Nachfolger von Andreas Bornemann : Holstein Kiel: Ralf Heskamp neuer Sportlicher Leiter

Ralf Heskamp kommt zu Holstein Kiel. Dieses Bild entstand während einer Vorstandssitzung des VfL Osnabrück im November 2012.
Ralf Heskamp kommt zu Holstein Kiel. Dieses Bild entstand während einer Vorstandssitzung des VfL Osnabrück im November 2012.

Der 49-jährige Heskamp bestritt 236 Ligaspiele – und war Talentscout beim FC Bayern München.

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09. Dezember 2014, 13:54 Uhr

Kiel | Es gab Zeiten, da wäre anlässlich einer solchen Präsentation eines neuen starken Mannes auch gleich ein ambitionierter Zeitplan für diesen und den nächsten Schritt auf der Erfolgsleiter ausgerufen worden. Doch bei Heskamps Vorstellung war das Wort Aufstieg nicht zu hören.

„Mit dieser Personalentscheidung verknüpfen wir keine kurzfristigen, sondern langfristige Ziele“, erklärte Dr. Stefan Tholund, Vorsitzender des Holstein-Aufsichtsrates. „Deshalb haben wir uns mit der Besetzung dieser Position Zeit gelassen.“

Bereits im Sommer hatte Andreas Bornemann bei den Kielern gekündigt und beim Zweitligisten Greuther Fürth angeheuert (wo er letztlich sein Amt aber gar nicht antrat). Seitdem war Geschäftsführer Wolfgang Schwenke gemeinsam mit Trainer Karsten Neitzel für den sportlichen Bereich verantwortlich. „Es gab viele Bewerbungen, wir haben auch Kandidaten selbst kontaktiert“, sagte Tholund, „aber wir sind froh, dass wir mit dem ersten, mit dem wir konkrete Vertragsgespräche geführt haben, auch gleich einig geworden sind.“

Heskamp betritt einerseits zwar Neuland als Hauptverantwortungsträger, bringt andererseits aber eine Menge Voraussetzungen für den Posten mit. „Ich bin inzwischen 30 Jahre lang in der 2. und 3. Liga unterwegs“, erklärte der 49-Jährige, in dessen sportlicher Vita 259 Zweitliga-Spiele für den VfL Osnabrück und Eintracht Braunschweig stehen: „Ich kenne das Geschäft und seine Facetten, ob Eltern, Berater oder Strukturen in Vereinen.“

Der zweifache Familienvater absolvierte zwei kaufmännische Ausbildungen, hat eine A-Lizenz als Trainer und leitete 13 Jahre lang die Geschäftsstelle des VfL Osnabrück. Zuletzt war Heskamp für den FC Bayern als Scout tätig. „In erster Linie habe ich den Nachwuchs in Norddeutschland, von den Zwölfjährigen bis zur A-Jugend-Bundesliga, beobachtet. Zwischendurch habe ich auch Aufgaben für die Profis übernommen“, erzählt er.

Bei Holstein sah man Heskamps Vita als ideal an. „Er passt genau in unser Anforderungsprofil“, sagte Tholund. „Seine gute Kenntnis des Nachwuchsbereichs kann für uns besonders wertvoll sein.“

Eine Position als sportlich Verantwortlicher sei „früher mal das Ziel“ für ihn gewesen, gestand Heskamp. „Jetzt kam die Anfrage aus Kiel schon etwas überraschend.“ Ein wenig musste er deshalb überlegen. „Ich war bei Bayern glücklich“, betonte er. Matthias Sammer sei gerade drauf und dran gewesen, seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag zu verlängern, als er mit der Bitte um vorzeitige Auflösung kam.

„Wir sind den Bayern dankbar, dass sie zugestimmt haben“, erklärte Tholund. Bis zum 31. Dezember arbeitet Heskamp offiziell noch für den Rekordmeister, bevor er im Januar seinen Drei-Jahres-Vertrag in Kiel antritt.

„Es waren sehr positive Gespräche“, sagte Heskamp. „Besonders beeindruckt hat mich, dass man hier nicht auf den schnellen Erfolg aus ist, sondern auf Nachhaltigkeit. Das Trainingsgelände hat schon gehobenes Zweitliga-Niveau.“

In den ersten Wochen seiner Tätigkeit will er zunächst einmal den Verein kennenlernen. Am Dienstag wurde der neue Sportliche Leiter, der bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats noch keinen Sitz im Präsidium hat, dem Trainerteam und der Mannschaft vorgestellt.

Bei den Spielen gegen Borussia Dortmund II am Sonnabend und in Rostock eine Woche darauf will der neue Mann noch auf der Tribüne Platz nehmen und im neuen Jahr dann auf die Bank wechseln. „Ich möchte nah dran sein, auch bei den Besprechungen“, erklärt er. „Schließlich will ich die Arbeit auch beurteilen können.“ Seine Hauptaufgaben sieht er in der Kaderzusammenstellung und einer noch besseren Verknüpfung der Profis mit dem Nachwuchsleistungszentrum.

Zu möglichen Verstärkungen in der Winterpause wollte Heskamp sich noch nicht äußern. „Die Mannschaft funktioniert derzeit“, sagte er. „Da muss man genau hinschauen, wenn man jemanden dazu holt.“ Ohnehin seien Verpflichtungen nur in Abstimmung mit Neitzel denkbar. „Ich hole doch keinen, den der Trainer nicht will“, stellte Heskamp klar – ganz der „Teamspieler“, als der er sich bezeichnete.

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