DAK-Studie : Grippe und Erkältung: Der Norden schnieft

Grippe

Vor allem junge Erkrankte kurieren sich meist zu Hause aus und suchen den Arzt nur für ein Attest auf.

Die Influenza-Erkrankungen steigen diesen Winter sprunghaft an. Schleswig-Holsteiner sind immer häufiger krank.

shz.de von
31. Januar 2018, 09:45 Uhr

Kiel | Zehn Tage sei sie mit Grippe krankgeschrieben gewesen und nur schwer wieder auf die Beine gekommen, klagte eine 43-jährige Kielerin. Wie ihr geht es momentan vielen Schleswig-Holsteinern: Die Influenzasaison ist „recht ausgeprägt“, fasst der Direktor des Kieler Uni-Instituts für Infektionsmedizin, Professor Helmut Fickenscher, das Geschehen an der Schnief- und Hustenfront zusammen. „Der Anteil der Grippekranken bei den akuten Atemwegsinfektionen ist derzeit sehr hoch“.

Offiziell wurden 276 Neuerkrankungen allein in der vergangenen Woche gemeldet, mit Schwerpunkten in den Kreisen Pinneberg, Nordfriesland und Steinburg. Dabei kurieren sich junge, robuste Betroffene meist selbst aus und suchen nur den Arzt auf, wenn sie für ihren Arbeitgeber den gelben Schein benötigen. „In der vergangenen Woche hatten wir den höchsten Stand an Krankmeldungen in diesem Winter“, hieß es am Dienstag bei der AOK Schleswig-Holstein. Ein Plus von 20 Prozent zur Vorwoche.

Solche Zahlen schlagen auf die Jahresstatistik durch. Schon 2017 meldeten sich die Nordlichter häufig krank. Laut DAK stieg der Krankenstand in Schleswig-Holstein von 3,9 auf vier Prozent. Der Grund: Neben den bekannten „Krankmachern“ wie Rückenleiden und Depressionen stieg im Norden die Zahl der Fehltage wegen Erkältungen um knapp zwölf Prozent. „Erwachsene erkranken bis zu viermal im Jahr“, rechnet die DAK-Landesvertretung vor.

Vieles spricht dafür, dass die Fehltagestatistik 2018 noch schlechter ausfällt, denn ausgerechnet der Virusstamm, der den Influenza-Kranken aktuell so übel mitspielt, wird durch den bislang verabreichten Dreifachimpfstoff nicht erwischt. Das löse bei Kassenpatienten „wenig Begeisterung aus“, so Fickenscher. Man könne sich neuerdings zwar nachimpfen lassen, doch der Patient muss beim Arzt zahlen und sich das Geld von der Kasse wiederholen.

Einige Kassen – etwa die AOK – haben inzwischen aber die Direktabrechnung mit den Ärzten geregelt. Fickenscher rät Risikopatienten zur Nachimpfung – besonders bei Lungenkranken „bei denen eine Atemwegserkrankung schnell über Leben und Tod entscheidet“.

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