Prozess in Rendsburg : „Ich packte sie am Hals - das war's dann eigentlich schon“

Vor zehn Jahren tötete er seinen Großvater. Nun gesteht ein 29-Jähriger aus Rendsburg vor Gericht, seine Freundin erwürgt zu haben - angeblich um den gemeinsamen Sohn zu schützen.

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09. Januar 2015, 16:30 Uhr

Kiel | Ein 29-Jähriger aus Rendsburg hat gestanden, seine Lebensgefährtin und Mutter eines gemeinsamen Sohnes im heftigen Streit getötet zu haben. „Ich packte sie am Hals - das war's dann eigentlich schon. Für mich waren das ein paar Sekunden“, sagte der Angeklagte am Freitag vor dem Kieler Landgericht. Bei seiner Aussage ließ der Angeklagte am Freitag zu Prozessbeginn keine Emotionen erkennen. Zehn Jahre zuvor, im Sommer 2004, hatte er seinen Großvater getötet, der sich an seinem Stiefbruder vergehen wollte.

Bei der jetzt angeklagten Tat Ende Mai 2014 sei die 23-Jährige Freundin mit einem Messer in der Hand Richtung Kinderzimmer gegangen, sagte der Angeklagte: „Ich hatte Angst, sie tut ihm was an.“ Er habe sie an der Schulter packen wollen, sei aber abgerutscht. „Da packte ich sie am Hals“. Er sei erst wieder zur Besinnung gekommen, als der kleine Sohn „quakte“.

Vor Gericht sagte der Angeklagte kein Wort der Entschuldigung oder Reue, sondern nur: „Sie war tot“. Danach habe er „die Hunde versorgt, das Kind versorgt“. Die Leiche der jungen Frau schaffte er demnach am nächsten Tag mit seinem Bruder aus dem Haus - „in einem Hängeschrank mit einer Decke drüber“. Spaziergänger fanden sie später an einem Feldweg nahe der Raststätte Hüttener Berge. Während dieser Schilderungen saß die Mutter des Opfers im Gerichtssaal gegenüber und weinte. Sie tritt als Nebenklägerin in dem Verfahren auf.

Der Angeklagte und das Opfer waren drogenabhängig, stammen aus zerrütteten Verhältnissen. Er war schon in der Schule auffällig, wiederholte zwei Klassen, fing bereits als 12-, 13-Jähriger mit Drogen und Alkohol an, berichtete er. Bevor der gemeinsame Sohn im September 2009 zur Welt kam, erlitt sie eine Fehlgeburt. Beide dealten. Für Drogen verkaufte sie nach seinen Schilderungen sogar die Spielsachen des Kleinen. Sie habe den Sohn vernachlässigt, geschlagen und sich völlig überfordert gefühlt.  

Seinen Schilderungen zufolge wollte er mit der Geburt des Sohnes sein Leben ändern. Er habe deshalb eine Ausbildung begonnen. Seine Partnerin habe es allenfalls mal einen Tag geschafft, clean zu sein, sagt der Angeklagte. Sie habe alles ihm überlassen: die beiden Hunde, die sie nach der Fehlgeburt angeschafft hatte, das Kind und den Haushalt. Die junge Frau litt demnach an schweren psychischen Störungen, ritzte sich mit dem Messer ihre Arme. Der Sohn lebt inzwischen in einer Pflegefamilie.

Während seiner Aussagen wirkt der Angeklagte mit dem Bürstenhaarschnitt und dünnem Bartwuchs fast unbeteiligt. Nur die Finger beider Hände bewegt er unablässig. Für die Tote fand auch sein Stiefvater kein gutes Wort. Sie sei eine schlechte Mutter gewesen, sagte er als Zeuge. Drogen lagen immer offen herum, auch in Gegenwart des Kleinkindes.

Bei der ersten Verurteilung des Angeklagten wegen Totschlags an seinem Großvater war die Jugendkammer des Kieler Landgerichts von Totschlag in minder schwerem Fall ausgegangen. Nach Feststellungen der Richter hatte sich der Großvater jahrelang an seinen Familienmitgliedern vergangen und sie vergewaltigt, auch die Mutter des Angeklagten. Die Großmutter soll die Taten gedeckt haben. Das Verfahren wird am kommenden Freitag (16. Januar/9 Uhr) fortgesetzt. Das Schwurgericht hat fünf Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil soll am 29. Januar gesprochen werden.

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