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Edelmetall im Warleberger Hof : Gewölbekeller erstrahlt in Silber

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Warleberger Hof wird morgen eine „Silber“-Ausstellung eröffnet. Dabei geht es nicht um den adeligen Prunk, sondern um Vorlieben einer bürgerlichen Stadt. Pokale für Segelsieger waren angesagt, exquisite Kannen für die Kolonialwaren und auch gravierte Zigarettenetuis. Nicht zu vergessen die Plaketten der potenten Kriegsunterstützer.

shz.de von
erstellt am 28.Nov.2014 | 13:00 Uhr

Sie waren alle dabei. Die Hausbesitzer-Bank ebenso wie die Burschenschaft Teutonia, die Lehrer und Schüler des Kieler Reformrealgymnasiums, der Verein der Lokomotivführer oder die Beamtinnen des Telegraphenamtes. Auch Kaufhaus-Besitzer Rudolf Karstadt schlug seinen Nagel in das hölzerne U-Boot-Modell. Mit der Aktion trieb die Kaiserliche Marine vor 100 Jahren Spenden ein für ihre Kriegskasse, finanziell potente Patrioten erhielten eine silberne Plakette ausgehändigt. Das lässt sich schön belegen in einer Ausstellung, die morgen im Gewölbekeller des Warleberger Hofes eröffnet wird und sich dem zweitbegehrtesten Edelmetall widmet.

Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann hat mit ihren Mitarbeitern für „Silber“ die eigenen Archive durchforstet. Weil Kiel nie Residenzstadt war, sondern eher eine Universitätsstadt und später eine Industriestadt, fehlt das Prunksilber der adeligen Höfe weitgehend. Gezeigt werden dafür bürgerliches Tafelsilber, gravierte Sieger-Pokale aus der Frühzeit der Kieler Woche oder auch die Silberketten, mit denen Vereine und Gilden ihre Könige behängten. Nicht zu vergessen silberne Zigaretten-Etuis wie jenes Exemplar, das die Inschrift trägt „U-Boot 373 – Kriegsweihnachten 1942 in See“.

1820 zählte Kiel bei 9000 Einwohnern 15 Silberschmiedemeister sowie sieben Gesellen, hat Doris Tillmann herausgefunden. 80 Jahre später, um die Jahrhundertwende, ist es mit der Kleinteiligkeit vorbei. Hofjuwelier Hansen – das Unternehmen feierte jüngst 200-jähriges Bestehen – beschäftigt 50 Angestellte. Aus seiner Werkstatt stammt auch die mächtige Silberschale mit dem Rathausturm, die anlässlich der Einweihung des Kieler Rathauses Ende 1911 gefertigt wurde. Ein weiteres Schmuckstück ist das marmorne Schreibset mit den beiden Fässchen für Tinte und Trocknungssand. Gekreuzte Anker tragen Federhalter in Form von Riemen und Schiffshaken. Und oben drüber strahlt im reinsten Silber das Modell des Kleinen Kreuzers „Irene“.

Das Bürgertum wollte seinen Reichtum zur Schau stellen. Auch die neuen, teuren Kolonialwaren wie Tee, Kaffee oder Schokolade wurden in eigens angefertigten Kannen aufbewahrt. Und schließlich – man weiß ja nie, was kommt – war das Silber in diesen Kreisen eben auch eine begehrte Wertanlage. Zu besonderen Anlässen brachten die Gäste dem Jubilar deshalb einen Silberlöffel mit, der auf Wunsch dann auch graviert wurde.

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