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Kiel

18. Dezember 2017 | 10:32 Uhr

„Ich laufe nicht weg“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stefan Kruber (37) will als OB im Gegensatz zu SPD-Vorgängern mindestens eine Amtszeit regieren

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2014 | 06:46 Uhr

Sind Sie tatsächlich ein „Notkandidat“ der CDU, wie es am Anfang hieß, mangels Alternative?
Mit Sicherheit nicht. Dieses Amt ist ein Traum. Dafür entscheidet sich ein Kandidat und auch eine Partei aus Überzeugung und mit Freude. Tatsächlich gab es in der CDU verschiedene Optionen. Ich selbst hatte zunächst etwas gezögert, denn für mich war wichtig: Meine Familie muss diese Entscheidung mittragen. Meine Frau und ich haben zwei kleine Töchter im Alter von fünf Jahren bzw. fast einem Jahr. Letztlich ist die Entscheidung von uns gemeinsam und mit voller Überzeugung gefällt worden.
Für wie schwierig schätzen Sie Ihr Amt mit einer rot-grünen Mehrheit ein – ist da nicht ständige Konfrontation programmiert?
Ich will ein Oberbürgermeister für alle Kieler sein. Die meisten kommunalpolitischen Themen sind weder schwarz noch grün noch rot noch gelb – es sind Entscheidungen, die im Interesse der Menschen vor Ort getätigt werden müssen und bei denen es darum geht, knappe Mittel gerecht und mit richtiger Priorität einzusetzen. Entscheidungen, bei denen widerstreitende Interessen vor Ort ausgeglichen werden müssen. In den meisten Fällen entscheidet die Ratsversammlung mit breiter Mehrheit. Es gibt genügend Beispiele, wo ich mit anderen Parteien gemeinsame Lösungen gesucht und gefunden habe. Zu den meisten Ratskollegen habe ich – glaube ich – ein persönlich gutes Verhältnis. Die wichtigen Projekte Kraftwerk und Schwimmbad werden gemeinsam getragen. Bei Themen wie dem Flughafen Holtenau ist im Rat eine Mehrheit durchaus vorhanden, die SPD ist da nah an der Position der CDU. Ein Verwaltungschef mit klarer Position und guten Sachargumenten kann in vielen Fragen Stillstand beenden und Gräben überwinden.
Sie lehnen bekanntlich große Investitionen wie die StadtRegionalBahn und Kleiner Kiel-Kanal ab. Für was würden Sie als OB Geld ausgeben?
Nach den aktuellen Haushaltsbeschlüssen der Kooperation droht Kiel in zwei Jahren die Pleite. Wir müssen umsteuern und die knappen Mittel in die Stärkung der Wirtschaftskraft und den Erhalt der Infrastruktur investieren. Nur nachhaltig finanziert kann Kiel langfristig lebenswert und sozial bleiben. Daher steht neben der Sanierung der maroden Schulen und Sportstätten für mich Folgendes vorne an: die Holstenstraße wieder attraktiv zu machen, die Flächen am Boothafen zu beleben, das ehemalige Marinefliegerareal in einen neuen Stadtteil mit Flächen für Gewerbe und Flächen für Wohnen zu wandeln und marode Verkehrswege zu sanieren – Straßen ebenso wie Radwege. Wir müssen unsere Infrastruktur erhalten und den Wirtschaftsstandort Kiel stärken. Wenn uns das gelingt, wird Kiel wieder finanzpolitischen Handlungsspielraum gewinnen.
Sie wollen nicht nur Anwalt vom Ostufer sondern auch für das Ostufer sein. Was steht auf ihrer Gaardener Prioritäten-Liste ganz oben?
Eine gute, vor Ort akzeptierte Lösung für Katzheide, die Verbesserung der Situation der vielen Betriebe und der kleinen Läden in Gaarden und auf dem ganzen Ostufer, mehr Sicherheit und Sauberkeit, effektive und unbürokratische Hilfen für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen. Hilfe mit dem Ziel, sie in die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen. Ich wünsche mir, dass Integration selbstverständlich wird. Ich möchte, dass das Selbstbild und auch das Image des Ostufers sich verbessern. Immerhin ist das Ostufer die Sonnenseite der Förde – das sollte ein Ansporn sein.
Sie spielen gern Brett- und Würfelspiele. Was sagt das über Ihre Persönlichkeit aus?
Entscheiden Sie selbst! Für mich geht es darum, mit Freunden und guten Bekannten in Gesellschaft zu sein und gemeinsam eine entspannte Zeit zu haben. Und natürlich geht es auch darum, sich spielerisch zu messen.
Wie würde Ihre Frau Sie charakterisieren und für Sie werben?
Meine Frau und ich bevormunden einander nicht. Ich habe sie konkret gefragt. Ihre Antwort: Mein Mann steckt voller Tatendrang und Ideen. Er setzt sich gerne und intensiv für Menschen ein und engagiert sich seit ich ihn kenne für Kieler Themen. Und jede freie Minute widmet er mit viel Liebe unserer Familie. Er ist ein Mann, mit dem der Gesprächsstoff nie ausgeht.
Warum sind Sie besser als ihr Gegner für das Amt geeignet? Und: Was unterscheidet Sie maßgeblich?
Lassen wir zunächst Zahlen sprechen: Seit 16 Jahren bin ich ehrenamtlich in der Kieler Kommunalpolitik aktiv. Zuerst im Ortsbeirat in Russee, seit zehn Jahren im Rat, seit 2009 als CDU-Fraktionsvorsitzender. Das bedeutet, ich kenne mich im Rathaus, in der Verwaltung und der Selbstverwaltung aus, ich verstehe die Kieler Themen und die Stadt. Und mehr noch: Als gebürtiger Kieler hängt mein Herz an meiner Heimatstadt, meine Leidenschaft gilt der Kieler Kommunalpolitik. Ich kenne die schönen Seiten unserer Stadt – aber auch die Probleme und die Ecken, in denen es den Menschen nicht gut geht. Was mich unterscheidet? Viele Probleme, die seit Jahren nicht gelöst werden, werde ich endlich anpacken und lösen, ich habe keine Angst, aus guten Gründen alte Zöpfe abzuschneiden. Kiel hat so viel ungenutztes Potential – das will ich ändern.
Wie wollen Sie die letzten 70 Tage für den Wahlkampf nutzen, was ist Ihre Strategie?
Ich setze fort, was ich schon immer getan habe: Ich spreche mit den Menschen in unserer Stadt – persönlich und auch über die neuen Medien. Jeder kann auf meiner Facebook-Seite direkt mit mir Kontakt aufnehmen. Inhaltlich mache ich den Kielern ein gutes Angebot für die nächsten sechs Jahre, das ich gerne vorstelle und erkläre. Und ganz wichtig: Ich laufe nicht vor Ende der Wahlperiode weg.
Wie geht es in Bezug auf die Aufklärung des „Steuer-Deals“ mit Frau Gaschke weiter?
Die Verwaltung wird Mitte Januar berichten, was ihre bisherigen Bemühungen an Erfolgen gebracht haben. Die Parteien im Rat haben sich darauf verständigt, der Verwaltung und ihren Beratern diese Zeit zu gewähren. Wir werden an dem Thema dranbleiben. Ziel muss es weiterhin sein, den Steuererlass zurückzudrehen und eine rechtlich saubere Lösung zu finden.
Wo können Kieler Sie treffen, wenn sie mal Ihren Weg kreuzen möchten?
Das ist immer auch eine Wetterfrage – vielleicht in der Mensa der Fachhochschule oder in der „Alten Mühle“ an der Schwentinemündung, beim Spaziergang am Hindenburgufer oder in der Moorteichwiese. Ganz sicher immer mal wieder beim Klettern und Toben mit meiner großen Tochter auf einem der Spielplätze in unserer Stadt – wir erkunden dabei Kiel.


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