zur Navigation springen

Korruptionsverdacht : Haus & Grund wehrt sich gegen NDR-Beitrag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die TV-Sendung im Dritten am Montagabend beschäftigte sich mit dem Vertrag, den Haus & Grund in Kiel mit Kabel Deutschland abgeschlossen hatte. Es fiel das Wort „Korruptionsverdacht“ – diesen Vorwurf aber weist H&G-Chef Bergemann strikt zurück.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2017 | 18:42 Uhr

Mit deutlichen Worten reagiert der Hauseigentümerverband Haus & Grund in Kiel auf einen Fernsehbericht vom Montagabend. In der Sendung „Markt im Dritten“ hatte der NDR über einen Vertrag zwischen dem TV-Anbieter Kabel Deutschland und Haus & Grund berichtet. Ein zu Rate gezogener Ex-Staatsanwalt erkannte in den Begleitumständen den „Anfangsverdacht der Korruption“. Für H&G-Geschäftsführer Sönke Bergemann ist das nicht nur völlig abwegig, er wirft der NDR-Redaktion auch grob fahrlässiges Verhalten vor. Haus & Grund sorgt sich jetzt um seinen guten Ruf.

Ins Rollen gebracht hat die Geschichte ein neues Mitglied einer Preetzer Eigentümergemeinschaft. Der Bewohner bemängelte die fehlende Mitsprache beim Vertrag mit Kabel Deutschland und sprach im NDR-Bericht von „dubiosen Geschäften“. Sein Verdacht wuchs noch, als er in der Antwort auf seine Anfrage von der H&G-Zentrale eine versehentlich verschickte Anlage fand. Danach bedankte sich Haus & Grund bei Kabel für den „Zuschuss zum Betriebsfest von 2000 Euro“. Die zeitliche Nähe zwischen Vertragsabschluss und Geldzahlung führte zum öffentlich geäußerten Korruptionsverdacht.

Bergemann räumt ein, dass die Formulierung „Unterstützung fürs Betriebsfest“ tatsächlich missverstanden werden könnte. Im Kern handelte es sich nach seinen Worten aber 2013 um eine Info-Veranstaltung im Rahmen des üblichen Sommerfestes für 70 H&G-Mitarbeiter – um sie über das neue lukrative Kabel-Angebot aufzuklären. „Kabel Deutschland hat die Aufwendungen für die eigene Veranstaltung gespart und uns dafür lieber 2000 Euro fürs Catering gegeben“, sagt Bergemann.

258 Objekte im Großraum Kiel mit zusammen 2190 Wohnungen werden laut Bergemann seit Jahrzehnten komplett mit Kabel-TV-Signalen versorgt, die Abrechnung erfolgt über die Betriebskosten. Bei der Aktualisierung der Fünf-Jahres-Verträge habe man einen kräftigen Rabatt von fast 25 Prozent durchsetzen können. Davon profitiere auch die angesprochene Hausgemeinschaft in Preetz – die sich bereits 1995 einstimmig für diese Art der TV-Versorgung ausgesprochen habe. Eine vergleichbare Rabattregelung gelte übrigens auch für die 107 Häuser, in denen die 819 Einzelmieter individuell über den TV-Anbieter entscheiden.

Wie der H&G-Chef sagt, laufen die NDR-Anfragen bei ihm seit einem halben Jahr auf. Wiederholt habe er ausführliche Antworten geliefert, der NDR aber „all diese Gesichtspunkte“ außer acht gelassen. Eigentlich sei nach monatelanger Recherche nur der „ärgerliche Formulierungsfehler“ (zum Betriebsfest) übriggeblieben. Der NDR-Beitrag mit seinen strafrechtlich relevanten Vorwürfen ist für Bergemann „an den Haaren herbeigezogen“. Der H&G-Geschäftsführer fügt hinzu: „Wir fühlen uns ungerecht behandelt.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen