zur Navigation springen

OB-Wahl : Hackethal will eine Alternative sein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Detlef Hackethal bewirbt sich als unabhängiger Kandidat um das Oberbürgermeisteramt. Seine Hauptthemen: Armut bekämpfen, kein Möbel Kraft. Er ist Sohn einer Künstlerfamilie, wuchs bei seiner Tante und Großmutter auf und verdient sein Geld als Lerntherapeut.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2014 | 04:40 Uhr

Norweger-Pulli, eine Tasse Kaffee, den Kopf über dem Rechner. Detlef Hackethal (59) überbrückt eine Pause zwischen Arbeit und Pressetermin gern in einem seiner Lieblings-Cafés – heute in der Hansastraße. Er gibt Privates nicht gern preis, hat keine Lust auf Journalisten in den eigenen vier Wänden – er fürchtet: „Das ist zu amerikanisch.“ Deshalb treffen wir uns im Café – neutraler Boden, kein Möbelstück, kein Bild, das einen vor dem Besucher bloßstellt. Keine neugierigen Fragen? Doch, gerade!

Sind Sie verheiratet? „Nein.“ Haben Sie eine Lebensgefährtin? „Eine gute Freundin“ (er schmunzelt verlegen). Familie? „Einen Sohn.“ Den Namen verrät er nicht. Hackethal ist kein Mann vieler Worte – zumindest, wenn es um sein Privatleben geht. Er hat auch nicht vor, von Wahlplakaten aus die Leute anzugrinsen, sein Gesicht überall in der Stadt aufzuhängen, stattdessen verteilt er Wahlflyer. „Mir ist es lieber, die Menschen wählen Themen und Inhalte als Gesichter. “ Da ist er ganz auf Linie mit seiner Partei der Linken, die den OB-Wahlkampf in der Landeshauptstadt auch lieber mit „Themen und Inhalten“ statt mit Personen gefüllt hätten. „Das geht so aber nicht“, dachte sich Hackethal und entschied kurzerhand nach dem Entschluss gegen der Kreismitgliederversammlung sich selbst als parteiloser Kandidat zu bewerben und zog los, um Unterschriften zu sammeln. Sein Motiv: „Das Bürgerbegehren gegen Möbel Kraft ist an die Oberbürgermeisterwahl am 23. März gekoppelt und beide Parteikandidaten sind für die Ansiedlung. Ich wollte eine Alternative bieten.“ mit dem Argument hatte er dann allein rund um das ehemalige Kleingartengelände „Prüner Schlag“ etliche Unterschriften zusammen, den Rest gab es in Gaarden und bei den Tafeln – hier kennt man ihn noch oder lernte ihn gern kennen, weil Hackethal sich für die erste Arbeitslosenzeitung in Deutschland engagiert hat, Armut ein wichtiges Thema für ihn ist (siehe Kasten).

Er ist etwas aufgetaut, erzählt nun doch die knappe Biografie: Hackethal ist in Hamburg geboren. Als Dreijähriger kam er nach Kiel, wuchs bei seiner Tante und Großmutter auf. Die Eltern waren getrennt, der Vater reiste als Kabarettist viel. Gemeinsam mit drei anderen Kieler Studenten gründete Joachim Hackethal am 19. Juli 1947 ein politisch-satirisches Reisekabarett unter dem Namen „Die Amnestierten“– in Anspielung auf einen Erlass der Alliierten, nach dem alle nach 1919 Geborenen als politisch unbelastet eingestuft wurden. Sie schafften den Durchbruch und waren fortan in Deutschland und dem skandinavischem Raum als professionelles Tourneetheater unterwegs. Außerdem spielte Hackethals Vater in dem bekannten Film „Die Blechtrommel“. Detlef Hackethal begleitete seinen Vater in den Schulferien oft, lernte viele interessante Leute kennen wie Dieter Hildebrandt, erinnert er sich zurück. In Kiel besuchte Hackethal die Knaben-Realschule – der Schriftzug ist noch immer an dem heutigen Gebäude der Förde-VHS an der Bergstraße zu lesen. Nach der Schule entschied er sich für die Erzieherausbildung und arbeitete zwei Jahre mit Menschen mit Behinderungen zusammen. 1978 fing er an, Sozialpädagogik zu studieren, doch beendet hat er es nicht. „Es war nicht das Studium, das ich mir gewünscht hätte. Statt Pädagogik wurde das Hauptaugenmerk auf Verwaltungskunde und Jugendhilferecht“, sagt Hackethal. Statt zu studieren, arbeitete Hackethal als Lerntherapeut und im kleinen eigenen Verlag, den er gemeinsam mit seiner Tante ins Leben rief. Seine Tante, Renate Hackethal, ist die bundesweit bekannte Autorin des „Kieler Lese- und Rechtschreibaufbaus“. Engagiert war Hackethal „schon immer“: Er war bei der AKW-Bewegung in Brokdorf genauso auf der Straße wie zur Änderung des Hochschulgesetzes, während des Studiums war er nach eigenen Angaben in allen politischen Hochschulämtern bis zum Senat aktiv. Politisch hob er die „Wahlalternative für soziale Gerechtigkeit“ (WASG) mit aus der Taufe. Angefangen hat alles mit den Montagsdemos gegen Hartz IV 2004. Ein Jahr später, es gab vorgezogene Neuwahlen, begleitete er „den Vereinigungsprozess von WASG und PDS zur Linken“. Fast drei Jahre arbeitete Hackethal im Büro des Bundestagsabgeordneten der Linken Raju Sharma.

In Kiel war er die längste Zeit der Sprecher der Linken – bis zum Bekanntwerden seiner Kandidatur. Das fand der Vorstand gar nicht lustig und trat geschlossen zurück, um auch Hackethal des Postens zu entheben. Denn beides in Personalunion geht nicht parallel zur OB-Kandidatur, das sieht auch Hackethal so.

Tritt er denn mit ernsthaften Ambitionen an? „Wenn ich für ein Amt antrete, will ich es auch werden mit allen Konsequenzen auch wenn die Chancen dafür nicht groß sind. Aber ich nehme meine Kandidatur ernst.“ Das Oberbürgermeisteramt sieht Hackethal als ein politisches. Es wie seine Vorgängerin Susanne Gaschke „als repräsentatives Amt zu missbrauchen, käme für mich nicht in Frage“.

Und am Ende erzählt er doch noch etwas von sich: Er spielt regelmäßig Volleyball in einer christlichen Gruppe und Fußball in der Muhliushalle. Er erzählt von seiner Leidenschaft, gern auf die Insel Gomera zu reisen, überlegt vielleicht dort den Lebensabend zu verbringen. Aber vorher geht er wählen – nicht nach Gesichtern, sondern nach Themen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert