Kunst am Bunker : Gesucht: Das Bild der Zukunft

Das Kolossalgemälde am Bunker hat Shahin Charmi 1988/89 mit Arbeitslosen aufgetragen.
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Das Kolossalgemälde am Bunker hat Shahin Charmi 1988/89 mit Arbeitslosen aufgetragen.

Das 30 Jahre alte Monumentalgemälde „Krieg und Revolution“ am Gaardener Iltisbunker hat ausgedient. Drei Entwürfe konkurrieren jetzt in der Endauswahl um den Zuschlag fürs neue Kunstwerk am wuchtigen Betonkoloss.

shz.de von
17. April 2018, 19:14 Uhr

Wie soll er aussehen, der Iltisbunker in Gaarden? Welches Kunstwerk prangt künftig an dem mächtigen Gemäuer, das seit fast 30 Jahren Szenen und Köpfe zu „Krieg und Revolution“ zeigt. Klar ist: Für Rosa Luxemburg, Gustav Noske und die meuternden Matrosen läuft die Zeit ab. Die Farben sind verblichen, der Anstrich bröckelt, ganze Placken sind bereits abgefallen.

Die zunächst angedachte Restaurierung des weit über Kiel hinaus bekannten Bunkerbildes auf dem Ostufer kommt nicht zustande. Dem Vernehmen nach verlangte der Künstler Shahin Charmi, der 1988/89 mit Arbeitslosen das wuchtige Kunstwerk geschaffen hatte, 200 000 Euro. Diese Forderung aber war der Stadt zu hoch. 70 000 Euro sind für ein neues Kunstwerk vorgesehen, drei Vorschläge stehen zur Auswahl.

Die Kieler Künstlerin Chili M. Seitz etwa will den Bunker von zwei kräftigen Rissen durchzogen wissen. Die beiden statistischen Linien zeigen die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland seit 1955 und die Zahl der militärischen Konflikte – der Zusammenhang wird sichtbar. Arne Lösekann aus Hamburg möchte die messbaren Amplituden-Ausschläge der berühmten Scheidemann-Rede von 1919 über die Ausrufung der Republik am Bunker anbringen. Piotr Nathan wiederum will Bilder von Gaardener Grundschülern – allesamt Illustrationen zu markanten Worten aus den Berichten von Zeitzeugen – zum großen Kunstwerk zusammenfügen.

In der Außenstelle der Stadtgalerie am Gaardener Vinetaplatz liegen die Entwürfe aus. Wer will, mag auf dem (nur dort erhältlichen) Abstimmungsbogen seinen Favoriten benennen. Die endgültige Entscheidung trifft eine neunköpfige Jury von Kunst-Experten im Mai. Anfang Juni beginnen die Arbeiten – im Herbst soll der mächtige Betonklotz mit den 660 Quadratmeter großen Wandflächen frisch erstrahlen. Hunderte Autofahrer passieren täglich die Kreuzung Preetzer Straße / Iltisstraße. Bald müssen sie sich ans neue Kunstwerk gewöhnen.

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