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Kreuzfahrt-Saison : Hafen erwartet Passagier-Rekord im Juni

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der ITB: Seehafenchef Dirk Claus über die Kreuzfahrt-Saison, die Wahrnehmung der Stadt aus Touristen-Sicht und die Monate mit Transit-Flüchtlingen.

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2016 | 06:16 Uhr

Herr Dr. Claus – in wenigen Wochen, am 25. April, beginnt wieder die Kreuzfahrtsaison in Kiel. Wenn Sie eine Kreuzfahrt buchen würden – wo würde es da hingehen?

Ich würde von Kiel aus starten – und entlang der norwegischen Küste bis zum Nordkap reisen. Interessant fände ich auch die Nordostpassage an Russland vorbei.

Gerade war die ITB-Messe in Berlin. Mit welcher Agenda sind Sie dorthin gefahren?

Das ist die Chance dort auf engstem Raum die Branche zu treffen, denn nahezu alle Kreuzfahrtreedereien sind dort vertreten. In diesem Jahr waren wir zum ersten Mal in Berlin und nicht auf der Kreuzfahrtmesse in Miami – eine bewusste Entscheidung. Unsere Kunden – wir sind ja in erster Linie ein Passagierwechsel-Hafen – sind in Berlin einfach stärker vertreten. Wir waren stattdessen im Spätherbst in den USA bei den großen Konzernen. In den Gesprächen ging es bereits um die Saison 2017 oder 2018.

Waren Sie erfolgreich?

Ja. Das werden wir aber erst zur Saison 2017/2018 veröffentlichen. Wir habenHolland-America als regelmäßigen Kunden hier. Das ist ein Erfolg von einem Besuch vor sechs oder sieben Jahren. Seit zehn Jahren machen wir diese Touren. Ein kleiner Erfolg war – wenn auch wetterbedingt – dass Princess letztes Jahr bei uns war. Die haben wir im Herbst besucht und nachgefragt – wie war die Kundenzufriedenheit?

Und wie war das Feedback?

Das war sehr positiv. Der Anlauf musste ja von heute auf morgen organisiert werden, das war eine logistische Herausforderung für die Passagiere, aber auch für das Umplanen der Ausflüge.

Kiel profitiert ja von der schwierigen politischen Situation im östlichen Mittelmeer. Aida stationiert ein drittes Schiff in Kiel. Wie bewerten Sie das?

Wir freuen uns natürlich über jedes zusätzliche Schiff, und Aida ist einer unserer Top-Kunden. Allein von Aida haben wir 51 Anläufe. Das führt dazu, dass wir am 18. Juni zu Beginn der Kieler Woche einen Siebenfach-Anlauf haben, wenn wir die Flusskreuzfahrtschiffe hinzuzählen. Zählt man noch die großen Fähren hinzu, sind es zehn. Das wird ein bisher einmaliges Zusammentreffen von Kreuzfahrtschiffen und Fähren mit geschätzten 22000 Passagieren – ein Spitzenwert für Kiel und Highlight der Saison. Wir sehen, dass die Kieler Woche bei den Kreuzfahrtreedereien auf ein immer breiteres Interesse stößt. Zu den in diesem Jahr avisierten Anläufen kommen immer noch einige dazu. Bis Saisonende erwarten wir mehr als 140 Anläufe.

Wenn alles so gut läuft – wo profitieren die Stadt und ihre Bewohner am meisten vom Kreuzfahrtstandort?

Wenn man von nur 400  000 Passagieren ausgeht, ist das nach vorsichtigen Berechnungen des NIT allein schon eine zusätzliche Kaufkraft von acht Millionen Euro – nur darauf bezogen, was Passagiere und Crews in der Stadt ausgeben.

Einer Tourismus-Umfrage aus dem Jahr 2012 zufolge ist Kiel als Ausflugsziel für Passagiere allerdings nicht sehr gefragt. Wo kann Kiel besser werden?

Häufig gebucht werden Fahrten nach Hamburg, Lübeck oder nach Plön und in die Holsteinische Schweiz. Die Amerikaner wollen Highlights sehen – etwa das Weltnaturerbe Wattenmeer. Kiel ist der Ostseehafen für Ausflüge in ganz Schleswig-Holstein und nach Hamburg.

Kiel ist da offensichtlich kein Highlight.

Kiel hat sicherlich Highlights. Die stellen wir auch dar. Das ist zum Beispiel der Nord-Ostsee-Kanal mit den Schleusentoren. Die Innenstadt lockt zum Shoppen. Auch Molfsee mit dem Freilichtmuseum funktioniert gut.

Sind die Kieler und die Einzelhändler gut genug aufgestellt, um dem Interesse und den Bedürfnissen der vielen Gäste gerecht zu werden?

Der Kieler Einzelhandel hat das Glück, dass der Hauptreisetag der Samstag ist und nicht der Sonntag. Ich hatte mal dafür gekämpft, ob man nicht an den Top-Sonntagen öffnen könnte. Das ist dann nichts geworden. Im Augenblick kommen wir mit den Öffnungszeiten gut klar.

Auch der Arbeitsmarkt profitiert durch Nebenjobs von der Kreuzfahrtsaison. Wie viel Potenzial steckt da drin?

Allein im Kofferhandling werden es 300 bis 400 sein. Pro Schiff kann man mit etwa 150 Mitarbeitern von den Agenturen bis zum Zoll insgesamt rechnen. Da kommt viel zusammen. Pkw-Parkservice, Schiffsversorgung, Stadtführungen.

Anderes Thema: Wie haben Sie den vergangenen Herbst wahrgenommen, als Hunderte Transitflüchtlinge im Ostseekai unterkamen?

Das war ein Ausnahmezustand, hat uns auch an unsere Leistungsgrenze gebracht. Wir waren täglich damit beschäftigt den Leuten ein Dach über dem Kopf zu stellen und unsere Kunden parallel zu versorgen. Aber wir haben sehr gut mit Polizei und Stadt zusammengearbeitet.

Haben Sie Imageprobleme befürchtet – dadurch, dass es am Ostseekai teilweise chaotisch aussah und die Polizei vor Ort war?

Nein, eigentlich nicht. Es gab ein sehr großes Verständnis für die Situation, eine enorme Hilfsbereitschaft. Ich hoffe, dass die Leute wahrnehmen, was wir als Hafen da geleistet haben.

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