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Kreatives Dorf in der Stadt : Grüne Vision für die „Alte Mu“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Muthesius Kunsthochschule gibt dieTrägerschaft des alten Standorts auf. Ein Verein will den Komplex nun kaufen und entwickeln. Aber auch für Schüler und Studenten käme eine Nutzung in Frage.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 18:06 Uhr

Begrünte Dächer, ein Wohnturm, eine Mensa mit selbst angebauten Produkten, Kleinwindanlagen, ein Recycling-Baumarkt und Kinderbetreuung: Als „Dorf in der Stadt“ malen sich die 80 Kreativen des Vereins „Alte Mu Impuls-Werk“ ihre Utopie des Areals der früheren Muthesius Kunsthochschule in der Innenstadt aus. Ihre Vision für die Entwicklung des Gebäudekomplexes in den kommenden Jahren wollen sie nun der Öffentlichkeit näherbringen. „Mittelfristig“, sagen Michael Päpke (52) und Daniel Müller (36) vom Verein, „wollen wir eine eigene Genossenschaft gründen und das Gebäude, das dem Land gehört, gern kaufen“.

Ein Konzept zur Nutzung, so viel steht fest, muss her. Zum Ende des Jahres zieht sich die Muthesius Kunsthochschule als Träger zurück, sie hat gekündigt. Die Nachfolge ist offen. Wenn es keine Hochschulnutzung mehr gibt, muss das Land verkaufen. Hinzu kommt: Es gibt weitere Akteure, die Interesse an dem Standort mit 5000 Quadratmetern bebauter Fläche zeigen. Unabhängig davon, dass das Gelände als Standort für Wohnungsbau in Frage kommt. Da ist die Stadt Kiel: Sie prüft derzeit eine Unterbringung von 300 Schülern des Regionalen Berufsbildungszentrums I, bis ein Neubau fertig ist – das bestätigte gestern ein Sprecher der Stadt.

Auch der Kieler Initiator des Projekts Zukunftsmacher.sh, Prof. Christoph Corves, wünscht sich ein zentral gelegenes „Haus für Zukunftsmacher“. „Wir überlegen derzeit mit der Landesregierung, wie und wo sich das realisieren lässt“, sagt er. Das Areal der alten Hochschule sei „auf jeden Fall eine attraktive Option“. Die Vision des neuen Vereins findet er „interessant“. Die Pläne seien ein „Denkanstoß“.

Seit Ende 2012 stand der alte Hochschulstandort der Muthesius Kunsthochschule am Lorentzendamm nach deren Umzug leer, das Haus wird von einzelnen Studenten genutzt. Nun haben sich in den Werkstätten kreative Projekte angesiedelt (wir berichteten). Geboren wurden einige davon übrigens einst in Corves’ Ideenschmiede „Youweedoo“. Mittlerweile sind es mehr als 20. In der „Werk statt Konsum“, mit dem „Kieler Honig“ oder im „Glückslokal“ leben die Aktiven ihre Ideen von Nachhaltigkeit aus.

Mit wachsendem Erfolg und Mut: Die Kieler – viele von ihnen Studenten – wollen dort nicht mehr weg. Auch darum haben sie den Verein gegründet und ihre Utopie entwickelt, die sie als „Mitmach-Baustelle“ sehen. „Wir könnten selbst Träger des Gebäudes sein und Räume vermieten“, sagen Michael Päpke und Daniel Müller. „Wir sind Akteur auf Augenhöhe, haben das Gebäude vor dem Verfall gerettet.“ Eine ihrer Ideen sieht Räume für etwa 50 Wohnungen im Hauptbau vor, in denen Studenten, Flüchtlinge und Kreative in WGs auf Zeit leben könnten. Großes Ziel sei es, dort arbeiten und leben zu können, fasst Päpke zusammen.

Das Land geht von einem Handelswert zwischen drei und sechs Millionen Euro aus. Die Finanzierung über eine Genossenschaft hält der Verein „mittelfristig“ für realistisch, verweist auf ähnliche Projekte in Hamburg oder Berlin. „Wir trauen uns zu, es auch selbst zu verwalten“, meint Müller. Dabei würden sie auf einen Partner wie die Kunsthochschule setzen. Künstler der „Muthesius“ hätten Interesse daran, weiterhin Ateliers zu nutzen.

Lösung könnte eine Übergangsvereinbarung für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren sein. Das zumindest strebt das Land an, wie Wissenschaftsstaatssekretär Rolf Fischer (SPD) auf Anfrage sagte: „Wir sind in Verhandlungen.“ Ein Lösungs-Modell mit der Stadt sei auf den Weg gebracht worden, aber noch nicht entschieden. Erst dann will Fischer einen Runden Tisch mit den Akteuren einberufen, um die Details zu klären: „Ich gehe aber davon aus, dass es noch in diesem Jahr entschieden wird.“

Auch der Verein wünscht sich eine Übergangslösung. „Was wir jetzt brauchen, ist ein bisschen Sicherheit“, sagt Michael Päpke. Am kommenden Sonnabend, 5. Dezember, wird aber erst mal gefeiert: In der „Alten Mu“ (Lorentzendamm 6-8) steigt ein Benefiz-Winterfestival ab 16 Uhr – mit Adventsmarkt, Kunst, Kino, Livemusik und mehr.

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