Guter Kaffee braucht seine Zeit

Im letzten Schritt rotieren die Kaffeebohnen in der Maschine. Dabei werden sie von unten mit kalter Luft versorgt und kühlen nach dem Rösten schneller ab.
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Im letzten Schritt rotieren die Kaffeebohnen in der Maschine. Dabei werden sie von unten mit kalter Luft versorgt und kühlen nach dem Rösten schneller ab.

Der gebürtige Eckernförder Arne Schlüter hat sich einen Traum erfüllt und die Kleine Kaffeerösterei in der Möllingstraße in Kiel eröffnet

shz.de von
26. Mai 2019, 17:16 Uhr

Kiel | Wenn der Wind gut steht, steigt einem der Kaffeeduft schon am Exerzierplatz in die Nase. 150 Meter entfernt steht Arne Schlüter an seiner Röstmaschine und achtet darauf, dass die Kaffeebohnen aus Indien, Brasilien und Peru nicht zu heiß werden. Vor knapp vier Jahren hat sich der gebürtige Eckernförder einen Traum erfüllt und die Kleine Kaffeerösterei in der Möllingstraße 25 in Kiel eröffnet.

Von Industriekaffee hat der 42-Jährige noch nie etwas gehalten. Schon früh hat er Rohkaffee zu Hause zubereitet. „Damals noch in einer alten Röstpfanne auf dem Herd“, erzählt der gelernte Elektriker. In dem Kieler Geschäft hat er inzwischen eine sogenannte Trommelröstmaschine. In diese füllt er jetzt die hellgrünen Bohnen. Heute sind die Brasilianischen dran.

Entscheidend beim Rösten seien vor allem Zeit und Temperatur. Während die Bohnen in der Trommel rotieren, achtet Schlüter darauf, dass die 180-Grad-Marke nicht überschritten wird. Rund 20 Minuten bleiben sie in der glänzenden Maschine. „So werden sie schonend geröstet und die Bitterstoffe können langsam entweichen.“ Ganz anders als beim Industriekaffee: Dort werden die Bohnen bei 500 bis 600 Grad nur bis zu drei Minuten geröstet.

Vor allem Stammkunden kommen regelmäßig in das kleine Geschäft nahe der Kieler Innenstadt. Für sie versucht Schlüter alle Wünsche zu erfüllen: Ob Kaffeebohnen aus Australien, Hawaii oder der seltene „Katzenkaffee“, bei dem die Früchte von indonesischen Wildkatzen ausgeschieden werden: Der Kaffeeröster macht es möglich.

Über zu wenig Arbeit kann sich Schlüter nicht beschweren, pro Jahr röstet er rund zwei Tonnen. Auch er profitiert von dem regelrechten Kaffee-Kult, der vor ein paar Jahren in der Landeshauptstadt ausgebrochen ist. In der Holtenauer Straße reiht sich ein französisches Café neben das nächste. Das beliebte Café Resonanz bei der Muthesius Kunsthochschule hat inzwischen ein zweites Café in der Möllingstraße eröffnet. Das Café Hilda am Jägersberg lockt mit eiskaltem „Coffee on the Rocks“, und die mobile Kaffeebar auf den Kieler Wochenmärkten von Loppokaffeeexpress ist schon lange kein Geheimtipp mehr. „Die Menschen zelebrieren das Kaffee-Trinken wieder viel mehr. Sie nehmen sich Zeit und genießen es richtig“, erklärt Schlüter den Hype um das „braune Gold“.

Auch das Bewusstsein für Herkunft und gesunde Herstellung wachse immer weiter. Deshalb setzt Schlüter auch auf sogenannten Projekt-Kaffee. Der Anbau im Herkunftsland werde dabei gefördert und es gebe keine Zwischenhändler, die noch mitverdienen wollten. „Das ist noch besser als Fair Trade“, meint er.

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