Special Olympics in Kiel : Hand in Hand – Fünf Tage mit den Helfern der Special Olympics

Die Kieler Helferin Kim steht Athletin Janine bei den Special Olympics unterstützend zur Seite.

Die Kieler Helferin Kim steht Athletin Janine bei den Special Olympics unterstützend zur Seite.

Die Helfer des inklusiven Sportevents in Kiel berichten von ihren Erwartungen, Erfahrungen und Überraschungen.

shz.de von
18. Mai 2018, 14:34 Uhr

In der Schwimmhalle findet gerade der 50-Meter Brustschwimmen-Wettkampf der Frauen statt – Helferin Kim Löwe steht an Bahn Zwei hinter dem Startblock und feuert Athletin Janine  an. Die 21-jährige Kielerin, die gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert, hilft mit ihrer gesamtem Klasse bei den Special Olympics mit. Sie sind die ganze Woche von 9 bis 13 Uhr beim Schwimmen eingeteilt. Hier bekommt jeder Athlet pro Wettkampf einen Helfer an die Hand.

„Zu Beginn hatte ich Angst, etwas falsch zu machen“, sagt Kim Löwe, „das hat sich aber schnell gelegt, da sie es einem durch ihre offene Art einfach machen“. Besonders fasziniert ist Kim Löwe vom Ehrgeiz der Athleten. Und manchmal auch ein bisschen überrascht. Etwa als eine Athletin ihr sagte, dass sie bitte nicht angefeuert werden wolle. Sie könne sich sonst nicht konzentrieren – und es ginge schließlich auch um die Qualifikation für die internationalen Spiele in Abu Dhabi.

Beim wettbewerbsfreien Angebot der Kieler Special Olympics geht es weniger um Ehrgeiz. Dabei sein ist alles. Es gibt viele kleine Stationen zum Mitmachen. Am Ende erhält man sogar eine Teilnehmerschleife. Hier helfen Nicole Soinski, Anne von Krosigk und die beiden Tandem-Partner Traude und Kai Kern, sowie Oliver Scheplitz und Fred Diener.

Die 24-jährige Nicole Soinski, Studentin an der CAU Kiel, ist durch ihre Dozenten auf die Special Olympics aufmerksam geworden. Für sie war sofort klar, dass sie dabei sein möchte, obwohl sie großen Respekt vor der Aufgabe hatte, weil sie bislang keine Erfahrung mit Menschen mit Behinderung gehabt hatte.

Wie die anderen wurde sie bei der Helferschulung vorbereitet. Sie erfuhr zum Beispiel, dass Menschen mit geistiger Behinderung sehr kontaktfreudig sein können. Genau das machte sie etwas nervös. Würde es für sie okay sein, wenn sie einfach so von Fremden umarmt werden würde? Jetzt weiß sie: Es ist eines der schönsten Gefühle, die man sich vorstellen kann. „Das gibt einem sehr viel zurück. Ich bin dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.“

Die 51-Jährige Anne von Krosigk verteilt gerade fleißig Teilnehmerschleifen an die Absolventen des wettbewerbsfreien Angebots. Normalerweise arbeitet sie halbtags im Kieler Kinder- und Jugendbüro der Stadt und engagiert sich ehrenamtlich in der Kinderbücherei. Sie war sofort Feuer und Flamme, als sie in der Zeitung von den Special Olympics las. Sie wollte „einfach mal etwas Neues entdecken, den Horizont erweitern“.

Zu Menschen mit Behinderungen hatte auch Anne von Krosigk zuvor keinen Kontakt. Ihr Arbeitgeber gab ihr für die Woche frei. „Aber ich hätte mir auch Urlaub genommen“, sagt Anne von Krosigk. Es freut sie, dass so viele Menschen an den Special Olympics teilnehmen. Schon morgens, wenn sie mit dem Fahrrad kommt, sieht sie von überall Menschen Richtung Sportforum strömen. Das sei ein bisschen „Kieler-Woche-Flair“. Besonders begeistert ist Anne von Krosigk vom Tandem-Helferprojekt, das es Menschen mit Behinderung ermöglicht, sich ebenfalls zu engagieren und mitzuhelfen.

Ein Tandem bilden zum Beispiel Traude Gutjahr (65) und der geistig behinderte Kai Kern (26) aus Baden-Württemberg. Beide kommen von der Schwarzwald-Werkstatt Dornstetten und sind die letzten Special Olympics immer bei den Boccia-Spielen gewesen. Traude Gutjahrs Tochter spielt dort dieses Jahr auch mit, Kai Kern ist selbst Boccia-Athlet gewesen. Dieses Mal sind sie das erste Mal als Helfer dabei. Und obwohl Kai Kern anfangs etwas traurig darüber gewesen ist, nicht als Athlet mit dabei sein zu können, hat er jetzt Spaß am Helfen: „Besonders gerne helfe ich beim Darts, ich habe selbst schon geworfen und einmal getroffen. Die Dartsplatten haben wir Montag sogar selbst gebastelt.“

Ein anderes Tandem bilden Oliver Scheplitz (34) und Fred Diener (56) aus Merkendorf vom Hamburger Lebenshilfe-Werk, aus dem Karl-Schütze-Heim. Dort macht Oliver Scheplitz, Heilerziehungspfleger und Fachkraft für Motopädagogik, zweimal die Woche mit Fred Diener Sport. Die Special Olympics sind für sie eine Premiere, erst letztes Jahr haben Sie von dieser Veranstaltung erfahren. Als Sportler war er sofort begeistert und hat außer sich und Fred Diener noch drei weitere Tandems aus der Wohngemeinschaft angemeldet. Nun helfen sie beim Tauziehen und bei der Schwungtuch-Station.

„Hier kommen so viele verschiedene Menschen zusammen und alle machen gemeinsam Sport. Inklusion im besten Sinne“, findet Kai Kern. Fred Dieners großes Ziel ist es, bei den nächsten Special Olympics selbst als Athlet beim Schwimmen anzutreten. Er sagt: „20 Bahnen kann ich schon schwimmen, ich muss nur noch das reinhüpfen üben.“

Die Autorin dieses Textes ist Studentin der Christian-Albrechts-Universität und berichtet für uns von den Special Olympics.

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