zur Navigation springen

selbsthilfe Brustkrebs : Hilfe für die schwerste Zeit des Lebens

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Angeline Homburg, Nina Hübner und Bettina Schwanck haben eine Selbsthilfegruppe für junge Frauen mit der Diagnose Brustkrebs gegründet.

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2017 | 19:49 Uhr

Als Angeline Homburg im August 2015 die Diagnose „aggressiver Brustkrebs“ bekommt, fällt sie für einen Moment in – wie sie es bezeichnet – „absolute Schockstarre“. Die zweifache Mutter ist zu diesem Zeitpunkt gerade 32 Jahre alt und im achten Monat schwanger. Der Kampf gegen den Krebs beginnt wenige Tage später mit der 18-wöchigen Chemotherapie. Hier lernt Angeline Homburg die Brustkrebs-Patientinnen Nina Hübner und Bettina Schwanck kennen. „Uns verband diese Krankheit“, sagt Nina Hübner heute. Nur ein Jahr später, im September 2016, rufen die drei jungen Frauen die Selbsthilfegruppe „Kieler Brustkrebs-Sprotten“ ins Leben. Diese stellten sie jetzt beim 1. Schleswig-Holsteinischen Krebs-Selbsthilfetag vor.

Prof. Dr. Frank Gieseler, Vorsitzender der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft: „Wir möchten Betroffenen mit dem Krebs-Selbsthilfetag Mut machen, sich ähnlich Erkrankten anzuschließen, mit den verschiedenen Selbsthilfegruppen ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen oder sich einfach über die Möglichkeiten der Selbsthilfe zu informieren.“ Mit Vorträgen wie „Achtsamkeit als Weg der Freundschaft mit sich selbst“ oder „Wie sag ich’s meinen Kindern?“ bildete der Krebs-Selbsthilfetag nur einen Teil des breiten Sprektrums der Krankheit und ihrer Folgen ab. Neben dem Austausch der Betroffenen untereinander berichteten Angeline Homburg, Nina Hübner und Bettina Schwanck über die Gründung ihrer Selbsthilfegruppe.

„Wir haben uns oft nicht verstanden gefühlt“, sagt Nina Hübner, „und wir hatten das Bedürfnis, zu helfen und einen Raum für junge Frauen zu schaffen, denen es so geht wie uns.“ Denn eines fehlte Angeline Homburg, Nina Hübner und Bettina Schwanck gleichermaßen: eine Austauschmöglichkeit für Frauen, die vor der Menopause an Brustkrebs erkrankt sind. Denn: „In der Chemo saß jede von uns mit 60- bis 70-jährigen Frauen zusammen, die ganz andere Probleme zu bewältigen hatten. Da konnte man sich nicht austauschen, das war sehr schade.“

Denn für Frauen vor der Menopause sind bei der Diagnose Krebs zentrale Fragen: Was mache ich mit den Kindern? Will und kann ich nochmal schwanger werden? Wie geht es beruflich weiter? Frührente mit Mitte 30? Nina Hübner und ihre Mitstreiterinnen wollen Hilfestellung leisten. Bei der Gründung der Selbsthilfegruppe war den Frauen klar: „Wir wollten, dass hier jede ihre eigenen Erfahrungen weitergeben kann“, so Bettina Schwanck, „jede kann jeder ein Vorbild sein“.

So suchten die Frauen Rat und Unterstützung bei Kliniken, Therapeuten, der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft und anderen Selbsthilfegruppen. Immerhin galt es, zahlreiche Fragen zu klären, wie Bettina Schwanck sagt. Dazu gehören „Wie erreiche ich Betroffene, welche Räumlichkeiten nutze ich, wie sollen Gruppengespräche ablaufen, wie gehen wir mit schwierigen Fällen und der Trauer um?“ Aber auch die Frage der Finanzierung müsse geklärt sein. Noch sind die Kieler Brustkrebs-Sprotten kein eingetragener Verein, „aber die Krebsgesellschaft hat uns ein Konto eingerichtet.“

Unter dem Motto „Zuhören, Austauschen und Begleiten“ geben die Brustkrebs-Sprotten auf ihrer Internetseite erste Antworten, Links und Informationen zur Krankheit Brustkrebs, zu alternativer Medizin, Kosmetik und gesunder Ernährung. „Wir wollen den fehlenden Bereich der Selbsthilfe abdecken und eine Verbindung zwischen Arzt und Patient sein“, erklärt Nina Hübner die Idee hinter der Selbsthilfe-Gruppe. Mit einem leichten Sport- und Entspannungsprogramm bieten Nina Hübner, Angeline Homburg und Bettina Schwanck Betroffenen zudem ein Sportangebot für die Zeit während und nach der Chemotherapie.

Für Krebs-Patienten und Angehörige haben die Frauen den Hinweis: „Wichtig ist, an sich zu glauben“, so Angeline Homburg. „Man kann sich selbst entscheiden, wie man Dinge angeht.“ Ein Weg ist der Austausch mit Gleichgesinnten. Die Krebshilfegesellschaft bietet etwa für die Gründung einer Selbsthilfegruppe ihre Unterstützung an.

Die Visionen der Brustkrebs-Sprotten: „Wir wollen eine Selbsthilfegruppe vor Ort im UKSH schaffen, Kochkurse und Ernährungsseminare anbieten“, blickt Angeline Homburg in die Zukunft. Ihre Tochter kam übrigens während der zweiten und dritten Chemotherapie auf die Welt. „Sie ist jetzt 16 Monate alt, kerngesund und frech“, berichtet die stolze Mutter.

> Detaillierte Informationen zu den Brustkrebs-Sprotten sind im Internet erhältlich auf der Seite www.brustkrebssprotten.de.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen