zur Navigation springen

U-Boote aus Kiel : Gewerkschafter kritisiert Führung von Thyssenkrupp Marine Systems

vom

Nach dem gescheiterten Milliardenauftrag für australische U-Boote gibt es Unruhe bei ThyssenKrupp Marine Systems.

shz.de von
erstellt am 06.Jun.2016 | 19:59 Uhr

Kiel/Essen | Der IG-Metall-Funktionär und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp Marines Systems (TKMS), Peter Seeger, hat deutliche Kritik an der Unternehmensführung geübt. „Ich erwarte von der Geschäftsführung eine bessere Planung und Abarbeitung der vorhandenen Aufträge und für die Zukunft eine deutlich bessere Kostenkalkulation“, sagte Seeger am Montag. Die Geschäftsführung müsse ihren Job besser machen, sagte der Chef der IG Metall Kiel-Neumünster.

Die Kieler Thyssen-Krupp-Werft, die von dem Milliardenauftrag profitiert hätte, gehört zu den größten Arbeitgebern in Schleswig-Holstein und gilt als einer der weltweit führenden U-Boot-Hersteller.

Eine TKMS-Sprecherin wollte sich nicht zu der Kritik äußern und verwies auf eine Stellungnahme vom Vortag. Demnach will der Mutterkonzern ThyssenKrupp prüfen, ob die Werftensparte TKMS strukturell richtig aufgestellt ist. „Hierzu gibt es erste Überlegungen, die sich noch in einem frühen Stadium befinden.“ Dieser Schritt sei unabhängig von der aktuellen Auftragslage beschlossen worden.

Die „Welt am Sonntag“ hatte aus einem internen Papier der TKMS-Geschäftsführung an die Mitarbeiter zitiert: Bereits in wenigen Monaten würden demnach die Werften in Kiel, Hamburg und Emden in ein Auslastungstief fallen.

Im April hatte der Konzern das Rennen um einen Auftrag für den Bau von zwölf australischen U-Booten gegen französische Konkurrenz verloren - der Rüstungsdeal soll einen Wert von 35 Milliarden Euro haben. „Es gibt keine Not, über Entlassungen oder Personalmaßnahmen nachzudenken, diese Diskussion gibt es gar nicht“, sagte Seeger. Dass der Konzern seine Sparten überprüfe, sei doch klar. „Wir haben keine Informationen über einen geplanten Verkauf oder anderes.“ In Kiel hat TKMS laut Seeger etwa 2700 Mitarbeiter, in Emden knapp 400 und in Hamburg etwa 600.

Auf den TKMS-Werften gibt es laut Seeger unterschiedlich ausgelastete Bereiche. Die Produktion in der Kieler Werft - dort werden U-Boote gebaut - sei bis zum Jahr 2020 ausgelastet. Dagegen fehlten im Überwasserbereich, der Fertigung von Fregatten zum Beispiel, in absehbarer Zukunft Aufträge. Perspektivisch gelte dies auch für den Konstruktionsbereich. Man dürfe nicht einzelne Werften-Standorte isoliert sehen, sondern TKMS als ein Unternehmen, betonte Seeger.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen