Umrüstung in SH : Griffbereit: Dienstwaffe der Polizei in neuem Holster

Am Oberschenkel festgeschnallt: Das neue Holster für die Polizisten in Schleswig-Holstein.
Am Oberschenkel festgeschnallt: Das neue Holster für die Polizisten in Schleswig-Holstein.

Viele Beamte beklagen Druckstellen – deshalb rückt die Pistole von der Hüfte an den Oberschenkel.

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21. Januar 2018, 19:03 Uhr

Kiel | Polizisten dürfen künftig ihre Dienstwaffe an einem Holster am Oberschenkel tragen – so wie die Revolverhelden des Wilden Westens. Die Polizeiführung hat sich mit der Entscheidung schwer getan, befürchtete, die Beamten könnten damit „zu martialisch“ aussehen. Doch jetzt beugten sie sich dem Rat der Fachleute für Gesundheitsschutz.

Das Standardholster der Polizei in Schleswig-Holstein heißt „Safariland“ und ist direkt am Gürtel befestigt. „Deshalb drückt die Dienstpistole im Streifenwagen ständig auf den Hüftknochen“, sagt Thomas Gründemann vom Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Unsere Kollegen klagen über zum Teil erhebliche Beschwerden.“

Die Lösung des Problems: Das vorhandene Hüftholster wird auf eine Kunststoffplatte geschraubt, die sich am Bein befestigen lässt. Der Hersteller taufte die Idee „Tac 6009 für Safariland“. Bislang gab es das Upgrade nur für Polizisten, die ein ärztliches Attest vorweisen konnten – allerdings stieg deren Zahl beständig.

„Schließlich wurde entschieden, allen Kollegen eine Umrüstung zu ermöglichen“, sagt Torge Stelck, Sprecher im Landespolizeiamt. „Zumal die Komfortsitze im Streifenwagen nicht so zu modifizieren sind, dass die Dienstpistole mit dem Hüftholster druckfrei getragen werden kann.“

Ob die Polizisten mit dem neuen Holster künftig schneller ziehen als ihr Schatten, dazu schweigt die Polizei. Es heißt nur: „Erprobungen im Rahmen des Schieß- und Einsatztrainings haben ergeben, dass das Ziehen der Waffe einfach und schnell erfolgt.“ Die Umrüstung, die polizeiintern erledigt wird, kostet 50 Euro. Stelck erklärt: „Das neue Holster wird dann maximal vier Wochen getragen, anschließend kann der Beamte entscheiden, ob er dabei bleiben möchte.“ Bislang seien die Rückmeldungen durchweg positiv. „Es ist mit Wartezeiten bei der Umrüstung zu rechnen“, so Stelck.

Die GdP begrüßt die Einführung. „Es ist eine gute Entscheidung“, sagt Gründemann. „Unsere Streifenwagen sind unsere Arbeitsplätze, deshalb müssen alle Möglichkeiten zur Optimierung ausgeschöpft werden.“ Mit dem Oberschenkelholster verbannt die Polizei einen weiteren Gegenstand vom Gürtel der Beamten. Vergangenes Jahr wurde die sogenannte Außentragehülle eingeführt, eine Weste mit vielen Taschen für die Ausrüstung, die zuvor am Gürtel hing und im Sitzen drückte.

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