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Zukunft des Gewässers : Hitzige Debatte zum „Kleinen Kiel“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Neue Form der Bürgerbeteiligung: Die Stadt Kiel lud zur Diskussion über Verschönerungspläne ein. Viele Fragen blieben offen, eins wurde klar: Ein Bootsverleih ist nicht erwünscht.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2013 | 00:32 Uhr

Soll der „Kleine Kiel“ etwa zum „Event-Gewässer“ werden, wie ein verärgerter Kieler es in einem Zwischenruf formulierte? Zum Treffpunkt für Kreuzfahrt-Touristen, Studenten und Szenegänger, wie es am Alten Bootshafen oder im Schrevenpark vorkommt? Nein, das können sich viele Kieler nicht vorstellen. Zumindest eine Mehrheit derjenigen, die an der ersten Bürgerbeteiligung der Stadt zur Zukunft des „Kleinen Kiels“ am Mittwochabend im Rathaus teilnahmen. Etwa 50 Bürger waren im Ratssaal erschienen. Es ging um Pläne zur ökologischen Sanierung und Verschönerung des Gewässers, die auch einen Bootsverleih mit Kiosk sowie einen Bogensteg mit beleuchteter Sitz-Skulptur beinhalten. Ein Büro von Landschaftsarchitekten stellte das Konzept vor. Es wurde ein Abend mit einer lebhaften, teils hitzigen Debatte. Eins ist klar: Der zweigeteilte See in der Stadtmitte liegt den Kielern am Herzen. Ob sie nun für eine Verschönerung und Belebung sind – oder nicht. Sie wollen ihre blaue Oase zwischen Rathaus, Opernhaus und dem Rand der Altstadt erhalten.

Das jedoch ist eine Herausforderung für die städtischen Planer. Immer wieder hat das Grünflächenamt mit Problemen am „Kleinen Kiel“ zu kämpfen. Seit zwei Jahren müssen im Sommer ganze Teppiche von Fadenalgen zeit- und kostenintensiv abgefischt werden. Wasservögel fressen Pflanzen ab, Verschmutzungen durch Gänsekot sowie vor einigen Jahren ein Fischsterben erforderten ungewöhnliche Arbeitseinsätze. Die Uferbefestigung ist zudem marode, muss erneuert werden. Daher hat das Grünflächenamt vergangenen Herbst das Hamburger Büro Munder und Erzepky beauftragt, Vorschläge für eine Gestaltung des „Kleinen Kiels“ zu machen. Statt Holzpalisaden sollen dem Konzept zufolge Röhricht-Zonen das Ufer befestigen sowie das Gewässer filtern. Ein kleiner Abschnitt wurde bereits probeweise auf dem Ostteil des Stadtsees bepflanzt. Schwimmende Pflanzeninseln, den Bau einer Rasentreppe am Klaus-Groth-Denkmal und des bogenförmigen Stegs am Hiroshimapark sowie eines Stegs mit Bootsverleih sieht das Konzept ebenfalls vor. Ein teurer Traum in Grün. Insgesamt würde die Umsetzung, die in einem zeitlichen Rahmen von etwa acht Jahren gesehen wird, bei rund 1,6 Millionen Euro liegen. Geld, das die Stadt Kiel nicht hat. Nur ein Betrag von 180 000 Euro für den Röhricht-Gürtel steht nach Angaben von Grünflächenamts-Leiter Günter Horstmann bisher zur Verfügung. Die Arbeiten sollen spätestens 2015 beginnen.

Für Diskussionen im Ratsaal sorgte der Grund des störenden Algenbefalls. Sind nur die Gänse Schuld? Hilft ein Fütterungsverbot? Was tun gegen Bürger, die sich nicht daran halten? Würde ein stärkerer Wasseraustausch mit der Förde helfen? Viele Fragen – und viel Ratlosigkeit auf Seiten der Stadtplaner. Denn als Hauptquelle sieht der von der Stadt beauftragte Biologe Wulf Schwarz das Sediment an. Meterdicker Faulschlamm, der mit zu vielen Nährstoffen angereichert ist und weiter wächst. „Was jetzt geplant wird, ist kein Patentrezept“, sagte Schwarz. „Die Fadenalgen werden nicht verschwinden.“ Ein Grüngürtel lenke jedoch das Auge ab. Den See zu entschlammen wäre nach Expertenmeinung ein Millionenprojekt und nicht zu bezahlen.

Was nimmt Grünflächenamts-Leiter Horstmann mit aus der Bürgerbeteiligung? „Es war eine konstruktive Debatte. Wir haben kein absolut negatives Votum zum Thema Röhricht vernommen“, sagte er. „Wir werden daher unseren Gremien den Vorschlag der Begrünung machen.“ Den Widerstand gegen einen Ruderbootverleih werde er ebenso weitergeben. Die Auswertung des Abends sei abzuwarten – und auch, was die Politik dazu sagt. Zu einem späteren Zeitpunkt, verspricht Horstmann, haben dann wieder die Bürger das Wort.

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