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Denkmalschutz : Historische Häuser – den Besitzern droht der Ruin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Versicherungen drohen Besitzern historischer Häuser mit Kündigung – oder mit extremer Prämien-Erhöhung. Der Denkmalschutz erhöht zwar den Wert einer Immobilie, lässt damit aber auch die Versicherungsbeiträge in die Höhe schnellen.

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erstellt am 13.Feb.2014 | 16:59 Uhr

Henning Hoffmann sucht. Er sucht eine neue Feuerversicherung. Seine bisheriger Versicherer, die Neuendorfer Brand-Bau-Gilde, hat ihm die Kündigung in Aussicht gestellt. Zu hoch werde künftig das Risiko sein, Hoffmanns fast 300 Jahre altes Fachhallenhaus zu versichern. Das nämlich soll unter Denkmalschutz gestellt werden.

Wie Hoffmann könnte es demnächst einigen 1000 Besitzern von Gebäuden gehen, die von der Denkmalbehörde als schützenswert eingestuft werden. Wird auch nur die Hälfte eines Objektes unter Denkmalschutz gestellt, heißt es bei der Provinzial, erhöht sich der Gebäudewert um 50 Prozent. Daran orientiert sich die Prämie.

„Das wird happig“, sagt die Sprecherin beim Bund der versicherten, Bianca Boss. Um 3000 auf mehr als 4100 Euro Euro würde die Neuendorfer Brand-Bau-Gilde ihre Prämie erhöhen müssen, will sie aber erst gar nicht, denn „denkmalgeschützte Gebäude sind bei unserer Gesellschaft ein nicht zu versicherndes Risiko“, heißt es in einem Schreiben an Hoffmann.

16.000 einfache Kulturdenkmale gibt es landesweit. Ist die Novelle zum Denkmalschutzgesetz unter Dach und Fach, dann will Kulturministerin Anke Spoorendonk sieben Mitarbeiter ins Land schicken, um die Objekte zu inventarisieren. Was als denkmalwürdig eingestuft wird, soll „gelistet“ werden. Die Folge: Wer sein Denkmal renovieren, wer neue Fenster einbauen will, braucht dazu den Segen der Denkmalbehörde.

Anhörung und Widerspruchsverfahren soll es nicht mehr geben. Wer sich gegen die Behördenentscheidung für die Unterschutzstellung wehren will, muss klagen.

Das wiederum könnte teuer werden fürs Land und für Spoorendonk, die als Justizministerin für die Ausstattung der Gerichte zuständig ist. Wenn nur jeder zehnte Betroffene diesen Weg einschlägt, sagt Alexander Blazek von Haus&Grund, drohe dem Verwaltungsgericht eine Klagewelle.

Hausbesitzer wie Hoffmann fühlen sich durch die Entscheidung des Denkmalamtes „wie enteignet“ und will den Kampf aufnehmen. Die Opposition im Landtag ist längst alarmiert: Denkmalschutz, kritisiert CDU-Fraktionschef Johannes Callsen drohe „zum starken Staat gegen Eigentümer“ zu werden. Deren wirtschaftliche Belange spielten „keine besondere Rolle mehr“. Wer, fragt Callsen, will sich dann noch auf finanzielle Abenteuer bei Kauf und Sanierung eines alten Resthofs einlassen? Spoorendonks Gesetz werde damit auch zum Bremsklotz für die Entwicklung des ländlichen Raums.

Hoffmanns Ehefrau Marlene sieht die Entwicklung mit einer Mischung aus Frust und bitterer Ironie: Irgendwann, sagt sie, werde „ganz Schleswig-Holstein wie Haithabu“ sein – ein Museum.

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