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Städtisches Krankenhaus : Hebammen leiten eigenen Kreißsaal

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit einem neuen Betreuungsmodell wirbt das Städtische Krankenhaus: Schwangere Frauen werden während der Geburt allein von Hebammen betreut. Nur bei Komplikationen wird ein Arzt hinzugezogen.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2017 | 18:32 Uhr

Das ist eine Premiere in Schleswig-Holstein: Ab sofort bietet das Städtische Krankenhaus Kiel mit dem „Hebammen-Kreißsaal“ schwangeren Frauen ein neues Betreuungsmodell für die Geburt an. Dabei begeben sich die Frauen ausschließlich in die Obhut der Hebammen. Im Fall von medizinischen Komplikationen müssen sich die Schwangeren aber keine Sorge machen: Ärzte stehen jederzeit bereit, um im Notfall einzugreifen.

Das Städtische Krankenhaus ist die geburtenstärkste Klinik in ganz Schleswig-Holstein. Genau 1972 Geburten wurden hier im vergangenen Jahr gezählt, wie Dr. André Hahn sagt, der Chefarzt der Frauenklinik. Berücksichtigt man die 28 Zwillingsgeburten, haben genau 2000 neue Erdenkinder hier das Licht der Welt erblickt. Das sind Tag für Tag fünf bis sechs kleine Mädchen und Jungen.

Insgesamt 30 Hebammen kümmern sich um das Wohlergehen der Mütter und ihres Nachwuchses. Die beiden Leitenden Hebammen Martina Piol und Ute Bringmann verfolgen mit dem neuen Konzept die Idee einer Geburt, die mit wenig Fremdhilfe in ruhiger, entspannter Atmosphäre abläuft und nur von Hebammen begleitet wird. Fast wie bei der herkömmlichen Hausgeburt – mit dem Unterschied, dass im Städtischen Krankenhaus im Ernstfall sofortige medizinische Hilfe für Mutter und Kind erfolgen kann.

Die Teilnahme ist für schwangere Frauen an Voraussetzungen gekoppelt. Sie müssen zwischen der 27. und der 30. Schwangerschaftswoche ein erstes Gespräch in der Hebammen-Sprechstunde vereinbaren (Anmeldung ist möglich unter Tel. 0431  /  16  97  -  17  20). Ein zweites verbindliches Gespräch läuft in der 36. Schwangerschaftswoche. Spätestens dann wird entschieden, ob das Projekt Hebammen-Kreißsaal für die Frau geeignet ist. Risiko-Schwangerschaften beispielsweise sind ausgeschlossen. Auffällige Blutdruckwerte oder sogar Fieber, die Gabe von Schmerzmitteln über die Vene, schwache Herztöne des ungeborenen Kindes, die Rückenmarkbetäubung sind auch später Kriterien, bei denen die Hebammen auf ärztliche Hilfe zurückgreifen.

Im Mittelpunkt der Geburt im Hebammen-Kreißsaal steht die „kontinuierliche beziehungsorientierte Betreuung“ als Grundlage für eine Geburtshilfe, bei der keine medizinischen Interventionen vorgesehen sind. Bei der Geburt selbst ist dann immer eine zweite Hebamme zur Unterstützung anwesend.

Rund 40 Frauen mit einem errechneten Geburtstermin im Mai oder Juni haben sich bereits für dieses Modell entschieden. Die erste Geburt innerhalb dieses Projektes stand für gestern Abend an. Bundesweit hat der Hebammen-Kreißsaal bereits an 17 Kliniken großen Zuspruch gefunden, in Schleswig-Holstein allerdings wird er jetzt zum ersten Mal erprobt.

Martina Piol und Ute Bringmann sind überzeugt, dass sie den richtigen Weg eingeschlagen haben: „Wir haben mit dem Hebammen-Kreißsaal den Zeitgeist getroffen. Jede Frau muss sich im Krankenhaus wiederfinden.“ Auch Dr. Hahn rechnet mit großem Zuspruch für das Projekt – was bedeutet, dass im Städtischen Krankenhaus Kiel wohl auch in den nächsten Jahren die meisten Babys geboren werden.
 

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