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Kiel

16. August 2017 | 21:40 Uhr

„Ich bin im Vorteil“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ulf Kämpfer (41) sieht in seinem Amt als Staatssekretär einen Trumpf gegenüber Kruber

Sie tauchen erst seit der Vorstellung der Findungskommission in Kiels Öffentlichkeit auf. Wie wollen Sie es schaffen, sich in so kurzer Zeit bei bekannt zu machen – und noch dazu deren Stimme zu gewinnen?
Ich bin mittlerweile vielen ein Begriff, und der Wahlkampf fängt ja erst an. Für meine Kandidatur und meine Ideen für Kiel bekomme ich tollen Rückenwind. Für viele bin ich offensichtlich eine positive Überraschung. Ich bekomme viel Zustimmung – übrigens auch von Kielern, die der CDU nahe stehen.
Warum wollen Sie Projekte wie die StadtRegionalBahn, die von den Umlandgemeinden nicht gewollt sind, weiterbringen? Ist das nicht Geldverschwendung?
Die Zukunft des Kieler Verkehrs werden wir nicht mit Konzepten von gestern gestalten können. Schon heute stoßen individueller Autoverkehr und öffentlicher Nahverkehr an ihre Grenzen, das erleben wir jeden Tag zu den Stoßzeiten. Eine Antwort darauf ist eine Stärkung des Schienenverkehrs, mit der viele Städte großen Erfolg haben. Deshalb ist gut, alte Bahnhaltepunkte und -strecken wieder zu aktivieren. Die Stadtregionalbahn kommt nur, wenn die Kieler sie wollen, das Umland an Bord – da gibt es gerade neue Signale – und die solide Finanzierung gesichert ist.
Ihre Meinung zum Kiel-Kanal und zu Möbel Kraft?
Kiel braucht Arbeitsplätze, Investitionen und Gewerbesteuern. Deshalb ist es gut, wenn Möbel Kraft nach Kiel kommt. Ich bin sicher, eine Mehrheit wird dies beim anstehenden Bürgerentscheid genauso sehen. Ich habe aber auch Respekt vor dem Engagement und den Argumenten der Skeptiker, denn für den Kieler Grüngürtel und die Anwohner ist so ein Riesenprojekt ein schmerzlicher Einschnitt. An einem Garten hängt ja viel Herzblut.
Stichwort Kiel-Kanal: Alle sind sich einig, die Kieler Innenstadt muss attraktiver werden. Das geht nicht zum Nulltarif. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Kiel-Kanal die beste aller Ideen ist.
Hat Herr Kruber einen Vorteil dadurch, dass er das Rathaus von innen schon seit vielen Jahren kennt?
Ich denke nicht. Er kennt ja vor allem den Ratssaal von innen, hat viel Erfahrung als Ratsherr. Der Oberbürgermeister muss eine große Verwaltung mit über 4000 Mitarbeitern führen, muss die Stadt repräsentieren, trägt eine große Führungs- und Entscheidungsverantwortung und muss gleichzeitig zwischen Menschen vermitteln können. Da habe ich mehr Erfahrung und sehe mich eher im Vorteil. Und nach dreizehn Jahren Leben und Arbeiten in Kiel kenne ich die Kieler Themen und bin in der Stadt gut vernetzt.
Warum sind Sie besser als ihr Gegner für das Amt geeignet? Was unterscheidet Sie maßgeblich?
Wer von uns beiden besser geeignet ist, entscheiden die Kieler. Wie Verwaltung geht und tickt, dass muss man lernen, und man lernt es nicht vom Zuschauen. Ich leite als Staatssekretär eine Verwaltung mit 2000 Mitarbeitern, verantworte einen Etat von 300 Millionen Euro. Die Themenpalette ist so vielfältig wie im Kieler Rathaus. Mit meinen Kollegen aus den anderen Ministerien koordiniere ich die Regierungsarbeit. Als Richter und Mediator am Kieler Amtsgericht habe ich zuhören, vermitteln und entscheiden gelernt. Schließlich bringe ich, so glaube ich, die richtige Mischung aus politischem Kompass, Optimismus und Beharrlichkeit mit, die man als Kieler Oberbürgermeister braucht.
Wer ist Ihr wichtigster Berater in politischen Fragen?
Ich bin ein Teamspieler. Ich profitiere gerade sehr von meinen in dreizehn Jahren Kiel aufgebauten beruflichen und privaten Kontakten, die mich kompetent beraten, mir aber auch sehr unterschiedliche Blickwinkel auf die Zukunftsfragen Kiels eröffnen.
Wie würde Ihre Frau Sie charakterisieren und für Sie werben?
Ich habe sie gefragt und sie würde das so beschreiben: Er heißt Kämpfer, ist aber ein ausgleichender Typ, sach- und lösungsorientiert. Er hat einen freundlichen Blick auf die Welt und einem wachen Blick über den Tellerrand hinaus. Sie ist Grüne, liebt den Straßenwahlkampf und freut sich diesmal für mich zu trommeln.
Sie gehen bekanntlich gern joggen. Sind Sie eher der Typ Sprinter oder der Typ Langstreckenläufer – und was sagt dies über Ihre Persönlichkeit aus?
Eher Langstreckenläufer. Meine Lieblingsdistanz sind die 10,5 km des Kiellaufs. Aber ich möchte natürlich nicht, dass mir jemand beim Laufen die Schuhe besohlen kann: Um mit einer guten Zeit ins Ziel zu kommen, muss ich meine Kräfte gut einteilen und den inneren Schweinehund überwinden können, wenn es bergauf geht und das Ziel noch nicht im Blick ist. Das klappt meistens ganz gut.
Wie wollen Sie die letzten 70 Tage für den Wahlkampf nutzen, was ist Ihre Strategie?
Möglichst vielen Kielern begegnen, damit sie sich ihr eigenes Bild von mir machen können. Ich will als Mensch, mit meinen Erfahrungen und Kompetenzen, aber auch mit meinen Themen überzeugen. Wir brauchen in Kiel Aufbruchsstimmung und eine Idee von unserer Stadt. Wohnen und Wirtschaften, Kinder und Klimaschutz stehen für mich im Mittelpunkt, außerdem die Einsicht, dass wir solide Stadtfinanzen brauchen, um Kiel auch Übermorgen noch gestalten zu können.
Wo können die Kieler Sie am ehesten treffen, wenn sie Ihren Weg mal kreuzen möchten?
Für meine Kieler Lieblingsorte bleibt gerade nicht so viel Zeit: Meine Laufstrecke durch Russee, Hammer und an der Eider entlang; das Metro-Kino auf der Holtenauer Straße. Samstags kann man mich in der Stadtbücherei finden, in der Ecke mit den Kinderhörspielen, die mein achtjähriger Sohn so liebt. In der heißen Wahlkampfphase trifft man mich samstags auf den Wochenmärkten, um Wahlkampf zu machen, oder vor der eigenen Haustür, denn ich möchte in allen Stadteilen Hausbesuche machen.


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erstellt am 11.Jan.2014 | 06:26 Uhr

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