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Bewirtungskosten : Gleiches Recht für Kieler Woche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Viele Firmenchefs laden Geschäftspartner zum Münchner Oktoberfest ein - und machen die Bewirtungskosten beim Finanzamt geltend. Für die Kieler Woche gilt das nicht. Unternehmer in Schleswig-Holstein wollen das ändern.

„O’zapft is“. Seit zwei Wochen wird auf der Münchner Wiesn gefeiert. Viele Firmenchefs nutzen das Oktoberfest zur Kontaktpflege und Werbung – und laden Kunden und Lieferanten ein. Auf Kosten der Steuerzahler. Denn die Bewirtungskosten können sie beim Finanzamt geltend machen.

Warum ist das auf dem bayrischen Oktoberfest möglich, auf maritimen Großereignissen wie der Kieler Woche oder der Rostocker Hanse-Sail hingegen nicht? Das fragen sich Firmen, Unternehmensverbände und Politiker im Norden. Laden Firmenchefs hier zum Beispiel zur Regatta-Begleitfahrt auf einen Traditionssegler ein, dann müssen sie die Zeche allein bezahlen und dürfen Köm und Käsebrot nicht als Betriebsausgaben absetzen. Das stellte der Bundesfinanzhof im vergangenen Jahr in einem Urteil klar.

Das klagende Unternehmen hatte argumentiert, es müsse die Kosten der Reise und der Bewirtung in gleicher Weise als Betriebsausgabe abziehen können, wie es die Finanzverwaltung bei der Nutzung von so genannten Vip-Logen an stationären Sportstätten zulasse. Schließlich lasse sich Segelsport nicht stationär, sondern nur vom Schiff aus beobachten. Der Bundesfinanzhof folgte dieser Argumentation nicht. Das Einkommensteuergesetz schließe Kosten für Schiffsreisen und damit zusammenhängende Bewirtungen bewusst vom Abzug aus, weil es darin luxuriöse Ausgaben einer unangemessenen Repräsentation sehe, die nicht „auf die Allgemeinheit abgewälzt“ werden sollte. Zu spüren bekommen das jetzt die Schiffscharterer, die über einen deutlichen Buchungsrückgang klagen. Kein Wunder: „Viele Firmen sind verunsichert und halten sich mit Einladungen zurück“, erklärt Axel Job von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein.

Doch jetzt kommt erneut Bewegung ins Spiel. Die Kieler IHK und der Unternehmerverband Kiel hatten bereits zur Kieler Woche Ende Juni 2013 auf das steuerliche Problem und seine Folgen hingewiesen und die Hoffnung auf einen gemeinsamen norddeutschen Vorstoß kundgetan. Anlässlich des Treffens der wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU in München forderte nun Mecklenburg-Vorpommerns Landtagsabgeordneter Wolfgang Waldmüller die Gleichbehandlung von Kieler Woche, Hanse Sail und Oktoberfest. Eine Gesetzesänderung würde nicht nur den Firmen helfen, argumentiert derweil die IHK, sondern auch die maritimen Großveranstaltungen im Norden und den Erhalt der Traditionsschiffe unterstützen.

Und auch im Kieler Finanzministerium zieht man mit: „Was den Bayern das Oktoberfest, ist uns die Kieler Woche. Ich kann die Kritik der Wirtschaft an dieser Ungerechtigkeit bei der Absetzbarkeit repräsentativer Aufwendungen verstehen“, erklärte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) am Mittwoch. Sie prüfe derzeit den Sachverhalt. „Unser Ziel ist eine Bundesratsinitiative, die sicherstellt, dass Kosten für die Bewirtung bei Regatta-Begleitfahrten absetzbar werden, ohne dass deshalb Aufwendungen für Segelyachten und Motoryachten künftig vom Steuerzahler bezahlt werden.“

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erstellt am 05.Okt.2013 | 11:44 Uhr

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