Prozess in Kiel : Grenzhandel: Angeklagter soll über Harrislee Biersteuer in Millionenhöhe hinterzogen haben

200 Fälle listet die Anklage auf.
200 Fälle listet die Anklage auf.

Der Unternehmer soll mit Scheinfirmen über zwei Jahre unversteuertes Bier vertrieben haben – unter anderem in Dänemark.

shz.de von
20. Juni 2018, 16:25 Uhr

Kiel | Ein 41 Jahre alter Unternehmer soll in Deutschland und Dänemark die Umsatzsteuer für Bier und andere Getränke in Millionenhöhe hinterzogen haben. Am Kieler Landgericht begann am Mittwoch ein Wirtschaftsstrafverfahren gegen den Mann, der drei Strafverteidiger und einen ausgewiesenen Steuerexperten an seiner Seite hat. Der Mann, der laut Staatsanwalt aus dem süddeutschen Raum stammt, nahm zu den Vorwürfen zunächst nicht Stellung.

Laut Anklage beträgt der Gesamtschaden über vier Millionen Euro. Rund 2,7 Millionen Euro Steuern soll der Angeklagte dem deutschen Fiskus vorenthalten haben und weitere 1,5 Millionen Euro den dänischen Steuerbehörden. Dorthin soll der Angeklagte 219 Transporte mit Bier geliefert und sie auf dem Schwarzmarkt verkauft haben.

Dabei installierte der Angeklagte dem Staatsanwalt zufolge ein Scheinfirmennetz über mehrere EU-Länder. Er habe über eine tatsächlich existierende Firma in Harrislee bei Flensburg die Getränke geordert. Bei Kauf und auf den Frachtpapieren nannte er demnach aber ausländische Scheinfirmen, täuschte Vertriebsketten und Empfänger vor und verschleierte Transportwege.

Insgesamt listet die Anklage von August 2015 bis Dezember 2017 mehr als 200 Fälle auf, bei denen der Angeklagte unter anderem in Deutschland, Dänemark, Italien, Frankreich und England die nicht versteuerten Getränke vertrieb.

Der in Deutschland geborene Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit sitzt in Untersuchungshaft. Die Wirtschaftsstrafkammer vertagte sich nach Verlesung der Anklage mit dem Hinweis darauf, es seien Verständigungsgespräche mit allen Seiten geplant. Die Verhandlung soll am 9. Juli fortgesetzt werden. Nach bisheriger Planung hat das Gericht 16 Verhandlungstermine vorgesehen.

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