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Keine Assistenzhunde : „Goldener Würger“: Negativ-Preis für Kieler Theater

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Sollen Menschen mit Behinderung ihre Assistenzhunde ins Theater mitnehmen? Ein Verein hat erstmals den „Goldenen Würger“ verliehen: An das Kieler Theater, weil es Begleithunde nicht zulässt. Die Bühnen bieten einen Kompromiss an.

shz.de von
erstellt am 09.Jan.2014 | 16:19 Uhr

Kiel/Köln | Der erstmals verliehene „Goldene Würger“ ist dem Theater Kiel überreicht worden. Den Negativ-Preis, der künftig jedes Jahr in Deutschland vergeben wird, erhielt die Bühne, weil sie eine kranke Frau mit ihrem Assistenzhund nicht ins Theater ließ, erklärte Ralf Gellings, Sprecher des Vereins Servicehunde Deutschland, am Donnerstag in Eckernförde.

Der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins, Rolf Bolwin, betonte am Donnerstag in Köln, die Theater wollten jedem Menschen Bühnenbesuche ermöglichen. „Hunde im Theater sind aber ein Riesenproblem.“ Besucher könnten Ängste haben oder allergisch gegen Hundehaare sein. Das Bühnengeschehen könnte einen Hund aufschrecken und ihn außer Kontrolle geraten lassen - etwa wenn ein Schuss fällt.

Bolwin lobte die pragmatische Lösung des Kieler Theaters, das im Gegenzug für das Assistenzhundeverbot der kranken Frau eine Freikarte für eine Begleitperson angeboten hat. Die Regelung, Freikarten für Begleitpersonen von Behinderten oder Kranken zu geben, sei bei vielen Theatern in Deutschland üblich.

„Wir wollen, dass alle Menschen ins Theater kommen können und glauben auch dafür jeweils eine Lösung zu finden - eben nur nicht mit Hund“, sagte der kaufmännische Direktor des Kieler Theaters, Jörn Sturm. Es habe sich um einen Einzelfall gehandelt.

Assistenzhunde helfen Behinderten und kranken Menschen, etwa Blinden oder Diabetikern. So könne ein Assistenzhund eine Unterzuckerung seines Besitzers bereits eine halbe Stunde früher riechen als Geräte dies wahrnehmen, erläuterte Gellings. Der „Goldene Würger“ - ein goldlackiertes Würgehalsband im Wert von sechs Euro - soll vor allem ein Denkanstoß sein. Die Diskriminierung von Assistenzhund-Besitzern in Deutschland nehme mit der steigenden Zahl dieser Hunde zu, sagte Gellings.

Der Verein hatte zur Abstimmung im Internet zehn Fälle aus ganz Deutschland zur Wahl gestellt - betroffen waren Supermärkte, Einkaufszentren, Taxi-Betriebe und die Fluggesellschaften Air Berlin und Lufthansa. Der Verein betrachtet Assistenzhund-Verbote als rechtswidrig und fordert weiter den freien Zugang von diesen vierbeinigen Helfern in öffentliche Einrichtungen.

Nach Ansicht Gellings verstößt das Assistenzhund-Verbot im Theater gegen das schleswig-holsteinische Hundegesetz und die UN Behindertenrechtskonvention. „In den USA, zum Beispiel am Broadway in New York, erlauben Theater Begleithunde“, sagte Gellings.

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