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IHK: Ohrfeige für unflexible Stadtverwaltung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Kritische Bestandsaufnahme“ des Industriestandorts Kiel

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 06:09 Uhr

Vossloh, Caterpillar, Thyssen Krupp Marine Systems oder Raytheon Anschütz – Namen von Unternehmen, die die Industrie in Kiel prägen. Doch die Zahl der an der Förde ansässigen Industriebetriebe sinkt. Zwischen 2008 und 2013 verzeichnete das verarbeitende Gewerbe in der Landeshauptstadt einen Rückgang von 85 auf 74 Unternehmen – ein Minus von 12,9 Prozent. Die Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK) stellt jetzt anhand einer Studie fest: Die hiesige Wirtschaft ist seit 15 Jahren im Vergleich zum Bund und Land nur unterdurchschnittlich gewachsen – besonders die Industrie. Die Kieler Verwaltung und Politik haben ihren Teil dazu beigetragen, dass der Standort sich nicht besser entwickelt hat, schlussfolgert die IHK.

„Nach der Krise im Jahr 2009 hat sich Kiel nicht wieder erholen können“, betonte gestern IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater. „Sie steht auf fragilen Beinen.“ Dabei sei diese Branche das „Rückgrat“ der Wirtschaft, die Basis für den florierenden Dienstleistungs-Standort – 78 Prozent aller Beschäftigten in Kiel arbeiten in diesem Sektor. Vater und IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Orlemann fordern die Stadtverwaltung nun auf, bessere Rahmenbedingungen für die heimische Industrie zu schaffen – als Bilanz der Studie „Der Industriestandort Kiel – Besonderheiten und Handlungserfordernisse“, welche auf einer Standortumfrage unter insgesamt 225 Kieler Unternehmen basiert. Etwa: Ein klares Gewerbeflächenkonzept, flächendeckende Breitbandversorgung, verlässliche Stromversorgung, wettbewerbsfähige Energiepreise, flexible Betreuungsangebote für Kinder und modernisierte Schulen sowie eine gute verkehrliche Erreichbarkeit über die Straße und die Luft.

Vater fasst zusammen: „Die Verwaltung muss Lösungen und kürzere Genehmigungsverfahren bieten, nicht als Hüterin von Paragrafen handeln. Kiel schneidet da landesweit ganz besonders schlecht ab“, kritisiert er, will Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Ulf Kämpfer (SPD) damit aber ausdrücklich nicht frontal angreifen: „Er hat einen Industriepolitischen Dialog angeregt, ist pro Wirtschaft und pro Industrie eingestellt.“

Der Stadtverwaltung liegt die IHK-Studie vor. Ein Sprecher kündigte für heute eine Stellungnahme Kämpfers an.

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