Saubere Stadt : Im Einsatz gegen Hundekot

So sieht die Arbeit des Hundekot-Sammlers aus: Stefan Herold fährt das Häufchen an und saugt es auf – der bordeigene Auffangbehälter fasst 40 Liter.  Fotos: Carstens (2)
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So sieht die Arbeit des Hundekot-Sammlers aus: Stefan Herold fährt das Häufchen an und saugt es auf – der bordeigene Auffangbehälter fasst 40 Liter. Fotos: Carstens (2)

35 000 Euro kostet das neue E-Mobil, das in Kiel in den nächsten Jahren die Hinterlassenschaften von Vierbeinern einsammeln wird. Das Gefährt mit dem starken Saugrüssel gehört zum Großprojekt Saubere Stadt.

shz.de von
21. August 2018, 19:25 Uhr



Nürnberg hat’s, Bremen auch und Berlin sowieso – ab sofort fährt auch in Kiel ein Sonderfahrzeug die Bürgersteige ab, um die Hinterlassenschaften von Vierbeinern ein aufzulesen. 35 000 Euro kostet das kleine Gefährt mit dem saugstarken Rüssel. Und der glücklichste Mensch in der Landeshauptstadt ist vermutlich Stefan Herold. Als Langzeit-Arbeitsloser hatte er sich gelegentlich beim Winterdienst eingebracht – jetzt hat ihn der Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) für zwei Jahre als Fahrer des „Hundekot-Sammlers“ fest eingestellt.

8040 Hunde sind gegenwärtig im Rathaus gemeldet. Über die Steuer bringen sie der Stadt Einnahmen von fast einer Million Euro jährlich. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer spricht von einem großen Ärgernis, wenn es um Hinterlassenschaft der Vierbeiner geht. Und es ist nicht der Hundekot alleine. Wilde Müllkippen laufen der Absicht zuwider, für eine saubere Stadt zu sorgen. Zumal sich auch das Rattenproblem, begünstigt durch milde Winter und heiße Sommer, in der Stadt ausweitet.

„Es kann nicht mehr so weitergehen. Wir werden künftig genau hinschauen“, kündigte der Verwaltungschef an. Die schwarzen Schafe werden ermittelt und bestraft. Denn weder das Einsammeln des Hundekots – dafür sind Frauchen oder Herrchen verantwortlich – noch die Rattenbekämpfung – das obliegt den Hauseigentümern – könnten auf Dauer Aufgabe der Stadt sein. „Wir springen hier nur in die Bresche“, so Kämpfer.

Michael Müller, Leiter der Straßenreinigung beim Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK), verfolgt ein Ziel: „Wilder Müll soll innerhalb von 24 Stunden von der Straße verschwinden.“ Allerdings sieht er wie Kämpfer ein Risiko: Wenn die Menschen mitbekommen, dass der vor die Tür gekippte Müll zügig abtransportiert wird, könnten sie sich daran gewöhnen – und Termine für die Sperrgutabholung überhaupt nicht mehr vereinbaren.

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Das wendige Gefährt wird Stefan Herold künftig fahren – die rechte Hand am Lenkrad, die linke am Saugrüssel. Das nur 2,40 Meter lange Fahrzeug ist ein Renault Twizi mit einer Reichweite von maximal 150 Kilometern. Tanken muss Herold aber trotzdem: Der Saugmotor – vergleichbar einem starken Staubsauger – arbeitet mit Benzin. Und natürlich gibt Herold bei Bedarf auch Hundekot-Beutel aus, jede Tüte erleichtert ihm die Reinigungsarbeit.

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