Überlastete Straßen : Grüne sprechen von „letztem Weckruf“

Verkehr von allen Seiten:  Die Stadt Kiel weiß keine Lösung, wie Fahrzeuge am Nadelöhr der B 76 / Alte Lübecker Chaussee umgeleitet werden könnten.
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Verkehr von allen Seiten: Die Stadt Kiel weiß keine Lösung, wie Fahrzeuge am Nadelöhr der B 76 / Alte Lübecker Chaussee umgeleitet werden könnten.

Sollte es zum Ärgsten kommen und der Theodor-Heuss-Ring für Stinker geschlossen werden, stehen Kiel schwierige Zeiten bevor. Denn die Analyse der Bau-Stadträtin zeigt: Es gibt eigentlich keine passable Umgehungsstrecke.

shz.de von
11. Januar 2018, 18:58 Uhr

Der Oberbürgermeister hatte bereits gewarnt. Sollte es wegen der unerlaubt hohen Stickoxid-Belastungen auf dem Abschnitt der B 76 zwischen Hamburger Chaussee und Barkauer Kreuz wider Erwarten zu Fahrverboten kommen, droht der Landeshauptstadt laut Ulf Kämpfer der Kollaps (wir berichteten). Das bestätigte jetzt auch Bau-Stadträtin Doris Grondke: „Es stehen keine alternativen Trassen zur Verfügung.“

Doris Grondke folgte in ihrer Mitteilung für den Bau-Ausschuss (der gestern Abend tagte) der Bitte des Grünen-Ratsherren Arne Langniß, die Verkehrsflüsse im Dreieck Alte Lübecker Chaussee / Hamburger Chaussee / Theodor-Heuss-Ring (B 76) zu beschreiben. Aus ihrer Analyse wird klar: Sämtliche Knotenpunkte sind heute schon an der Grenze der Belastbarkeit angelangt.

So verzeichnet der Theodor-Heuss-Ring werktäglich über 100 000 Fahrzeuge – konzipiert war die Strecke einst für 70 000 Autos. Er ist damit der am stärksten belastete Abschnitt der B 76 auf Kieler Gebiet. Auf der Hamburger Chaussee sind an Werktagen 16 000, auf der Alten Lübecker Chaussee mit ihrer Zufahrt zum Gewerbegebiet Stormarnstraße 15 000 Fahrzeuge unterwegs. Beide Straßenzüge sind, wie Doris Grondke beschreibt, „in den Hauptverkehrszeiten morgens und nachmittags stark ausgelastet beziehungsweise überlastet“. Folgerung: Den Umleitungsverkehr vom Theodor-Heuss-Ring können sie nicht mehr aufnehmen. Im Übrigen würde auch die Ausweichtrasse über Bahnhofstraße/Sörensenstraße und dann über Kaistraße und Stresemannplatz nicht funktionieren. Zum Einen aus Gründen der Luftreinheit, zum Anderen, weil der Bereich Stresemannplatz / Ziegelteich in der Innenstadt „heute bereits grenzwertig ist“.

Langniß bezeichnet diese Einschätzung als „letzten Weckruf“. Die chronische Überlastung der Straßen zwinge zum „Umdenken in der Mobilität, man benötige dringend ein Konzept für bessere Taktzeiten im Busverkehr. Dies kann laut Langniß der erste Schritt auf dem Weg zur lange geforderten Mobilitätswende sein. Eines steht für den Grünen fest: „Ein ,Weiter so‘ darf es angesichts drohender Fahrverbote nicht geben.“

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