vor der Haustür wird hervorgehoben. Ausgestattet sein sollen die Wohnungen später unter anderem mit Einbauküche und Duschbad, zudem soll es einen Fahrradabstellraum im Keller und einen Waschraum mit Trocknern geben. „Das Ganze steht aber noch ganz am Beginn der Projektierungsphase“, betont Hunklinger.

Das mittlerweile sichtlich heruntergekommene Gebäude wurde im Jahr 1905 für den Kieler Unternehmer J. F. Haß errichtet – daher auch der Name Haß-Speicher. Er besteht aus vier Vollgeschossen und ist komplett unterkellert. Die Fassade wurde an drei Seiten mit Putzflächen und gliedernen Backsteinpfeilern über einem hohen Sockelgeschoss gestaltet. Der Haß-Speicher bildet gemeinsam mit der ehemaligen Seibelschen Margarinefabrik, die seit 2006 als Musikschule genutzt wird, ein bedeutendes Denkmal der Industriegeschichte Kiels.

Informationen zu dem Konzept: www.livus.de

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