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Holstein Kiel : Holstein-Stadion: Wer zahlt den Umbau?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zweidrittel der Baukosten übernimmt das Land / Die Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht sich gegen eine städtische Finanzspritze aus

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erstellt am 01.Jun.2017 | 14:28 Uhr

Dem Ausbau des Holstein-Stadions scheint nichts mehr im Wege zu stehen. Gestern verkündete die neue Landesregierung, sie wolle mit bis zu sieben Millionen Euro den Großteil der Kosten für den auf 10,4 Millionen Euro geschätzten Umbau tragen. Nach den gestrigen Koalitionsverhandlungen kündigten CDU, Grüne und FDP an, mit einem Nachtragshaushalt 15 Millionen Euro für Sportstätten – knapp die Hälfte davon allein für die Kieler Sportarena – bereitzustellen. Die restlichen acht Millionen Euro stehen demnach für weitere Sportstätten im Land zur Verfügung.

Nach dem Aufstieg von Holstein Kiel in die zweite Bundesliga soll das Fassungsvermögen des Stadions bis zum Sommer 2018 von aktuell etwa 11  000 auf 15  000 Plätze erhöht werden. Die Pressestelle der Landeshauptstadt teilte gestern auf Anfrage mit, dass heute weitere Gespräche zwischen Stadt, Land und der Kieler Sportvereinigung Holstein als Mieter des Stadions stattfinden. Welchen Teil die Stadt Kiel damit an den Baukosten für das zweitliga-taugliche Stadion tragen wird, ist noch unklar.

Die Option einer städtischen Finanzspritze stößt lokalpolitisch allerdings auf Gegenwind: „Wenn zusätzliches Geld für den Profisport da ist, muss auch zusätzliches Geld für den Breitensport da sein“, lautete die klare Ansage von Lydia Rudow, sportpolitische Sprecherin der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. 2016 habe die Stadt als Eigentümerin des Stadions zusätzlich zu den jährlichen Betriebskosten 500  000 Euro in Brandschutz und Sicherheitstechnik investiert, heißt es in Rudows Stellungnahme. „Gleichzeitig stellt die Stadt die Betriebskosten vom Freibad Katzheide in Frage.“ So fordert die Grünen-Ratsfraktion, dass Mittel für das Holstein-Stadion mindestens im gleichen Maße in den Breitensport fließen. Mit Verweis auf die sanierungsbedürftige Bäderlandschaft sowie den notwendigen Neubau von Sporthallen betonte Lydia Rudow: „Bedarfe gibt es zahlreiche.“

Die Kritik der Grünen stößt indes bei Dr. Hans-Friedrich Traulsen, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, auf Unverständnis: „Ich finde ganz schlecht, kommunale Investitionen gegeneinander auszuspielen.“ Den möglichen Kurs des Kieler Oberbürgermeisters, den Umbau des Holstein-Stadions finanziell mitzutragen, unterstütze die SPD, die Fraktion erwarte aber auch eine Beteiligung des Sportvereins. „Es ist gut für das Image der Stadt, wenn sich Kiel im angemessenen Maß beteiligt“, bewertete Traulsen eine städtische Investition in den Stadion-Umbau.

Einen Euro für das Holstein-Stadion, einen Euro für Kieler Turnhallen – dieser Automatismus funktioniert für Stefan Kruber von der CDU-Ratsfraktion nicht. Der Fraktionsvorsitzende warnt aber gleichermaßen vor einer „Unwucht zwischen Breiten- und Spitzensport“ in der Landeshauptstadt. „Die Sportstätten in Kiel sind nicht im optimalen Zustand, natürlich gibt es da Bedarf.“ Grundsätzlich stimme die CDU-Ratsfraktion einer Beteiligung der Stadt an einem Umbau des Holstein-Stadions jedoch zu: „Wir möchten, dass Holstein Kiel in einem angemessenen Umfeld spielen kann.“

Auch der SSW reagierte gestern auf die Kritik der Grünen-Fraktion. „Wir halten es nicht für schlau, dem OB während laufender Verhandlungen öffentlich Ratschläge zu erteilen“, bemängelte Ratsfraktionsvorsitzender Marcel Schmidt das Vorgehen der Grünen-Ratsfrau Lydia Rudow. Der SSW goutiere zudem eine finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt an dem Stadion-Umbau. „Die Stadt sollte sich mit einem angemessenen Beitrag daran beteiligen.“ FDP-Fraktionsvize Ralf Meinke unterstützte in seiner Pressemitteilung „ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit der KSV und den Landtagsfraktionen“, mahnte aber auch ein im Sinne der EU-Förderung „beihilferechtlich sicheres Vorgehen“ an. Danach müssten nämlich künftig mindestens 20 Prozent der Nutzungszeiten des Holstein-Stadions auf andere Sportler entfallen.

Wer die verbleibenden Baukosten – immerhin 3,4 Millionen Euro – stemmen wird, klärt sich möglicherweise schon heute im Kieler Rathaus am Runden Tisch.

 

 

 

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