Prozess um Fertighaus-Anbieter : IBG-Pleite – Staatsanwalt fordert Gefängnis für Ex-Geschäftsführer

Der Stammsitz in Büdelsdorf: Zahlreiche Bauherren aus ganz Deutschland litten unter der Pleite von IBG-Haus.
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Der Stammsitz in Büdelsdorf: Zahlreiche Bauherren aus ganz Deutschland litten unter der Pleite von IBG-Haus.

Den zwei ehemaligen Geschäftsführern und dem Steuerberater wird gewerbs- und bandenmäßige Untreue vorgeworfen.

shz.de von
16. April 2018, 16:01 Uhr

Kiel | Im Prozess um Steuerhinterziehung sowie gewerbs- und bandenmäßige Untreue gegen zwei ehemalige Geschäftsführer des pleite gegangenen Fertighaus-Anbieters IBG und deren Steuerberater hat die Staatsanwaltschaft mehrjährige Haftstrafen gefordert. Fünf Jahre und vier Monate Gefängnis forderte der Ankläger am Montag vor dem Kieler Landgericht für den Steuerberater. Die Strafe soll auch deshalb so hoch ausfallen, weil der Mann einschlägig vorbestraft ist. Die beiden Ex-Geschäftsführer sollen vier Jahre und zehn Monate beziehungsweise vier Jahre und drei Monate in Haft.

Beiden Männern legt der Ankläger Umsatzsteuerhinterziehung von knapp neun Millionen Euro zur Last. Zudem habe sich einer von ihnen mit dem Steuerberater der gewerbsmäßigen Untreue beziehungsweise der Beihilfe dazu schuldig gemacht. Mit dem Verkauf von Scheinversicherungen für Bauherren hätten sie einen Schaden von zwei Millionen Euro angerichtet.

In insgesamt elf Anklagen hatte die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn zwischen 2008 und 2012 rund 100 Fälle aufgelistet. Die drei Angeklagten im Alter von 41, 47 und 59 Jahren saßen nach der Insolvenzanmeldung der IBG im November 2012 mehrere Wochen in Untersuchungshaft.

Die Pleite des Fertighaus-Herstellers hinterlässt bundesweit rund 2400 Geschädigte: Gegen IBG-Muttergesellschaft und Tochterunternehmen bestehen laut Insolvenzverwalter Ansprüche in Höhe von rund 120 Millionen Euro. Größter Gläubiger ist demnach der Fiskus. Die Plädoyers der Verteidigung werden an diesem Dienstag erwartet.

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