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Kieler Innenstadt : Holstenstraße: Woolworth geht – Neubau für Primark?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Duisburger Entwicklungsgesellschaft will das Gebäude für einen Neubau abreißen. Woolworth hat ein neues Domizil in Kiel im Visier. Auch eine Lösung für das leerstehende C&A-Haus ist in Sicht.

Kiel | Der Mietvertrag ist gekündigt: „Zum 30. Juni müssen wir schließen“, sagt Woolworth-Sprecherin Ines Glomb. Damit verlässt das Unternehmen seinen Stammsitz am Berliner Platz, direkt an der Kieler Holstenstraße. Vor mehr als 50 Jahren hatte sich die Kaufhaus-Kette in der Landeshauptstadt angesiedelt, ein zweiter Standort in Gaarden wurde vor einigen Jahren geschlossen. Die Immobilie gehört der Acrest Property Group aus Berlin.

Hintergrund ist der geplante Abriss des markanten Hauses, das einer „Riesenwelle in Granit“ nachempfunden ist. Der Kieler Architekt Klaus Detlefsen, vor zwei Jahren verstorben, hat es entworfen. Es ersetzte das erste Woolworth-Haus am Berliner Platz, das 1990 bei einem Brand zerstört wurde. Die Projektentwicklungsgesellschaft Fokus Development aus Duisburg will nun in dieser 1-A-Lage neu bauen. Das hat Kiels Baudezernent Peter Todeskino (Grüne) bestätigt. Unbestätigt ist hingegen der Anlass: Insiderkreisen zufolge will sich das irische Discount-Modeunternehmen Primark in Kiel ansiedeln. Das hat offenbar besondere Ansprüche an seine Domizile.

Eine Visualisierung für den Neubau, der der Länge des jetzigen Gebäudes entsprechen soll, hat bereits der Beirat für Stadtgestaltung zu Gesicht bekommen. Es gibt allerdings Änderungswünsche. Todeskino berichtet, man wünsche sich ein größeres Gebäudevolumen, das der exponierten Lage entspricht – also in derselben Höhe wie die umliegenden Komplexe (Ex-C&A und Meislahn). Zudem solle es möglichst an die Kante des Platzes heranreichen und eine transparente, grazilere Fassade mit größeren Öffnungen erhalten, als bisher geplant. „Für die Fassadengestaltung loben wir zusammen mit der Fokus Projektentwicklungsgesellschaft einen Wettbewerb mit sechs Büros aus“, teilt der Baudezernent mit. Die Projektentwickler hätten es eilig – und Todeskino ergänzt: „So ein Abbruch kann relativ schnell gehen.“

Kritik an dem geplanten Abriss ist schon aufgeflammt. So ärgert es den Kieler Architekten Erhart Kettner (85), dessen Büro in der Vergangenheit viele Gebäude in Kiel entworfen hat – etwa die unter Denkmalschutz stehende Universitätskirche am Westring – dass „ein schönes Gebäude für einen Neubau weichen soll“. Stichwort: Masse statt Klasse. Die geschwungene Fassade und der Trick mit den „Luftfenstern“ (siehe Foto) verschafften dem Platz eine gewisse Leichtigkeit, so Kettner. „Der Architekt Klaus Detlefsen, den ich gut kannte, würde sich im Grab umdrehen“, schließt Kettner.

Und was wird aus Woolworth in Kiel? Das Unternehmen habe bereits einen neuen Standort im Visier, sagt Sprecherin Ines Glomb – „wir sind da ganz zuversichtlich und hoffen, dass wir den Übergang nahtlos hinbekommen“, kündigt die Sprecherin an. In trockenen Tüchern sei allerdings noch nichts. Nur eins steht laut Glomb fest: „Wir werden in Kiel bleiben.“

Unterdessen sind auch Pläne für das seit mehr als zwei Jahren leer stehende C&A-Gebäude nebenan sowie die benachbarte frühere Markthalle bekannt geworden. Eine Düsseldorfer Entwicklungsgesellschaft will den Komplex nach Informationen unserer Zeitung kaufen, abreißen und zwischen Bootshafen und Hafenstraße ein Hotel und Wohnungen errichten. In der früheren Markthalle, die der Stena-Gruppe gehörte, ist ein Boardinghaus im Gespräch – mit möblierten Apartments für Mieter, die sich befristet in Kiel aufhalten. Entwicklungsgesellschaft und Stadtverwaltung halten sich dazu bedeckt.

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erstellt am 25.Mär.2015 | 15:00 Uhr

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