EU-Schulprogramm : Gratis-Obst macht Schule: Brotgesichter für den Minister

In der Holtenauer Schulküche: Minister Jan Philipp Albrecht mit Lea (l.) und Svea sowie Landfrau Frauke Thode (2. v. r.) und Schulleiterin Anke Gemmer.
In der Holtenauer Schulküche: Minister Jan Philipp Albrecht mit Lea (l.) und Svea sowie Landfrau Frauke Thode (2. v. r.) und Schulleiterin Anke Gemmer.

Großer Andrang beim neuen EU-weiten Schulprogramm: 146 Grund- und Förderschulen in Schleswig-Holstein erhalten zusammen 1,1 Millionen Euro für die kostenfreie Versorgung mit Obst, Gemüse und Milch. Minister Albrecht schaute gestern in Holtenau vorbei.

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20. März 2019, 17:52 Uhr

Die Ofenkartoffeln dampfen schon in der Backröhre, als Minister Jan Philipp Albrecht in die Schulküche hereinspaziert. Neugierig schaut er Lea (8) und Svea (9) aus der Klasse 3 a der Grundschule in Kiel-Holtenau über die Schulter: Sie zupfen Kresse, schnippeln Gurkenscheiben, schnitzen Paprikastreifen und belegen kleine runde Brote. Ein bisschen Gemüse zurechtziehen, ein wenig Schnittlauch drapieren – die lustigen Brotgesichter sehen einladend aus. Zum Reinbeißen.

Kim, Lea und ihre Mitschüler produzieren an diesem Vormittag ein kunterbuntes, vitamin- und nährstoffreiches Menü, das gesund und lecker ist. Neben den Brotgesichtern landen Bananenquark, Gemüsestifte, Nudelsalat und besagte Ofenkartoffeln auf dem Teller der Schüler. Landfrau Frauke Thode führt die Drittklässler durch einen sechswöchigen Kursus, am Ende erhalten die Teilnehmer einen goldenen Kochlöffel – „Ernährungsführerschein“ bestanden!

Der Kursus mit Inhalten wie Hygiene, Herkunft von Nahrungsmitteln oder Benimmregeln am Tisch ist pädagogischer Rahmen des neuen EU-Schulprogramms für Obst, Gemüse und Milch. Damit soll dem Nachwuchs frühzeitig gesunde Ernährung schmackhaft gemacht werden. Landesweit nehmen aktuell 146 Grund- und Förderschulen daran teil, darunter die Grundschule Holtenau. Aus EU-Mitteln erhalten sie im laufenden Schuljahr insgesamt 1,1 Millionen Euro für die kostenfreie Versorgung mit Obst, Gemüse und Milch.

Die Holtenauer Schule bekommt für rund 9000 Euro zwei Mal pro Woche 25 Kilogramm Lebensmittel – das entspricht etwa 100 Gramm pro Kind pro Tag bei 122 Schülern – sowie gut 50 Liter Milch pro Woche (200 Milliliter pro Kind am Tag). Schulleiterin Andrea Gemmer plädiert für eine rundum gesunde Schule: „Ich möchte am Programm nachhaltig teilnehmen, es läuft ja sechs Jahre, sonst verpufft der Effekt ganz schnell.“

Für die Umsetzung hat sie die Eltern mit ins Boot geholt. Sie waschen und schneiden Äpfel, Gurken und Co, verteilen die Pakete samt Bechern für die Milch auf große Körbe. In der Frühstückspause dürfen die Kinder zulangen. „Die Schüler sind mit Begeisterung dabei“, weiß die Schulleiterin. Das bestätigt die neunjährige Hilla: „Ich knabbere auch zu Hause viel Gemüse.“ Und was ist mit Süßigkeiten, Schokolade, Chips? „Ääähm. Manchmal. Ab und zu“, sagt sie und stopft sich grinsend Schnittlauch-Schnipsel in den Mund.

Aus Sicht des Ministers ist die Umsetzung des Programms erfolgreich: „Es wird sehr gut angenommen.“ Einigen Schulen musste sogar abgesagt werden, weil die EU-Mittel nicht reichen.“ Fürs Schuljahr 2019/2020 ist gestern das Bewerbungsverfahren gestartet, die Frist läuft bis Ende 30. April (www.schleswig-holstein.de/schulobst).

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