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Kiel-Holtenau : Große Nordkammer: Neues Schleusentor für den Nord-Ostsee-Kanal

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An der Einfahrt Holtenau zum Nord-Ostsee-Kanal könnte es eng werden. Die große Nordkammer fällt bis Donnerstag wegen Reparaturen aus. Von ursprünglichen vier Schleusen ist zurzeit nur die Südkammer in Betrieb.

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2015 | 16:16 Uhr

Kiel | Diesen Anblick hat auch Matthias Visser vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Kiel-Holtenau noch nicht genießen dürfen: Nicht weniger als drei mächtige Schleusentore liegen fest vertäut an der Längsseite der großen Nordschleuse. Das erste ist das ausgebaute Tor, das nach 20-jährigem Dienst demnächst zur gründlichen Überholung in die Werft geschleppt wird. Das zweite ist das künftige Reservetor, das bei Havarien oder technischen Ausfällen zum Einsatz kommen wird. Und das dritte – der frische Anstrich zeigt’s an – ist das Tor, das in diesen Tagen eingesetzt wird.

Spätestens am Donnerstag soll die Nordkammer wieder Schiffe aufnehmen. Weil auch die beiden kleineren Schleusen auf Holtenauer Seite seit Jahren außer Betrieb sind, kann die Kanalverwaltung zurzeit einzig auf die Südschleuse zurückgreifen. Sollte – wie es zuletzt Anfang November 2014 dem britischen Frachter „Vectis Eagle“ passiert ist – erneut ein Schiff das Tor rammen, wäre der Kanal für Tage komplett gesperrt.

Von diesem schlimmsten Szenario aber will Visser nichts wissen. Ganz im Gegenteil: Er ist zuversichtlich, dass die Arbeiten zügig ablaufen und nicht von Pannen überschattet werden. Ausgetauscht werden in der 310 Meter langen und 42 Meter breiten Nordkammer neben dem mächtigen Schleusentor – nahezu 20 Meter hoch und gut 1000 Tonnen schwer – auch die Unterwagen, auf denen das Tor zur Seite rollt, und der sogenannte „Kupplungsträger“, der das Tor mit dem Antrieb verbindet.

Wie Visser erklärt, sind bei den Torunterwagen die Verschleißgrenzen der Räder erreicht. Sollten sie nicht ausgewechselt werden, können sie in der Zukunft die Schienen auf dem Schleusengrund beschädigen. Und der Kupplungsträger braucht dringend einen Korrosionsanstrich, der alte Rostschutz ist nach 15 Jahren weitgehend aufgebraucht.

Der Nord-Ostsee-Kanal ist, gemessen an Schiffspassagen, die wichtigste Wasserstraße der Welt. Im Juni 1895 noch als Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet, durchfahren heute etwa 35.000 größere Schiffe die 100 Kilometer lange Wasserverbindung zwischen Kieler Förde und Elbe (Sportboote nicht mitgerechnet). Beim Panama- und beim Suez-Kanal sind es jeweils nur halb so viele. Allerdings sind dort die geschleusten Frachter und Tanker deutlich größer. Der Nord-Ostsee-Kanal ist nur zugelassen für Schiffe mit maximal 235 Meter Länge und 32,5 Meter Breite bei einem Tiefgang von sieben Metern, bei kleineren Einheiten dürfen es auch bis zu 9,5 Meter Tiefgang sein. Doch bekanntermaßen fahren die Ozeanriesen in einer ganz anderen Liga, ihnen bleibt der Nord-Ostsee-Kanal verschlossen.

Seit Jahren fordern Vertreter von Wirtschaft und Politik deshalb den Ausbau des Kanals, zumindest aber eine zuverlässige Instandhaltung. Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat bereits ein Papier erarbeitet, nach dem die Öffnung der jahrelang gesperrten, kleinen Schleusen vorangetrieben werden könnte. Entscheiden müssen letztlich die Ministerien in Berlin.
 

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