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Kiel

15. Dezember 2017 | 09:54 Uhr

Herz-OP mit modernster Technik

vom

Erster Hybrid-Operationssaal am UKSH in Kiel eingeweiht / Präzise Diagnose, schnelle Eingriffe / 5,4 Millionen Euro investiert

shz.de von
erstellt am 08.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | Er klingt nicht nur futuristisch, er sieht auch so aus: Der erste Hybrid-Operationssaal des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel. Seit zehn Tagen werden dort bereits Eingriffe durchgeführt, offiziell eingeweiht wurde er aber erst gestern Abend. Joß Griese, OP-Manager am UKSH, blickt auf einen positiven Start zurück: "Wir haben Trockenübungen und Testläufe gemacht, bei denen kein Risiko bestand, um die Technik zu überprüfen. Nach ersten Operationen mit nur geringem Technik-Einsatz wurde der Schwierigkeitsgrad dann bis hin zum vollen Programm erhöht. Alles funktioniert einwandfrei."

Den Begriff "Hybrid" kennt man von Autos, die sowohl mit Benzin als Treibstoff als auch mit Stromantrieb fahren können. Bei dem Hybrid-OP in der Kieler Chirurgie verhält es sich so, "dass das Personal an zwei Diagnostik-Feldern und zwei Therapie-Feldern parallel arbeiten kann" - so erklärt es UKSH-Sprecher Oliver Grieve. In der Herzchirurgie sei dies ein Vorteil, etwa bei einer gleichzeitigen Operation an den Herzklappen eines Patienten sowie einer Reparatur seiner Gefäße. Kurz: "Für Patienten - und besonders Notfälle - sind die Eingriffe schneller und schonender, für den Arzt präziser möglich", so Grieve. Der Hybrid-OP ist eine Kombination eines komplett ausgestatteten herzchirurgischen Operationssaals mit einer vollwertigen Herzkatheteranlage. Sie soll die Eingriffe für die Ärzte in Zukunft leichter machen, ihnen eine noch höhere Präzision erlauben und ihnen - sofern es doch einmal dazu kommt - ein schnelleres Reagieren bei Komplikationen erlauben, ohne den Patienten dafür in einen anderen Raum verlegen zu müssen. Sichtlich zufrieden ist mit dem großzügig gestalteten OP ist auch Prof. Dr. Jochen Cremer, Spezialist am UKSH für Herz- und

Gefäßchirurgie: "Wir sind glücklich, dass der Saal so gestaltet und ausgestattet ist. Wir können jetzt auf einen Gerätestandard zugreifen, der exzellent ist. Wir können jetzt OP-Konzepte anbieten, bei denen man zuvor Kompromisse machen oder die Prozeduren nacheinander durchführen musste." Der Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie, Prof. Norbert Frey, betont zudem das hohe Maß an Sicherheit, dass der neue Saal Ärzten und Patienten bietet: "Sie bewegen sich wie in

einer Herzkatheteranlage, haben dabei aber die Sicherheit eines OP. Das ist definitiv ein großer Sprung nach vorne."

Zur offiziellen Schlüsselübergabe waren gestern neben UKSH-Vorstand Jens Scholz auch Hans-Adolf

Bilzhause, Geschäftsführer der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH), Prof. Dr. Jochen Cremer, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie, Prof. Dr. Norbert Frey, Direktor der Klinik für Innere Medizin III - Kardiologie und Angiologie sowie Dr. Markus Siggelkow, Leiter des Universitären Gefäßzentrums Nord (Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie) erschienen. Die Kieler Wissenschaftsministerin Waltraud Wende (parteilos) lobte den Schritt in die Zukunft: "Was heute in Forschung und Lehre investiert wird, kann und wird sich morgen auszahlen. Es entstehen neue Diagnoseverfahren, es gibt verbesserte Therapieansätze und eben neue OP-Methoden. Und der neue Hybrid-OP wird auf diesem Weg ein Meilenstein sein."

Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 5,4 Millionen Euro - vier Millionen für die insgesamt 13 Monate dauernden Baumaßnahmen und 1,4 Millionen Euro für die Geräte. Die komplette OP-Einheit verfügt inklusive Nebenräumen über eine Fläche von 245 Quadratmetern. Das Herzstück, der Hybrid-OP, ist ausgestattet mit moderner Medizintechnik, wurde nach Angaben von Sprecher Grieve im Team auch mit UKSH-Ärzten und -Pflegepersonal entwickelt. Er kombiniert eine herzchirurgische Einheit mit einer vollwertigen kardiologischen Katheteranlage und verfügt über mehrere bildgebende Diagnosegeräte: Eine 3-D-Angiographie, -EKG- und -Röntgenanlage sowie eine Herzkatheter-Filmdarstellung und einen röntgenfähigen Operationstisch. Invasive Techniken und offen chirurgische Verfahren können, wie erwähnt, gleichzeitig oder nacheinander erfolgen. Herzchirurgische Notfälle (wie der Verdacht auf einen Riss einer Hauptschlagader) diagnostizieren und therapieren die Ärzte sogar simultan - "ein Riesen-Vorteil für die Patienten, denn ihnen bleibt ein Transport in dieser heiklen Situation erspart."

Die neue Technik macht auch weniger invasive Verfahren bei schwerstkranken Patienten möglich. Sie wird genutzt bei Implantationen von Herzklappen über die Leistengefäße oder über die Herzspitze, bei Herzklappenoperationen am schlagenden Herzen (ohne Herz-Lungenmaschine)

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