Stadt ohne Freibad : Gluthitze in Kiel – und das Freibad Katzheide ist dicht

Eine der letzten Aktionen in Katzheide: Im Juli 2014 lief eine Qualifikation zur 1. Europameisterschaft im Badewannen-Rennen.
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Eine der letzten Aktionen in Katzheide: Im Juli 2014 lief eine Qualifikation zur 1. Europameisterschaft im Badewannen-Rennen.

Das beliebte Freibad Katzheide auf dem Kieler Ostufer wird in diesen heißen Tagen schmerzlich vermisst. Es soll aber erst in zwei Wochen zum Ferienbeginn öffnen.

Margret Kiosz von
04. Juli 2015, 06:50 Uhr

Kiel | Brütende Hitze auch in Kiel. Alles lechzt nach Abkühlung. Die könnten die Bürger der Landeshauptstadt im Freibad Katzheide finden. Die Becken für Schwimmer, Nichtschwimmer und kleine Planscher sind gefüllt, die Filter laufen, die Folie hält dicht. Nur: Die Türen bleiben geschlossen, das Kassenhäuschen ist unbesetzt. Viele Bürger – allen voran die Initiative zum Erhalt von Katzheide – sind entsetzt. „Gerade die Jugendlichen aus Gaarden, die oft auf Etage ohne Balkon und Garten wohnen, leiden unter der Entscheidung. Die hängen jetzt auf dem Vinetaplatz ab und kommen im Zweifelsfall auf dumme Gedanken“, warnt Ulrich Hühn, der Vorsitzende der Initiative „Katzheide erhalten“.

Auch Pastor Uwe Hagge von der evangelischen Kirchengemeinde ist entsetzt. „Bei den aktuellen Temperaturen zeigt sich, dass der Beschluss der Ratsversammlung ein Desaster ist“, erklärte der Pastor. Überall werde darüber geklagt, dass die Sozialarbeit in Kiels Multikulti-Stadtteil Gaarden Millionen verschlinge. „Hier könnte Sozialarbeit fast für umsonst geleistet werden, indem man das Schwimmbad erhält und Jung und Alt wissen, wo sie bei dieser Hitze hinkönnen“. Das habe etwas mit „Völkerverständigung, sozialer Selbsthilfe und natürlicher Freizeitgestaltung zu tun“, so Hagge.

Einig sind sich alle Beteiligten, dass die Stadt auf Zeit spielt und Kalkül hinter den geschlossenen Türen steckt. Die angeblich 750  000 Euro teuren, dringend erforderlichen Not-Reparaturen entpuppten sich offenbar als Luftnummer. „ Das hat ganze 12  000 Euro gekostet“, erklärt der Vorsitzende Hühn. Deshalb habe die Stadt jetzt eine Gesundheitsgefahr ins Spiel gebracht, „die durch eine Symbiose von Algen, Pilzen, Flechten und Farnen hervorgerufen werden soll, die aber labortechnisch bis dato niemand nachweisen konnte. Auch das ist nur ein Vorwand, um das Bad schon jetzt zu schließen“, ist sich Hühn sicher.

Ursprünglich hatten die Rathaus-Politker nämlich versprochen, Katzheide erst zu schließen, wenn der 26-Millionen-Euro-Neubau an der Hörn fertig gestellt ist. Doch eine echte Alternative wird das neue Erlebnisbad für sonnenhungrige Kieler, denen Geld oder Zeit für den Ausflug an den Ostseestrand fehlen, ohnehin nicht. Während Katzheide über 13 Hektar Liegewiesen verfügt, auf denen sich an Sonnentagen hunderte Familien und Jugendgruppen aalen, wird das neue Schwimmbad über knapp 2000 Quadratmeter verfügen. Das entspricht zwei mittelgroßen Baugrundstücken für Einfamilienhäuser.

Und statt 2000 Quadratmeter Wasserfläche, wie sie Katzheide bietet, entsteht im neuen Bad ein einziges Außenbecken von zwölf mal 16 Metern – was 192 Quadratmetern entspricht. „Da sind die Privat-Pools in den Gärten gut situierter Kieler ja größer“, meinte gestern ein Vorstandsmitglied der Initiative, die jetzt ein Bürgerbegehren zum Erhalt von Katzheide durchsetzen will.

Fraglich ist, ob die Ratspolitiker bei ihrer Entscheidung pro Neubau und gegen Katzheide diese Fakten tatsächlich kannten. Präsentiert wurden Computergrafiken, die zu Fehlinterpretationen Anlass geben. Die große blaue Wasserfläche wird von vielen Betrachtern spontan als neues Außenbecken identifiziert. Das kleine hellblaue Rechteck aber, in dem die Kieler später einmal schwimmen sollen, wird übersehen. Die Stadt wollte Bilder in besserer Auflösung gestern nicht zur Verfügung stellen, „da sich im Laufe der genaueren Planung noch Änderungen ergeben können“.

Entwurf für den Neubau  – das kleine hellblaue Viereck ist das Außenbecken.
Entwurf für den Neubau – das kleine hellblaue Viereck ist das Außenbecken.
 

Zudem teilte eine Stadtsprecherin mit: „Ende nächster Woche wissen wir definitiv, ob das Nichtschwimmerbecken in Katzheide freigegeben werden kann. Die derzeitige Probephase verläuft sehr vielversprechend.“ Dezernent Gerwin Stöcken sei ausgesprochen zuversichtlich, dass das Freibad zum Beginn der Sommerferien geöffnet und das Nichtschwimmerbecken dann genutzt werden könne. Für halbstarke 16-Jährige, die ihr Können gern beim Köpfer vom Fünf-Meter Turm unter Beweis stellen, ist ein Bad im Planschbecken aber kaum attraktiv.

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