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Party auf dem Rathausplatz : Holstein Kiel feiert Aufstieg in die Zweite Liga

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Platzsturm, Auto-Korso und Lasershow: Die Störche feierten ihren Aufstieg laut und ausgelassen.

Kiel | Als am Samstag der Schlusspfiff ertönt und Holstein Kiel auch ganz offiziell Aufsteiger ist, gibt es kein Halten mehr: Hunderte Fans stürmen den Rasen im Holstein Stadion, am Ende bleibt vom gepflegten Grün nicht viel übrig. Dabei hatte der Stadionsprecher darum gebeten, dass alle auf ihren Plätzen bleiben, die Mannschaft habe noch etwas vorbereitet. Im Freudentaumel kriegt das keiner mit.36 Jahre hat man in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt gewartet, wieder in solche sportlichen Sphären vorzustoßen - zumindest, was den Fußball angeht: 2. Bundesliga, das ist „nahezu-Fußball-Olymp“. Im Handball ist Kiel längst Spitze. Die Spiele des Bundesligisten THW verfolgen regelmäßig mehr als 10 000 Zuschauer. Ins Holstein Stadion kommen im Schnitt etwas mehr als die Hälfte.

Am Samstag ist das anders. Mit 9243 Besuchern ist es am Westring gerammelt voll. Es sind nahezu Handball-Verhältnisse, was in Kiel ein Synonym für Gigantismus ist. „Wir holen die Meisterschaft und den Pokal, Holstein Kiel international“, peitscht vor allem der harte Kern auf der Westtribüne das Team von Beginn an nach vorne.

Auf der Haupttribüne brauchen die Zuschauer länger. Manche scheinen zum ersten Mal da zu sein und verfolgen mit nordischer Gelassenheit das Geschehen auf dem Platz. Bis Steven Lewerenz in Minute 26 zum 1:0 trifft, erinnern sie eher an Besucher eines Freiluftgottesdienstes. Doch von diesem Zeitpunkt an groovt sich das Publikum ein.

Bernd und Klaus, zwei Endsechziger und Fans der ersten Stunde, erinnern sich noch an den Abstieg aus der 2. Liga 1981. Obwohl der Aufstieg 2017 zu den größten Erfolgen gehört, die Bernd und Klaus als Fans erleben durften, fremdeln sie mit den Vorzeichen des Bedeutungszuwachses für den Verein. „So viel Polizei, da denkst du ja, es bricht ein Krieg aus“, sagt Bernd, der statt eines Trikots ein Fischerhemd und eine Kapitänsmütze trägt.   Als St. Pauli-Leihgabe Marvin Duksch zum 2:0 trifft, fängt man auf der Haupttribüne an, die Fangesänge aus dem „Westen“ zu erwidern.

Beim 3:0 sind plötzlich alle akklimatisiert: Als sei das hier immer so gewesen, als sei Kiel eine Fußballstadt, in der es normal ist, dass am Wochenende rund Zehntausend ins Stadion gehen. Es sind die Vorboten eines Neuanfangs. In der kommenden Saison wird der Club rund sechs Millionen Euro TV-Gelder kassieren. In der 3. Liga waren es noch rund 850 000. Ob der Fanshop, der bisher nur sechs Stunden in der Woche geöffnet hatte, bald länger öffnen muss, ist unklar. Ob die Mitglieder des benachbarten Kleingärtnerverein weiter gemütlich mit dem Fahrrad aufs Trainingsgelände fahren können, ob sie dabei weiter - anders als bei den meisten Bundesligisten - eine nicht von Stahlgitterstreben verstellte Sicht genießen, muss sich zeigen.

Dass es für die Drittliga-Meisterschaft am Ende nicht reicht, weil Spitzenreiter Duisburg zeitgleich gegen Zwickau siegt egal! Das ist den Fans nicht mehr als ein kurzes Raunen wert, als die Ergebnisse der 3. Liga kurz über die Leinwand hinter dem Tor flimmern.

Nach dem Platzsturm durch die Fans, macht sich das Team im Autokorso zum Kieler Rathaus auf. Fahnenschwenkend wird das Gebäude gestürmt, in dem es an normalen Tagen eher beherrscht zugeht. Konfetti regnet auf die Spielerhäupter nieder, von denen manche mit Vokuhila-Perücken bestückt sind. Es geht zu wie beim Karneval, obwohl das Rheinland denkbar weit entfernt ist.„Oh wie ist das schön“, singen Fans und Spieler gemeinsam. Da stehen nur noch ein geplantes Feuerwerk, eine Lasershow und eine durchzechte Nacht in Kiel zwischen dem Ende des Kieler Märchens und dem Anfang einer neuen Realität in Deutschlands zweithöchster Spielklasse - und natürlich das Finale des schleswig-holsteinischen Landespokals gegen den SV Eichede. Daran will an diesem Abend aber niemand denken.

 

Hunderte Fans stürmten den Platz und feierten ihre Mannschaft.

Anschließend brach das Team mit einem Autokorso zum Kieler Rathaus auf, wo die Mannschaft am Abend eine Überraschung für die Fans geplant hat.

 
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erstellt am 21.Mai.2017 | 11:58 Uhr

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