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Hindenburgufer: Vom Regen in die Traufe – alle Straßenschilder wurden geklaut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaum ist die Umbenennung des Hindenburgufers in Kiellinie beschlossene Sache, da haben Unbekannte gleich Fakten geschaffen – und sämtliche Straßenschilder geklaut. „In der vergangenen Woche wurde festgestellt, dass einige der Schilder fehlen“, teilte der städtische Kulturreferent Rainer Pasternak gestern mit. Am Donnerstag habe er selbst nachgeschaut, da sei auch das letzte verbliebene Schild von der bekannten Straße entlang der Kieler Förde verschwunden gewesen. Die Stadtverwaltung habe bislang noch keine Hinweise auf die Schilder-Diebe.

Womöglich haben Kieler Bürger die Schilder als Andenken abgeschraubt. Oder Gegner des Hindenburgufers wollten den Straßennamen unverzüglich aus dem Stadtbild löschen. Pasternak: „Denkbar ist beides.“ Der Diebstahl stellt die Verwaltung nun vor eine neue Herausforderung. Denn die alten Hindenburgufer-Schilder sollten unter den neuen Schildern, die auf die Kiellinie hinweisen, angebracht werden – durchgestrichen, um die Umbenennung zu symbolisieren. So hat es jedenfalls die Mehrheit der Ratsversammlung beschlossen, bestehend aus der Rathaus-Kooperation von SPD, Grünen und SSW.

Für Norbert Heßke und rund 2500 Befürworter seiner Online-Petition zum Erhalt des Hindenburgufers und gegen die Löschung des Namens aus dem Ehrenbürgerbuch der Stadt ist das der falsche Weg. Heßke: „Man kann doch Geschichte nicht einfach auslöschen, das ist geschehen.“ Würde es Hitlerufer heißen, wäre er auch für eine Umbenennung. „Hätte es wirklich jemanden gestört – das sieht man ja bei Möbel Kraft – wären die Bürger schon aktiv geworden. Aber so ist das von einer kleinen politischen Gruppe beschlossen worden.“ Den Namen Paul von Hindenburg zu löschen, findet Heßke genauso falsch. Man könne ihn streichen, die Würde aberkennen, aber Löschung sei der falsche Umgang. Dies wurde auch in der Ratsversammlung heftig diskutiert. Laut Norbert Heßke fällt Kiel jetzt vom Regen in die Traufe, denn die wenigsten wüssten, was Kiellinie eigentlich bedeutet: „Es ist aus der Marine-Kriegsführung. Wenn Schiffe in einer sogenannten Kiellinie fuhren, war das ein taktischer Vorteil, da die beteiligten Schiffe alle gleichzeitig eine Breitseite feuern konnten.“ Heßke ist sich sicher, dass das in der aktuellen Rathausdiskussion keiner bedacht hat. Auch damals, bei der ersten Benennung der Kiellinie um 1972 vor Olympia, sei es relativ hektisch zugegangen, wie Johannes Rosenplänter vom Stadtarchiv erzählt: „Es ging um den maritimen Bezug, Kiel kam darin vor und die anderen Vorschläge waren wohl noch unpassender.“ Heßke wäre ein Bürgerentscheid, sollte er die nötigen 8000 Unterschriften online zusammenbekommen, am liebsten. Große Hoffnungen macht er sich allerdings nicht. Er wolle eher ein Zeichen setzen, dass es auch nicht wenige Gegner der Umbenennung gibt. Aber daran ist nichts mehr zu drehen, wie Rainer Pasternak versichert: „Das ist jetzt durch.“

Wie geht es also nun weiter mit der Uferstraße? Pasternak erklärte auf Nachfrage, die „Kiellinie“-Schilder seien noch nicht produziert: „Die dürfen erst bestellt werden, wenn der Beschluss formal gültig ist.“ Er rechne aber damit, dass sie noch im Februar angebracht würden. Und: „Wir werden der Selbstverwaltung ein alternatives Schild vorschlagen, welches das durchgestrichene Hindenburgufer ersetzt. Es hat ja keinen Sinn, wenn es sofort wieder geklaut wird“, so der Kulturreferent.

Ein weiterer Bestandteil des beschlossenen Maßnahmen-Pakets sind Info-Tafeln, die gegenüber der Uferstraße auf Hindenburgs Rolle im Nationalsozialismus und unmittelbare Auswirkungen seiner Entscheidungen auf die Stadt Kiel hinweisen sollen. Bis diese stehen, werden jedoch noch einige Monate vergehen. Laut Rainer Pasternak wird der erste Entwurf bei der nächsten Sitzung des Kulturausschusses am 25. Februar vorgestellt – und soll dann in den Ortsbeiräten diskutiert werden: „Er soll ja von allen getragen werden“, so der Kulturreferent. „Im Idealfall ist es dann im Mai soweit.

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erstellt am 01.Feb.2014 | 06:22 Uhr

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